Der sogenannte CLARITY Act könnte 2026 zu einem wichtigen Faktor für den Kryptomarkt werden, vor allem für XRP. In der Community kursieren derzeit neue Rechenmodelle, die behaupten: Wenn das Gesetz für klarere Regeln sorgt und XRP dadurch stärker in regulierte Zahlungs- und Abwicklungsströme rutscht, könnte der Preis nicht nur kurz anspringen, sondern sich strukturell deutlich höher einpendeln. In einem viel diskutierten Ansatz fällt dabei besonders eine Zahl auf: 50 US-Dollar als mögliches Mindestniveau in einem eher vorsichtigen Szenario.
Warum in einem Modell schon 50 US-Dollar als „Minimum“ auftauchen
Die Argumentation stammt aus einem öffentlich geteilten Community-Thread und basiert auf einer klassischen Formel aus der Geldtheorie: MV = PQ. Vereinfacht gesagt versucht dieses Modell abzuleiten, wie hoch der „notwendige“ Wert eines Tokens sein müsste, wenn er eine bestimmte Menge an Transaktionen abwickeln soll. Entscheidend sind dabei drei Stellschrauben: das Transaktionsvolumen (wie viel Geld bewegt wird), die Umlaufgeschwindigkeit (wie oft ein Token pro Jahr genutzt wird) und die verfügbare Menge an XRP, die überhaupt aktiv für solche Vorgänge bereitsteht.
Im ersten, bewusst „dünnen“ Adoptionsfall wird angenommen, dass XRP nach dem Inkrafttreten des CLARITY Act einen kleinen Teil der grenzüberschreitenden Zahlungsströme übernimmt. Die Beispielrechnung arbeitet mit rund 15 Billionen US-Dollar Jahresvolumen, einer produktiven Basis von 6 Milliarden XRP und einer Umlaufgeschwindigkeit von etwa 50. Daraus ergibt sich in dieser Logik ein Preis von mindestens 50 US-Dollar. Ein zusätzlich genannter Liquiditätsansatz, der sich an großen Transaktionsgrößen orientiert, kommt grob auf eine Spanne von etwa 40 bis 80 US-Dollar als „Boden“.
Wichtig: Das sind keine Prognosen im klassischen Sinn, sondern Modellrechnungen. Sie hängen extrem davon ab, ob Banken, Zahlungsdienstleister und Märkte XRP tatsächlich in größerem Umfang nutzen, und ob die Annahmen zu Token-Verfügbarkeit und Umlaufgeschwindigkeit realistisch sind.
Die weiteren Szenarien reichen von 280 bis 1.400 US-Dollar, aber mit vielen Wenns
In dem gleichen Framework werden auch deutlich größere Szenarien skizziert. Ein nächster Schritt sieht XRP als Brücke in komplexeren Finanzflüssen, etwa rund um Repo-Cash-Legs oder Margin-Prozesse. Hier wird mit etwa 100 Billionen US-Dollar Jahresvolumen gerechnet, weiterhin 6 Milliarden XRP als Basis und einer Umlaufgeschwindigkeit von 50 bis 60. Daraus leitet das Modell eine Größenordnung von rund 280 bis 300 US-Dollar ab. Ein parallel genannter Liquiditäts-„Floor“ liegt dabei deutlich niedriger, eher bei etwa 125 bis 170 US-Dollar.
Im „Structural Base Case“ steigt die Zahl noch einmal, weil eine Art Angebotsverknappung eingerechnet wird: Wenn zum Beispiel bei Derivate-Margen ein Teil der verfügbaren XRP gebunden wäre, würde die „produktive“ Menge sinken, etwa von 6 auf 4,8 Milliarden XRP. Bei gleichem Volumen müsste der Preis in dieser Logik höher liegen, die Community-Schätzung landet hier um 415 US-Dollar.
Am weitesten geht ein „Full Integration“-Szenario. Dort wird unterstellt, dass XRP in mehreren zentralen Abwicklungspositionen genutzt würde, inklusive Wertpapiertransaktionen (z. B. Delivery-versus-Payment) und Securities Financing. In dieser Variante steigt das Jahresvolumen über 200 Billionen US-Dollar, während die verfügbare XRP-Menge weiter sinkt, etwa auf 4,2 Milliarden. Ergebnis: eine sehr breite Spanne von 700 bis 1.400 US-Dollar.
Solche Zahlen wirken spektakulär, stehen aber und fallen mit der Kernfrage: Kommt es wirklich zu einer breiten, regulierten Nutzung, oder bleibt XRP vor allem ein spekulativer Asset mit begrenzter Rolle im echten Zahlungsverkehr?
So steht es um den CLARITY Act: Zeitplan rückt näher
Politisch ist das Thema zuletzt konkreter geworden. Der CLARITY Act hat das Repräsentantenhaus bereits am 17. Juli 2025 passiert. Im Senat galt das Vorhaben lange als komplizierter, doch inzwischen hat das Gesetz auch die Senate Banking Committee-Hürde genommen. Als nächster Schritt wird über eine Abstimmung im Senat spekuliert, unter anderem im Sommer.
Laut Berichten peilt das Weiße Haus sogar den 4. Juli als Zieltermin für eine Verabschiedung an. Sollte das klappen, würden sich für viele Krypto-Projekte die regulatorischen Leitplanken in den USA klarer abzeichnen. Genau darauf bauen die XRP-Modelle aus der Community auf: weniger Rechtsunsicherheit, mehr institutionelle Nutzung, potenziell mehr echte Transaktionsnachfrage.
Für Anleger bedeutet das: Der CLARITY Act könnte ein Kurs-Treiber werden, aber die großen Preisziele basieren auf Annahmen, nicht auf garantierten Effekten. Ob XRP wirklich in dem Umfang in Settlement- und Liquiditätsströme rutscht, wird letztlich nicht im Modell entschieden, sondern in der Praxis von Banken, Märkten und Regulierung.