Quantencomputer gelten für viele als weit entfernte Bedrohung, doch für Bitcoin könnten sich erste Warnzeichen laut Joshua Lim, Co Chef Markets bei FalconX, deutlich früher zeigen, und zwar nicht auf der Blockchain, sondern in den Derivatemärkten. In einem Beitrag auf X erklärte Lim am 16. April, welche Signale Händler seiner Ansicht nach am ehesten beobachten sollten, falls ein sogenannter q day, also ein Durchbruch bei Quantencomputern, plötzlich real wird.
Warum das Quantenrisiko mehr als nur ein Technikproblem ist
Lim trennt das Thema in zwei Ebenen. Erstens die technische Frage, wie Bitcoin langfristig von der heutigen elliptischen Kurven Kryptografie auf post quantensichere Verfahren umstellen könnte. Dazu gibt es bereits Ideen und Vorschläge, unter anderem Konzepte, die sowohl eine Migration von UTXOs als auch den Umgang mit sehr alten Outputs berücksichtigen.
Der größere Sprengstoff liegt für Lim jedoch in der zweiten Ebene, der sozialen und politischen Dimension. Denn selbst wenn es einen gangbaren technischen Weg gäbe, bleibt die Frage, was mit sehr alten, möglicherweise für immer unbewegten Coins passiert, allen voran mit den Beständen, die Satoshi Nakamoto zugeschrieben werden.
Lim schätzt Satoshis Bestand auf rund 1,1 Millionen BTC. Rechnet man weitere alte oder verlorene Coins hinzu, etwa aus pay to public key Adressen, könnte es insgesamt um bis zu 1,7 Millionen BTC gehen. Für den Markt ist das eine enorme potenziell angreifbare Menge, Lim spricht sinngemäß von einer Frage im Umfang von rund 127 Milliarden US Dollar.
Satoshis Coins als möglicher Auslöser für einen Governance Streit
Nach Lims Darstellung ergeben sich zwei unangenehme Szenarien. Entweder Satoshi ist noch aktiv und könnte die Coins vor einem q day bewegen, dann würde der Markt die Möglichkeit zukünftiger Verkäufe neu bewerten und der Preis könnte stark unter Druck geraten. Oder Satoshi ist nicht mehr aktiv, dann könnte ein ausreichend leistungsfähiger Quantencomputer diese alten Outputs irgendwann übernehmen.
Genau hier sieht Lim den Kern des Problems, es ist kein reines Mathe Thema, sondern eine Governance Frage. Als mögliche Reaktionen nennt er zwei Wege. Weg A wäre, solche gefährdeten Coins per Community Entscheidung zu neutralisieren oder zu verbrennen. Das würde aber Debatten über Unveränderlichkeit, Eigentum und Präzedenzfälle auslösen. Weg B wäre ein Hard Fork, bei dem der Markt am Ende entscheidet, welche Kette als das echte Bitcoin gilt. Lim hält es für möglich, dass schon der Versuch von Weg A letztlich in Weg B mündet. Als denkbaren Angreifer in einem Diebstahl Szenario sieht er eher einen staatlichen Akteur als einen einzelnen Hacker.
Ein wichtiger Punkt in Lims Analyse ist der Vergleich mit 2017, als sich Bitcoin und Bitcoin Cash trennten. Damals war Bitcoin deutlich kleiner und stärker von Retail geprägt. Heute ist der Markt viel größer, stärker institutionell und eng mit ETFs, börsengehandelten Futures und Optionen verflochten. Ein Hard Fork heute wäre nach Lim deutlich disruptiver, mit extremen Ausschlägen, Kurslücken nach unten und möglichen Kettenliquidationen. Wenn die Community bei der Frage, ob man Coins neutralisiert oder nicht, fast ausgeglichen wäre, könnten institutionelle Investoren zudem gezwungen sein, Risiken vorab zu reduzieren.
Warum Derivate laut Lim früher alarmieren als die Blockchain
Der entscheidende Teil seiner These lautet, falls sich ein q day Risiko aufbaut, wird es zuerst in Derivatedaten sichtbar. Lim nennt vor allem drei Bereiche, in denen sich die Nervosität zeigen könnte, Options Skew bei langfristigen Laufzeiten, die Forward Basis bei Futures und die Verteilung des Open Interest über klassische und krypto native Handelsplätze.
Er verweist darauf, dass langfristige BTC Put Optionen zuletzt relativ teuer waren, die Absicherung nach unten ist also kostspielig. Vergleichbare Werte habe man in der Vergangenheit in Stressphasen wie rund um 3AC und FTX gesehen. Zusätzlich beobachtet Lim eine gedrückte Basis bei länger laufenden Futures, also geringe Aufschläge gegenüber dem Spot Preis. In seinem Modell würde ein wachsendes q day Risiko die Basis weiter zusammendrücken oder sogar drehen, weil ein Teil des Marktes hedgt, während andere auf eine mögliche Fork Dynamik und ein Airdrop ähnliches Ereignis spekulieren könnten.
Gleichzeitig warnt Lim davor, daraus schon einen unmittelbar bevorstehenden Quanten Schock abzuleiten. Einige Signale könnten auch durch allgemeine Systemrisiken oder durch strukturelle Veränderungen erklärt werden, etwa durch die wachsende Rolle großer regulierter Märkte wie CME und neue Liquidität in Optionsprodukten.
Sein Fazit bleibt dennoch klar, wenn ein q day für Trader jemals wirklich greifbar wird, dann sehen sie es wahrscheinlich nicht zuerst daran, dass uralte Coins plötzlich bewegt werden. Sie sehen es zuerst in den Derivatemärkten. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag Bitcoin bei rund 75.024 US Dollar.