Bitcoin hat sich zurück an die Marke von 80.000 US-Dollar gekämpft. Doch die Bewegung wirkt diesmal nicht wie ein reiner Spot-Run, der nur durch direkte Käufe am Kassamarkt entsteht. Neue On-Chain-Daten deuten darauf hin, dass vor allem der Derivate-Markt wieder deutlich aktiver wird. Genau das kann den Kurs kurzfristig anschieben, erhöht aber auch das Risiko von schnellen Gegenbewegungen.
Open Interest steigt so stark wie seit 2026 nicht mehr
Laut Daten von CryptoQuant, die vom Analysten Darkfost hervorgehoben wurden, ist das Open Interest bei Bitcoin-Futures in den letzten 30 Tagen so stark gestiegen wie zu keinem Zeitpunkt seit Beginn von 2026. Open Interest beschreibt vereinfacht: wie viele gehebelte Positionen im Markt offen sind. Wenn dieser Wert deutlich wächst, heißt das meist, dass mehr Trader mit Futures und damit mit Leverage aktiv werden.
Spannend dabei: Die Funding Rates waren über Wochen eher negativ. Das spricht nicht für eine „saubere“ Long-Euphorie, bei der alle in eine Richtung wetten. Stattdessen wirkt es so, als würden viele Marktteilnehmer vorsichtig wieder Risiko aufbauen, obwohl die Stimmung nicht eindeutig bullisch ist.
Besonders auffällig: Der aktuelle Anstieg beim Open Interest soll sogar größer sein als in der Phase, in der Bitcoin sein Allzeithoch im Jahr 2025 ausgebildet hat. Das zeigt, wie schnell sich Leverage gerade wieder im Markt auflädt.
Der Trend verteilt sich laut den Daten zudem auf mehrere Börsen. Binance bleibt mit einem großen Anteil am Gesamtmarkt führend. Aber auch Plattformen wie Gate.io und Bybit zeigen klar steigende offene Positionen. Für den Markt bedeutet das: Der aktuelle Push kommt nicht nur aus einer Ecke, sondern wird breit über Derivate getragen.
Warum mehr Leverage den Markt auch anfälliger macht
Wenn viel mit Hebel gehandelt wird, kann der Kurs schneller steigen. Gleichzeitig wächst aber die Gefahr von Liquidationen. Kommt es zu einem plötzlichen Rücksetzer, können zu stark gehebelte Positionen zwangsweise geschlossen werden. Das verstärkt Abwärtsbewegungen oft innerhalb kurzer Zeit. Der aktuelle Aufbau von Open Interest ist deshalb ein zweischneidiges Signal: positiv für Momentum, aber riskanter für die Stabilität.
Zusätzlich spielt derzeit auch die Nachfrage über ETFs wieder eine Rolle. Zusammen mit der wachsenden Risikobereitschaft kann das den Kurs stützen. Trotzdem bleibt entscheidend, ob Bitcoin wichtige technische und on-chain-basierte Widerstände zurückerobert.
Die Marke um 88.000 Dollar gilt als nächster Härtetest
CryptoQuant verweist auf das Realized-Price-Modell nach UTXO-Altersbändern. Dabei wird vereinfacht geschaut, zu welchen Kursen verschiedene „Halter-Gruppen“ ihre Coins zuletzt bewegt haben, also welche durchschnittlichen Einstandspreise unterschiedliche Zeitfenster haben.
Demnach liegt der nächste wichtige Bereich bei rund 88.000 US-Dollar, abgeleitet aus dem Cluster der 3- bis 6-Monats-Halter. Bitcoin hat zwar bereits wichtige kurzfristige Niveaus zurückerobert, doch über 88.000 US-Dollar würde der Kurs auch über der Kostenbasis der relevanten Short-Term-Kohorten liegen.
Ein klarer Ausbruch über diese Zone würde daher als stärkeres Signal gelten, dass die Erholung mehr ist als nur ein kurzer Bounce. Bis dahin bleibt der Markt zwar energiereich, aber durch den stark wachsenden Leverage-Anteil auch anfällig für schnelle Richtungswechsel.