Quanten-Hack? Forscher knackt ECC – Bitcoin bleibt sicher?

Quanten-Hack? Forscher knackt ECC – Bitcoin bleibt sicher?
Quanten-Hack? Forscher knackt ECC – Bitcoin bleibt sicher? (BitcoinBasis.de | Image GPT)

Die Meldung klingt zunächst wie ein Albtraum für Bitcoin Anleger: Hat wirklich jemand die Verschlüsselung von Bitcoin „geknackt“? Auslöser der Diskussion ist ein Experiment aus der Quantenforschung. Dabei wurde tatsächlich ein kleines Kryptoproblem gelöst, das auf derselben mathematischen Familie basiert wie ein Teil von Bitcoins Sicherheit. Doch daraus folgt nicht automatisch, dass Bitcoin jetzt unsicher ist.

Was ist passiert und warum reden alle drüber?

Der unabhängige Forscher Giancarlo Lelli hat einen Wettbewerb gewonnen, den sogenannten Q-Day Prize von Project Eleven. Sein Erfolg: Er konnte mit öffentlich zugänglicher Quantenhardware einen sehr kleinen Schlüssel aus der Elliptic Curve Cryptography (ECC) knacken. Konkret ging es um einen 15 Bit Schlüssel, bei dem er mithilfe einer Variante von Shor’s Algorithmus aus einem öffentlichen Schlüssel den privaten Schlüssel ableiten konnte.

Das ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil der bisherige öffentlich bekannte Rekord bei 6 Bit lag. Der Sprung auf 15 Bit bedeutet rechnerisch eine deutlich höhere Komplexität, und er zeigt, wie schnell sich das Feld entwickelt. Zusätzlich sorgt ein Detail für Aufmerksamkeit: Lelli nutzte keinen geheimen Supercomputer, sondern ein Gerät, das öffentlich erreichbar ist, mit ungefähr 70 Qubits. Die Berechnung soll rund 45 Minuten gedauert haben.

Ist damit Bitcoins Kryptografie wirklich gebrochen?

Nein, Bitcoins Verschlüsselung ist dadurch nicht „geknackt“. Der entscheidende Punkt ist die Größenordnung. Das Experiment betraf 15 Bit. Bitcoin arbeitet in der Praxis mit 256 Bit. Das ist nicht „ein bisschen mehr“, sondern eine völlig andere Liga. Was hier gezeigt wurde, ist eher ein Machbarkeitsbeweis dafür, dass Quantenangriffe auf ECC prinzipiell funktionieren können, wenn die Systeme leistungsfähig genug werden.

Gleichzeitig wird die Debatte ernster, weil die geschätzten Ressourcen für einen späteren Angriff auf große Schlüssel sinken. Project Eleven weist darauf hin, dass die Hürden für solche Angriffe mit der Zeit fallen. In aktuellen Veröffentlichungen werden die Anforderungen an künftige Quantencomputer sehr unterschiedlich eingeschätzt, von unter 500.000 physischen Qubits bis hin zu deutlich niedrigeren Zahlen in speziellen Architekturen. Das heißt nicht, dass ein Angriff morgen möglich ist, aber es zeigt, warum Forscher und Entwickler das Thema nicht mehr als reine Science Fiction behandeln.

Welche Bitcoin Bestände wären am ehesten betroffen?

Wichtig ist: Nicht jede Bitcoin Adresse ist gleich gefährdet. Als besonders sensibel gelten Wallets, bei denen der öffentliche Schlüssel bereits on chain sichtbar ist. Laut Project Eleven betrifft das einen großen Bestand, genannt werden etwa 6,9 Millionen BTC, die in solchen Adressen liegen. In diese Kategorie würden auch alte, viel diskutierte Bestände fallen, etwa die Coins, die oft Satoshi Nakamoto zugeschrieben werden.

In diesem Zusammenhang taucht auch das Szenario „harvest now, decrypt later“ auf. Dabei sammeln Angreifer heute schon öffentliche Schlüssel und hoffen, sie in Zukunft mit stärkeren Quantencomputern knacken zu können. Kurz gesagt: Der aktuelle Erfolg ist kein Beweis, dass Bitcoin gebrochen wurde, aber er ist ein weiteres Signal, dass Bitcoin langfristig einen klaren Plan für quantensichere Verfahren braucht, besonders für Fälle, in denen öffentliche Schlüssel bereits veröffentlicht sind.

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