Das US-Justizministerium (DOJ) versucht, für die Krypto Branche eine klarere Linie zu ziehen, Code schreiben allein soll kein Verbrechen sein. Entwickler sollen laut DOJ nicht automatisch ins Visier geraten, nur weil andere ihre Software später missbrauchen. Doch ausgerechnet ein prominenter Fall wirft die Frage auf, wie ernst es der Behörde mit diesem Kurswechsel wirklich ist.
DOJ, Code ist nicht gleich Kriminalität
Auf der Bitcoin 2026 Konferenz in Las Vegas erklärte Todd Blanche, dass sich die Strafverfolgung gegenüber der Krypto Industrie verändert habe. In einer Gesprächsrunde mit Coinbase Chefjurist Paul Grewal betonte Blanche, entscheidend seien Verhalten, Wissen und Absicht, nicht das bloße Programmieren.
Blanche formulierte es sinngemäß so, wer Software entwickelt und nicht selbst zu den Nutzern gehört, und auch nicht wissentlich dabei hilft, dass Dritte damit Straftaten begehen, solle weder untersucht noch angeklagt werden. Gleichzeitig machte er deutlich, dass Programmierer nicht automatisch geschützt sind, wenn sie tatsächlich an Geldwäsche beteiligt seien oder Sanktionen umgehen helfen. Dann zähle nicht der Jobtitel, sondern die Tat.
Grewal fasste die Botschaft zusammen: Verbrechen bleiben Verbrechen, Code allein sollte es nicht sein. Gerade für Teams, die an Open Source Projekten, Privacy Tools oder dezentraler Infrastruktur arbeiten, ist diese Abgrenzung zentral. Denn genau hier hatte die Branche lange kritisiert, dass Staatsanwälte die Grenze zwischen neutraler Technik und krimineller Mitwirkung verwischen.
Was bedeutet das für Entwickler in der Praxis?
Blanche sagte außerdem, das DOJ habe seine Ermittlungsarbeit in diesem Bereich grundsätzlich angepasst. Anwälte von Entwicklern, die etwa wegen Vorladungen oder Untersuchungen unter Druck geraten, sollten sich aus seiner Sicht darauf berufen können, dass diese neue Linie eingehalten wird. Er ging sogar so weit, dass man mögliche Verstöße gegen diese Vorgaben innerhalb des Ministeriums eskalieren könne, notfalls bis zu ihm.
Allerdings räumte Blanche ein, dass es noch offene Altverfahren gebe. Diese seien noch nicht abgeschlossen, sehr einzelfallabhängig und teils kompliziert. Genau dieser Zusatz sorgt nun für Diskussionen, denn er lässt Spielraum für Ausnahmen, die am Ende wieder wie die alte Praxis wirken könnten.
Der Roman Storm Fall bleibt der Stresstest
Im Zentrum dieser Debatte steht der weiter laufende Prozess gegen Roman Storm, Mitgründer von Tornado Cash. Nach Angaben der Journalistin Eleanor Terrett wurde Storms Verteidigung gefragt, ob Blanches Aussagen Hoffnung machen. Die Antwort fiel klar aus: nein.
Storms Anwältin Keri Curtis Axel erklärte, das DOJ könne nicht glaubwürdig behaupten, es habe den Kurs geändert, solange Storm weiter verfolgt werde. Aus Sicht der Verteidigung versucht die Staatsanwaltschaft im Southern District of New York einen Präzedenzfall zu schaffen, der nicht zu den neuen Aussagen passe, weil damit die Entwicklung und Beteiligung an einem Protokoll als Grundlage für strafrechtliche Risiken dienen könnte, wenn Dritte ein Tool missbrauchen.
Blanche wiederum deutete an, dass man laufende Fälle weiter bearbeite, betonte aber auch, man wolle die neue Linie ernsthaft umsetzen. Ob der Storm Fall zu den erwähnten offenen Verfahren gehört und wie er ausgeht, bleibt eine der wichtigsten offenen Fragen für Entwickler, die an Privacy und Infrastruktur Projekten arbeiten. Am Rande der Konferenz gab es zudem Berichte, wonach Personen mit Free Samourai Schildern kurz vor Blanches Auftritt aus dem Eventbereich entfernt wurden, ein weiteres Zeichen dafür, wie aufgeladen das Thema inzwischen ist.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag die gesamte Marktkapitalisierung des Kryptomarkts bei rund 2,53 Billionen US Dollar.