Bitcoin hat am Wochenende erstmals seit drei Monaten wieder die Marke von 80.000 US-Dollar überschritten. Auffällig ist dabei nicht nur der Kurssprung selbst, sondern auch das Verhalten vieler Anleger: Während der Kurs stieg, haben etliche Investoren Gewinne mitgenommen. Genau diese Kombination liefert einen wichtigen Hinweis darauf, wie stabil die aktuelle Bewegung wirklich ist.
Gewinnmitnahmen auf Monatsrekord, und der Markt hält dagegen
Die On-Chain-Analysefirma Santiment meldete für Sonntag realisierte Netto-Gewinne von rund 207,56 Millionen US-Dollar. Dieser Wert stammt aus der Kennzahl „Network Realized Profit/Loss“. Vereinfacht gesagt vergleicht sie, zu welchem Preis Bitcoin zuletzt bewegt wurde und wie viel diese Coins beim aktuellen Transfer wert sind. Wer also beispielsweise bei 50.000 US-Dollar gekauft und über 80.000 US-Dollar verkauft hat, taucht dort als realisierter Gewinn auf.
Wichtig ist der Kontext: Dieser Gewinnsprung kam nicht während einer schwachen Erholung oder einer kurzen Panikbewegung zustande. Er passierte, als Bitcoin gezielt in eine Zone lief, an der der Kurs in den letzten Wochen mehrfach gescheitert ist. Trotzdem konnte der Markt die Verkaufswelle offenbar aufnehmen. Am 6. Mai stieg Bitcoin laut den Daten im Artikel sogar bis auf 82.751 US-Dollar und setzte sich damit klar über 80.000 US-Dollar fest.
Warum „Verkaufen“ nicht automatisch bärisch ist
Auf den ersten Blick wirken starke Gewinnmitnahmen negativ. Schließlich bedeutet das: Viele verkaufen. Entscheidend ist aber, ob genug Käufer da sind, die diese Coins aufnehmen. Genau das scheint hier passiert zu sein. Wenn Anleger in eine steigende Bewegung hinein verkaufen und der Kurs trotzdem weiter steigt oder stabil bleibt, spricht das eher für echte Nachfrage als für eine fragile Rally.
Außerdem liegt der Wert von 207 Millionen US-Dollar zwar hoch, aber nicht auf einem Extremniveau. Bitcoin hat in der Vergangenheit deutlich größere Gewinnspitzen überstanden und ist danach weiter gestiegen. Laut Santiment passt die aktuelle Dynamik eher zu einer Phase „mittendrin“ im Zyklus: Ältere Halter geben bei Stärke ab, neue Käufer übernehmen.
Neue Käufer schaffen potenziell stärkere Unterstützung, aber es gibt ein Risiko
Solche Gewinnmitnahmen verändern auch die Marktstruktur. Coins wandern von Investoren mit niedrigen Einstiegspreisen zu Käufern, die näher am aktuellen Kursniveau einsteigen. Dadurch verschiebt sich die „Kostenbasis“ im Markt nach oben. Das kann dem Kurs sogar helfen: Wer bei rund 80.000 US-Dollar gekauft hat, verkauft oft nicht sofort wieder, nur weil Bitcoin kurz auf 79.000 oder 78.000 US-Dollar zurücksetzt. Das kann eine stabilere Unterstützungszone rund um 80.000 US-Dollar aufbauen.
Der Haken: Wenn die realisierten Gewinne in den kommenden Tagen weiter stark anziehen, kann aus dem gesunden „Abverkauf in Stärke“ auch echte Distribution werden. Dann würden nicht nur frühe Investoren Kasse machen, sondern zunehmend auch neue Käufer. Genau diese Entwicklung sollten Anleger beobachten: Steigt der Kurs weiter, während Gewinnmitnahmen hoch bleiben und Nachfrage sichtbar ist, wirkt das bullisch. Kippt die Nachfrage und die Gewinnspitzen nehmen trotzdem zu, steigt das Risiko einer größeren Korrektur.