Während viele Anleger weiter auf einen Börsengang von Ripple spekulieren, schiebt sich ein anderer großer Name nach vorn: Blockchain.com. Die Krypto-Börse hat in den USA vertraulich die ersten Unterlagen für ein IPO eingereicht und startet damit offiziell den Weg an die Börse, auch wenn noch viele Details offen sind.
Blockchain.com startet vertraulichen IPO-Prozess in den USA
Laut einem Bericht von Reuters hat Blockchain.com vertraulich bei der US-Börsenaufsicht SEC einen Antrag für einen Börsengang (IPO) eingereicht. Eine „confidential filing“ ist in den USA ein üblicher Schritt, bei dem die Dokumente zunächst nicht öffentlich sind, während die SEC sie prüft.
Damit reiht sich Blockchain.com in eine wachsende Liste von Krypto-Firmen ein, die eine US-Notierung anstreben. Dazu zählen unter anderem Grayscale und die Krypto-Börse Kraken. Sollte der Schritt am Ende tatsächlich umgesetzt werden, könnte Blockchain.com zu den wenigen Krypto-Handelsplattformen gehören, die in den USA börsennotiert sind. In diesem Umfeld werden häufig Namen wie Coinbase, Robinhood, Bullish und Gemini genannt.
Der vertrauliche Antrag stößt nun einen Prüfprozess an, der nach Einschätzung im Markt mindestens zwei bis drei Monate dauern kann. In dieser Zeit kann das Unternehmen seine Pläne weiter konkretisieren und den Zeitpunkt für den Börsengang strategisch wählen, zum Beispiel abhängig von der Stimmung am Kryptomarkt.
Wichtig: Blockchain.com hat bisher nicht bekannt gegeben, wie viele Aktien angeboten werden sollen oder in welcher Preisspanne das IPO liegen könnte. Diese Angaben werden in der Regel erst mit dem späteren, öffentlichen Registrierungsdokument bei der SEC sichtbar. Dann dürfte auch klar werden, unter welchem Kürzel die Aktie gehandelt werden soll und an welcher Börse die Notierung geplant ist.
Warum Crypto-Firmen jetzt wieder Richtung Börse schielen
Viele Unternehmen aus der Branche hatten ihre Börsenpläne in den letzten Jahren auf Eis gelegt, vor allem wegen schwacher Marktphasen und unsicherer Rahmenbedingungen. In dem Zusammenhang wurden zuletzt auch Consensys und Ledger genannt, die mit einem IPO warten wollten, bis das Umfeld besser ist.
Ein Börsengang kann für Krypto-Firmen gleich mehrere Vorteile bieten: frisches Kapital, mehr Sichtbarkeit und für manche Investoren ein „offizielleres“ Image durch strengere Berichtspflichten. Gleichzeitig bleibt das Timing entscheidend. Bei einem schlechten Markt können Bewertungen niedriger ausfallen, und das Interesse der Anleger kann schnell abkühlen.
Neben Krypto-Unternehmen schauen auch große Tech-Namen weiterhin auf den Kapitalmarkt. In den USA wird zum Beispiel immer wieder über potenzielle Börsengänge von SpaceX und OpenAI spekuliert. Das zeigt: Das Thema IPO ist insgesamt wieder stärker auf dem Radar, auch wenn nicht jeder Kandidat sofort den Schritt wagt.
Ripple bleibt privat und setzt weiter auf Institutionen
Ripple selbst gibt sich dagegen weiterhin zurückhaltend. CEO Brad Garlinghouse erklärte zuletzt bei einer XRP-Veranstaltung, dass es aktuell keine Pläne für einen kurzfristigen Börsengang gibt. Im Fokus stehe vielmehr das institutionelle Geschäft, also die Zusammenarbeit mit Banken, Zahlungsdienstleistern und anderen großen Partnern.
Spannend ist: Auch ohne IPO gibt es für Privatanleger inzwischen Wege, indirekt auf Ripple zu setzen. So wurden zuletzt Prognosemärkte gestartet, die Entwicklungen rund um private Unternehmen abbilden sollen, etwa mögliche Bewertungsschritte, IPO-Zeitfenster oder Aktivitäten am Zweitmarkt.
Garlinghouse nannte als Orientierung zudem eine Bewertung von rund 50 Milliarden US-Dollar, die sich laut ihm am jüngsten Aktienrückkauf im Mai ableiten lässt. Ein Börsengang bleibt damit ein Thema für später, während andere Krypto-Firmen wie Blockchain.com schon jetzt die Weichen stellen.