Bitcoin läuft in eine heikle Phase. Ein viel beachtetes Chartmuster warnt vor einem massiven Rücksetzer im Mai, ausgerechnet in einem US-Midterm-Jahr. Sollte sich die historische Schwäche wiederholen, könnte Bitcoin von rund 77.000 Dollar bis in den Bereich um 30.000 Dollar fallen.
Der Auslöser für die neue Nervosität ist eine Analyse von Merlijn The Trader. Der Analyst verweist auf ein auffälliges Muster: In den Midterm-Jahren 2014, 2018 und 2022 verlor Bitcoin jeweils ab Mai mehr als 60 Prozent. 2014 lag das Minus bei rund 61 Prozent, 2018 bei etwa 65 Prozent und 2022 bei rund 66 Prozent. Für 2026 würde ein ähnlicher Einbruch Bitcoin in eine Zone drücken, die viele Anleger derzeit kaum noch auf dem Radar haben.
THREE WORDS. THREE CYCLES. ZERO EXCEPTIONS.
— Merlijn The Trader (@MerlijnTrader) April 27, 2026
Sell. In. May.
But only in mid-term election years.
2014: -61%. 2018: -65%. 2022: -66%.
2026: mid-term year. -60.73% is pointing to $30K.
May is approaching.
The chart doesn't lie.
The calendar doesn't either. pic.twitter.com/qUshNbIHPN
Warum der Mai für Bitcoin jetzt gefährlich wird
Der Punkt ist nicht nur die Statistik. Midterm-Jahre in den USA gelten traditionell als Phase erhöhter Unsicherheit. Wenn Wahlkampf, politische Richtungsfragen und nervöse Märkte zusammenkommen, ziehen sich Investoren häufig aus riskanteren Anlagen zurück. Genau dort liegt das Problem für Bitcoin.
Bitcoin handelt bereits rund 40 Prozent unter seinem Rekordhoch von etwa 126.000 Dollar aus Oktober 2025. Die große Frage lautet deshalb nicht mehr nur, ob der Kurs kurzfristig wieder Stärke zeigt. Entscheidend ist, ob die aktuelle Schwäche nur eine harte Korrektur bleibt oder ob der Markt bereits in eine neue Abwärtsphase gerutscht ist.
Besonders brisant: Trotz des Rückgangs halten prominente Bitcoin-Bullen weiter an extrem hohen Kurszielen fest. Tim Draper und Tom Lee sehen Bitcoin weiterhin bei 250.000 Dollar im Jahr 2026. Vom aktuellen Niveau aus müsste sich der Kurs dafür mehr als verdreifachen. Genau diese Lücke zwischen bullischen Prognosen und schwachem Chartbild macht die Lage jetzt so angespannt.
Peter Brandt warnt vor einem falschen Boden
Auch Trading-Veteran Peter Brandt stellt sich gegen die 250.000-Dollar-Euphorie. Seine Reaktion auf die optimistischen Prognosen fiel ungewöhnlich deutlich aus: Wer für 2026 auf 250.000 Dollar setze, solle „die Pilze weglegen“.
Brandt verweist auf einen möglichen Bear-Flag-Channel im Bitcoin-Chart. Eine solche Formation gilt nicht als klassischer Boden, sondern häufig als Pause innerhalb eines bestehenden Abwärtstrends. Genau das macht sie gefährlich: Solange Bitcoin nur innerhalb dieses Kanals pendelt, wirkt jede Erholung anfällig.
Bitcoiners
— The Factor Report (@PeterLBrandt) April 27, 2026
Those of you predicting $250,000 in 2026 need to stop with the mushrooms
This is called a channel $BTC
While it does not preclude further price gains, it is NOT a bullish bottoming pattern
The Factor Report reports on classical chart analysis https://t.co/6nRit1xsVp pic.twitter.com/ApMM46KFla
Die Marke um 79.500 Dollar rückt dabei als kurzfristiger Widerstand in den Fokus. Dort scheiterte Bitcoin zuletzt an stärkerem Kaufinteresse. Sollte der Verkaufsdruck zurückkehren, wäre ein Rückfall in Richtung 69.000 Dollar möglich. Kritisch würde es, wenn auch diese Zone bricht. Dann könnte sich der Druck deutlich verschärfen und ein Fall unter 50.000 Dollar wieder realistisch werden.
Hat Bitcoin sein Zyklushoch schon gesehen?
Auch der Halving-Zyklus liefert den Bären neue Argumente. Historisch erreichte Bitcoin seine großen Hochs meist 12 bis 18 Monate nach einem Halving. Nach dem Halving 2012 dauerte es rund 12 Monate bis zum Peak, nach 2016 etwa 17 Monate und nach 2020 rund 18 Monate.
Das jüngste Halving fand im April 2024 statt. Das Rekordhoch bei rund 126.000 Dollar wurde im Oktober 2025 erreicht, also ziemlich genau im historischen Zeitfenster. Inzwischen liegt dieses Hoch deutlich zurück, während Bitcoin weiter unter Druck steht. Für Anleger ist das ein Warnsignal: Der Markt könnte nicht vor dem großen Finale stehen, sondern es bereits hinter sich haben.
Trotzdem ist der Fall auf 30.000 Dollar kein sicherer Automatismus. Andere Analysten, darunter Stimmen von Bernstein, halten eine Erholung in den Bereich zwischen 100.000 und 150.000 Dollar weiter für möglich. Das wäre deutlich vorsichtiger als die 250.000-Dollar-Prognosen, aber klar bullischer als das düstere Midterm-Szenario.
Jetzt zählt vor allem, ob Bitcoin die nächsten Unterstützungszonen verteidigt. Hält der Markt über 69.000 Dollar, bleibt die Chance auf eine Stabilisierung am Leben. Bricht diese Linie, wird aus der Korrektur ein ernstes Warnsignal. Dann wäre der Weg Richtung 50.000 Dollar offen, und die 30.000-Dollar-Debatte würde plötzlich nicht mehr wie Panikmache klingen, sondern wie ein Risiko, das Anleger ernst nehmen müssen.