ICE-Chef lobt Hyperliquid – und warnt vor 100:1 Hebel

ICE-Chef lobt Hyperliquid – und warnt vor 100:1 Hebel
ICE-Chef lobt Hyperliquid – und warnt vor 100:1 Hebel (BitcoinBasis.de | Image GPT)

Wenn der Chef der New Yorker Börsenmutter ICE plötzlich über eine Krypto-Börse spricht, hören an der Wall Street viele genau hin. Genau das ist jetzt passiert: ICE-CEO Jeff Sprecher hat die DeFi-Plattform Hyperliquid öffentlich gelobt und sie in einem Atemzug sogar mit der Nasdaq genannt.

ICE-CEO: Hyperliquid ist für klassische Börsen nicht mehr zu ignorieren

In einem am 27. Mai 2026 datierten Ausschnitt aus einer Bernstein-Präsentation erklärte Jeff Sprecher, Gründer und CEO der Intercontinental Exchange (ICE), dass sein Unternehmen Hyperliquid sehr genau beobachtet. ICE ist unter anderem die Muttergesellschaft der New York Stock Exchange (NYSE). Sprecher sagte außerdem, er habe sich bereits mehrfach persönlich mit dem Hyperliquid-Team getroffen, um über deren Pläne, die eigenen Aktivitäten von ICE und mögliche Überschneidungen zu sprechen.

Der Grund für die neue Aufmerksamkeit: Hyperliquid handelt laut Sprecher Öl am Wochenende, also genau dann, wenn die traditionellen Ölmärkte geschlossen sind. Gerade in Zeiten geopolitischer Spannungen, wie aktuell im Nahen Osten, passierten wichtige Entscheidungen und Ereignisse häufig am Wochenende. Das führe dazu, dass sich auch außerhalb der klassischen Handelszeiten Preise bilden, die später in die „normale“ Marktstimmung hineinwirken.

ICE will diesen Trend offenbar nicht mit einem komplett durchgehenden Wochenendhandel kontern. Sprecher sagte, das habe es dazu Widerstand von großen Ölunternehmen gegeben. Stattdessen plant ICE, die Handelszeiten zu verschieben: sehr spät am Freitag öffnen lassen und sehr früh am Montag wieder starten. So soll das Zeitfenster, in dem die traditionellen Märkte dicht sind, deutlich kleiner werden.

Preisfindung, Stablecoins und 100:1 Hebel: Das macht Hyperliquid so auffällig

Sprecher bezeichnete Hyperliquid als „echte DeFi-Exchange“, die auf Blockchain-Schienen abwickelt und mit Stablecoins abrechnet. Die Plattform habe damit Marktteilnehmer angezogen, die sonst eher in klassischen Märkten aktiv seien, darunter Market Maker und frühe Krypto-Adopter.

Gleichzeitig sprach er offen die Risiken an: Hyperliquid arbeitet demnach mit sehr hoher Hebelwirkung, bis zu 100:1. Solche Produkte können für Trader attraktiv sein, erhöhen aber auch die Gefahr schneller Liquidationen und starker Kursschwankungen.

Besonders spannend sieht Sprecher einen Testfall rund um ein Derivat, das sich auf SpaceX bezieht. Dahinter steht die Idee, dass ein DeFi-Markt sogar bei privaten Unternehmen eine Form von Preisfindung liefern könnte. Spätestens wenn SpaceX irgendwann an die Börse geht, ließe sich vergleichen, ob die vorherigen Preise auf Hyperliquid nur „Lärm“ waren oder ob sie tatsächlich relevant für das Finanzsystem sind.

„Bigger than Nasdaq“: Lob, Druck aus Washington und ein offener Machtkampf

Die auffälligste Aussage fiel gegen Ende: Sprecher lobte die Entwickler und meinte sinngemäß, er würde das gern selbst machen, wenn er jünger wäre. Dann der Satz, der hängen bleibt: Hyperliquid sei „größer als die Nasdaq“ und werde von nur 11 Leuten gebaut. Welche Kennzahl er genau meinte, blieb in dem Ausschnitt offen. Trotzdem zeigt die Aussage, wie ernst selbst Börsen-Manager aus der alten Finanzwelt Krypto-native Plattformen inzwischen nehmen.

Das wirkt umso brisanter, weil ICE und CME zuletzt in Washington Druck gemacht haben, Hyperliquid genauer zu prüfen. Dabei ging es um anonymen, rund um die Uhr laufenden Handel mit ölbezogenen Produkten und die Sorge, dass so Preisfindung in Rohstoffen beeinflusst werden könnte. Kritiker nennen mögliche Risiken wie Manipulation oder Sanktionsumgehung.

Hyperliquid weist diese Darstellung zurück und argumentiert, dass kontinuierliche Onchain-Märkte Risiken eher reduzieren könnten, statt sie zu erhöhen. Damit steht die Branche vor einer grundsätzlichen Frage: Werden traditionelle Börsen mit Krypto-Plattformen konkurrieren, politisch dagegenhalten oder Teile der Technologie in regulierte Angebote übernehmen?

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag der Kurs des Tokens HYPE bei rund 61,53 US-Dollar.

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