Der Makro Investor Jordi Visser meint, dass Bitcoin gerade wieder für das gebraucht wird, wofür es ursprünglich geschaffen wurde, als Reaktion auf eine neue Krise rund um die US Notenbank Fed. In einem Beitrag vom 30. März unter dem Titel „D.O.G.E. 2.0“ beschreibt er eine Mischung aus hoher Verschuldung, teurem Öl, schwächerem Wachstum und nachlassender Beschäftigung. Genau diese Kombination könnte die Fed daran hindern, Inflation so hart zu bekämpfen, wie es normalerweise nötig wäre.
Vier Faktoren setzen die Fed unter Druck
Visser nutzt das Kürzel D.O.G.E. als Rahmen für vier Belastungen. Debt steht für die hohe Verschuldung als strukturelles Problem. Oil beschreibt Öl als möglichen Auslöser eines neuen Inflationsschubs. Growth meint, dass straffere Bedingungen das Wachstum abwürgen können. Employment verweist auf den Arbeitsmarkt, der im Zweifel politisch und wirtschaftlich stärker zählt, wenn die Lage kippt.
Seine Kernthese ist nicht nur, dass Inflation zurückkommen könnte, sondern dass sie aus Gründen zurückkommen kann, die die Geldpolitik kaum lösen kann. Wenn Preise wegen Angebotsproblemen steigen, helfen höhere Zinsen nur begrenzt. Visser nennt als Beispiele gestiegene Ölpreise nach Störungen rund um die Straße von Hormus sowie zusätzlichen Kostendruck in Lieferketten, unter anderem durch teurere Speicherchips, die wegen der KI Nachfrage knapp werden. Seine Zuspitzung lautet sinngemäß, dass Zinserhöhungen keine Tankerroute öffnen und keine zusätzlichen DRAM Chips produzieren.
Warum die Lage schlimmer sein könnte als in den 1970ern
Visser zieht einen Vergleich zur Öl und Inflationsphase der 1970er Jahre, sieht heute aber ein deutlich größeres Problem. Damals lag die US Staatsverschuldung laut ihm bei rund 35,5 Prozent des BIP im Jahr 1970 und bei etwa 31,6 Prozent im Jahr 1979. Heute spricht er von ungefähr 122,5 Prozent. Damit sei die Wirtschaft viel empfindlicher, weil ein harter Inflationskampf schnell den Staatshaushalt und die Finanzierungskosten unter Druck setzen würde.
Zusätzlich verweist er auf die stärkere Bedeutung der Finanzmärkte. Das Verhältnis von Börsenwert zu BIP liege inzwischen laut Visser bei über 200 Prozent, während es in den 1970ern eher um 40 Prozent lag. Für ihn heißt das: Ein entschlossener Zinsschock würde nicht nur Kreditnehmer treffen, sondern auch eine viel stärker „finanzialisierte“ Wirtschaft, in der hohe Bewertungen und Schulden enger miteinander verbunden sind.
Auch der Arbeitsmarkt spielt in seiner Argumentation eine zentrale Rolle. Visser verweist auf einen Beschäftigungsbericht für Februar 2026 mit einem Rückgang der Nonfarm Payrolls um 92.000, einer Arbeitslosenquote von 4,4 Prozent und insgesamt wenig Wachstum bei der Beschäftigung im Jahr 2025. Zudem sei das Lohnwachstum deutlich schwächer als auf dem Hoch von 2023. Das mache es für die Fed schwieriger, politisch und wirtschaftlich eine neue harte Inflationsbekämpfung durchzuziehen.
Warum Visser Bitcoin als möglichen Gewinner sieht
In diesem Spannungsfeld sieht Visser Bitcoin im Vorteil. Er erinnert daran, dass Bitcoin in der Finanzkrise 2008,2009 entstanden ist, als Reaktion auf ein System, das in Stressphasen zu Rettungsaktionen, Eingriffen und immer neuen Garantien neigt. Sein Punkt ist: Wenn die Verschuldung sehr hoch ist, wird es für Notenbanken immer schwieriger, lange an strenger Geldpolitik festzuhalten.
Bitcoin brauche dafür keine Hyperinflation, so Visser. Es reiche, wenn Märkte glauben, dass jede neue Runde im Kampf gegen Inflation kürzer ausfällt, dass Zinssenkungen früher kommen und dass in einem schuldenlastigen System die Politik schneller wieder zu Lockerungen greifen muss, sobald die Wirtschaft schwächelt.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag der Bitcoin Kurs bei rund 66.466 US Dollar.