Bitcoin unter 60.000 Dollar: Börsenzuflüsse und Puts steigen

Bitcoin unter 60.000 Dollar: Börsenzuflüsse und Puts steigen
Bitcoin unter 60.000 Dollar: Börsenzuflüsse und Puts steigen (BitcoinBasis.de | Image GPT)

Bitcoin ist unter die psychologisch wichtige Marke von 60.000 US-Dollar gefallen und hat damit eine monatelange enge Handelsspanne beendet. Seit Februar hatte sich der Kurs nach dem ersten Test der 60.000-Dollar-Zone überwiegend seitwärts bewegt. Mit dem Rücksetzer wirkt der Markt nun deutlich defensiver. Belastungsfaktoren sind laut den vorliegenden Marktdaten unter anderem makroökonomische Risiken, Abflüsse aus Spot-Bitcoin-ETFs und wachsende Sorgen mit Blick auf Unternehmenshalter von Bitcoin.

Größte Börsentransfers des Jahres: 550.000 BTC wandern zu Binance und OKX

Auffällig ist vor allem, was nach dem Bruch der 60.000-Dollar-Marke auf der Angebotsseite passiert ist: Mehr als 550.000 BTC wurden auf Einzahlungsadressen überwiesen, die mit Binance und OKX verbunden sind. Auf Binance entfielen dabei über 220.000 BTC, auf OKX über 330.000 BTC.

Zum Vergleich: Im Jahresverlauf lagen ähnliche Zuflüsse im Schnitt bei etwa 60.000 BTC (Binance) und rund 95.000 BTC (OKX). Die jüngsten Transfers markieren damit die größten Bewegungen dieser Art in diesem Jahr und erinnern vom Niveau her an Phasen, die zuletzt während des Bärenmarkts 2023 zu beobachten waren. Marktteilnehmer werten größere Zuflüsse zu Börsen während eines Kursrückgangs oft als Warnsignal, weil Coins in unmittelbarer Nähe zu Handelsplätzen potenziell schneller in Verkaufdruck münden können.

ETFs drehen ins Negative: Angebotsüberhang belastet Erholungen

Auch die institutionellen Flows sprechen zuletzt eher gegen eine schnelle Entspannung. Im vergangenen Monat gaben Spot-Bitcoin-ETFs rund 71.600 BTC ab, während digitale Asset-Trusts lediglich etwa 7.500 BTC hinzufügten. Nach Anpassung um die Netzwerkausgabe ergibt sich ein kombinierter Nettoabfluss institutionellen Kapitals von rund -77.000 BTC.

Glassnode sieht kurzfristige Erholungen am Spotmarkt daher durch einen anhaltenden Angebotsüberhang aus sogenannten Wrapper-Produkten belastet, solange sich die Nettoflüsse nicht drehen. Für den Kurs bedeutet das: Selbst wenn Käufer im Bereich um 59.000 bis 60.000 US-Dollar wieder aktiver werden, trifft jede Erholung relativ schnell auf zusätzliches Angebot, das aus diesen Strukturen in den Markt drückt.

Optionen und Derivate signalisieren Schutzbedürfnis trotz Reset-Signalen

Die Positionierung an den Derivatemärkten unterstreicht die defensive Stimmung. Institutionelle Händler bauen im Optionsmarkt verstärkt Absicherungen gegen weitere Kursverluste auf. QCP Capital berichtet, dass die implizite Volatilität steigt, weil Marktteilnehmer einen Aufpreis für Abwärtsschutz zahlen. Die Nachfrage konzentriert sich demnach auf Bitcoin-Puts mit Juli-Verfall und Strikes zwischen 55.000 und 58.000 US-Dollar. Auf Deribit bündeln sich zudem rund 1,2 Milliarden US-Dollar Open Interest in den Strike-Zonen 55.000 und 50.000 US-Dollar.

Parallel sind die Funding Rates an großen Börsen wieder in den positiven Bereich zurückgekehrt, obwohl der Spotpreis schwach bleibt. Das Open Interest steigt ebenfalls. Diese Kombination kann auf eine angespanntere Marktstruktur hindeuten, weil sich Positionen aufbauen, während der Kassamarkt keine klare Stärke zeigt. Marktteilnehmer verweisen darauf, dass bei einem Bruch lange beobachteter Kursniveaus Risikokontrollen, Stop-Loss-Entscheidungen und Absicherungen gebündelt neu bewertet werden.

Auf der On-Chain-Seite hat der MVRV-Z-Score deutlich nachgegeben und nähert sich historischen Bereichen niedriger Bewertung. Das MVRV-Modell vergleicht den Marktwert mit dem „Realized Value“, der die aggregierten Anschaffungskosten des Netzwerks abbildet. Ein niedrigerer Wert kann auf weniger Überhitzung hindeuten, er markiert jedoch keinen exakten Boden.

Unterm Strich senden Bewertung und Positionierung derzeit unterschiedliche Signale: On-Chain wirkt der Markt weniger überdehnt, während Flows und Absicherung die Nervosität erhöhen. Entscheidend bleibt, ob sich die ETF-Nettoflüsse drehen und ob Bitcoin die Zone um 60.000 US-Dollar zurückerobert. Gelingt das nicht, rücken die im Optionsmarkt stark nachgefragten Bereiche zwischen 55.000 und 58.000 US-Dollar als nächster Belastungstest in den Mittelpunkt – und damit auch die Frage, ob ein Crash auf 40.000 Dollar bevorsteht.

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