Die Diskussion um das mögliche Ende der OPEC sorgt derzeit für Unruhe an den Finanzmärkten. Denn wenn Staaten Öl stärker in eigenen Währungen handeln und der US-Dollar an Einfluss verliert, verändert das die Spielregeln im Welthandel. Einige Krypto-Analysten sehen in diesem Szenario eine Chance für XRP, weil der Token als neutrales „Zwischenstück“ bei internationalen Zahlungen dienen könnte.
Warum das „Petrodollar“-System für die Debatte so wichtig ist
Im Mittelpunkt steht das sogenannte Petrodollar-System: Über Jahrzehnte wurde ein großer Teil des Ölhandels in US-Dollar abgewickelt. Laut dem Krypto-Analysten Ross, der dazu am 28. April auf X schrieb, hängt das historisch mit Vereinbarungen aus den 1970er-Jahren zusammen, bei denen Saudi-Arabien Öl vor allem in Dollar bepreiste. Andere Länder orientierten sich daran, was die Rolle des Dollars im globalen Handel weiter gestärkt hat.
Wenn sich dieser Mechanismus auflöst, weil Länder Öl zunehmend in lokalen Währungen verkaufen oder eigene Abrechnungswege wählen, steigt die Komplexität im Zahlungsverkehr. Statt „Währung A gegen Dollar gegen Währung B“ braucht es dann oft neue Wege, um schnell und effizient zwischen vielen Währungen zu wechseln.
Analysten: XRP könnte als neutrale Brücke bei Zahlungen dienen
Ross bezeichnete das Ende der bisherigen Strukturen sinngemäß als „Raketentreibstoff“ für XRP. Sein Argument: Wenn mehr Staaten Bilateralhandel ohne Dollar abwickeln, braucht es für grenzüberschreitende Transfers einen neutralen Wertträger, der schnell und günstig übertragbar ist. Genau hier sehen XRP-Befürworter die Stärke des Tokens.
Im Zusammenhang mit Ripple wird dabei häufig die Funktion „On-Demand Liquidity“ (ODL) genannt. Die Idee dahinter: Statt in vielen Ländern teure Liquidität in Fremdwährungen vorzuhalten, soll ein Transfer bei Bedarf über XRP abgewickelt werden, um Geld möglichst schnell zwischen zwei Fiat-Währungen zu bewegen. Befürworter erhoffen sich dadurch weniger Reibung, niedrigere Kosten und schnellere Abwicklung im internationalen Zahlungsverkehr.
Black-Swan-Gründer Aljarrah betont die Rolle im „Währungsumbau“
Ähnlich äußerte sich auch Versan Aljarrah, Gründer von Black Swan, ebenfalls auf X. Er sieht die Schwächung des Petrodollars und Verschiebungen im Ölhandel als Signal für einen größeren Wandel im globalen Finanzsystem. In einer stärker „multipolaren“ Welt, in der Länder mit verschiedenen Währungsräumen enger und direkter miteinander handeln, werde eine neutrale Abwicklungsinfrastruktur wichtiger.
Seiner Einschätzung nach könnte XRP eine Brückenfunktion übernehmen, um Werte zwischen unterschiedlichen Währungen zu bewegen, ohne zwingend über den Dollar zu gehen. Diese Sichtweise passt zu einem Narrativ, das XRP schon länger begleitet: der mögliche Einsatz als Baustein für schnelle, internationale Abwicklungen. Auch Ripple-CEO Brad Garlinghouse hat in der Vergangenheit betont, dass XRP und das Ripple-Netzwerk ein Teil moderner Zahlungsinfrastruktur sein könnten.
Wichtig bleibt: Es handelt sich dabei um Einschätzungen von Marktbeobachtern, nicht um garantierte Entwicklungen. Ob XRP tatsächlich in großem Stil von solchen makroökonomischen Umbrüchen profitiert, hängt am Ende davon ab, ob Banken, Zahlungsdienstleister und Staaten entsprechende Systeme wirklich nutzen und regulierungsseitig grünes Licht geben.