Bei Bitcoin lässt der Verkaufsdruck nach, doch eine überzeugende Nachfrage ist weiter nicht zu sehen. Genau das hält das Risiko offen, dass der Kurs trotz erster Erholungssignale noch einmal deutlich nachgibt. Aktuell steht der Markt damit zwischen einer möglichen Bodenbildung und der Gefahr eines weiteren Rücksetzers.
Bitcoin steckt zwischen Erholungschance und Abwärtsrisiko
Der erste wichtige Prüfstein liegt derzeit bei rund 69.000 US-Dollar. Dort verläuft die Kostenbasis kurzfristiger Halter, also jener Anleger, die Bitcoin erst vor vergleichsweise kurzer Zeit gekauft haben. Ein Anstieg auf dieses Niveau würde vom aktuellen Bereich aus ein Plus von etwa 6,7 Prozent bedeuten.
Auf der Unterseite rückt dagegen die sogenannte Realized Price in den Fokus, die laut Glassnode aktuell bei etwa 52.900 US-Dollar liegt. Sollte Bitcoin bis dorthin fallen, entspräche das einem Rückgang von rund 18,2 Prozent.
Diese beiden Marken bilden zurzeit einen klaren Korridor. Ein nachhaltiger Anstieg über 69.000 Dollar würde die Chancen deutlich verbessern, dass Bitcoin ein höheres Tief ausbildet. Bleibt der Kurs jedoch darunter und nimmt der Verkaufsdruck wieder zu, könnte die Zone um 52.900 Dollar erneut relevant werden.
Wichtig ist dabei: Die Realized Price gilt nicht automatisch als Kursziel. Sie beschreibt eher eine tiefere Stresszone des Marktes und zeigt an, wo der durchschnittliche Einstiegspreis der gesamten umlaufenden Bitcoin-Menge liegt. Fällt der Spotpreis darunter, wäre der Markt insgesamt wieder im nicht realisierten Verlust.
Warum der Verkaufsdruck etwas nachlässt
Die On-Chain-Daten haben sich seit Anfang Juli leicht verbessert. Besonders auffällig ist, dass die Verluste langfristiger Halter nicht mehr so stark ansteigen wie zuvor. In den vergangenen Wochen hatten gerade diese Investoren einen großen Teil des Verkaufsdrucks verursacht.
Hinzu kommt, dass Käufer die Kursschwäche im Juni aufgefangen haben. Das spricht dafür, dass im Bereich der jüngsten Tiefs durchaus Nachfrage vorhanden war. Dennoch reicht das bislang nicht als Bestätigung für einen nachhaltigen Trendwechsel.
Der Markt sendet damit ein gemischtes Bild: Verkäufer wirken erschöpfter, aber Käufer treten noch nicht mit genug Kraft auf. Genau diese Konstellation ist typisch für eine frühe Bodenbildungsphase, bei der die Lage zwar stabiler wird, aber noch nicht entschieden ist.
Auch bei institutionellen Investoren bleibt das Bild uneinheitlich. Zwar gab es zuletzt wieder einzelne Nettozuflüsse in US-Spot-Bitcoin-ETFs, doch von einem stabilen und anhaltenden Nachfrageimpuls kann noch keine Rede sein. Gleichzeitig blieb das Handelsvolumen am Spotmarkt eher schwach, und die Erholung wurde nicht von breiter Kaufdynamik getragen.
Was jetzt für Bitcoin entscheidend wird
Das wichtigste Signal für eine echte Stabilisierung wäre ein nachhaltiger Anstieg über 69.000 US-Dollar. Entscheidend ist dabei nicht nur ein kurzer Ausbruch, sondern dass sich Bitcoin oberhalb dieser Marke halten kann. Dann würde aus einem bisherigen Widerstand eine potenzielle Unterstützung werden.
Darüber liegt mit rund 76.600 US-Dollar eine weitere bedeutende Marke. Sie wird von Glassnode als True Market Mean bezeichnet und gilt als breiterer Maßstab für die Erholung des Marktregimes. Ein Zurückerobern dieses Bereichs würde das Chartbild deutlich aufhellen.
Auf der Unterseite bleibt das Risiko jedoch bestehen. Sollte Bitcoin an der Zone um 69.000 Dollar scheitern, während die Verluste langfristiger Halter wieder zunehmen und die Nachfrage von ETFs sowie am Spotmarkt schwach bleibt, könnte die Region um 52.900 US-Dollar erneut in den Blick geraten.
Fazit: Die Daten sprechen dafür, dass sich der starke Verkaufsdruck langsam abschwächt. Für eine klare Entwarnung reicht das aber noch nicht. Solange die Nachfrage nicht sichtbar anzieht und Bitcoin die Kostenbasis der kurzfristigen Käufer nicht zurückerobert, bleibt ein Rückgang von rund 18 Prozent ein reales Risiko – auch wenn er derzeit noch kein festes Szenario, sondern vor allem eine messbare Gefahr ist.