Bitcoin an 65.000 Dollar doch Ölpreis dreht das Signal

Bitcoin an 65000 Dollar doch Ölpreis dreht das Signal
Bitcoin an 65.000 Dollar doch Ölpreis dreht das Signal (BitcoinBasis.de | Image GPT)

Bitcoin hat sich am 14. Juli bis an die Marke von 65.000 US-Dollar herangeschoben. Auslöser war ein überraschend schwacher Inflationsbericht aus den USA, der die Hoffnung nährte, dass die US-Notenbank vorerst auf eine weitere Zinserhöhung verzichten könnte. Doch der positive Impuls könnte schneller verpuffen als viele Anleger erwarten, denn ein wichtiger Grund für den Rückgang der Inflation – günstigere Energiepreise im Juni – hat sich inzwischen bereits wieder umgekehrt.

Schwächere US-Inflation treibt Bitcoin kurzfristig an

Nach Veröffentlichung der US-Inflationsdaten stieg Bitcoin laut Marktdaten zeitweise auf 64.832 US-Dollar. Damit legte die Kryptowährung rund 4 Prozent vom Tagestief zu und näherte sich erneut einer Preiszone, die sich in den vergangenen Wochen als hartnäckiger Widerstand erwiesen hat.

Der Hintergrund: Die Verbraucherpreise in den USA sind im Juni im Monatsvergleich um 0,4 Prozent gefallen – der stärkste Rückgang seit April 2020. Auf Jahressicht lag die Inflation bei 3,5 Prozent und damit unter den Erwartungen der Ökonomen. Auch die Kerninflation, also ohne Energie und Lebensmittel, fiel schwächer aus als prognostiziert.

Für Risikoanlagen wie Bitcoin war das zunächst ein positives Signal. Schwächere Inflation kann den Druck auf die Federal Reserve verringern, die Zinsen weiter anzuheben. Niedrigere Zinserwartungen helfen oft Aktien und Kryptowährungen, weil Anleger dann wieder eher in riskantere Anlagen gehen.

Allerdings mahnen Analysten zur Vorsicht. Die aktuelle Entwicklung sei eher ein kurzfristig kühler Inflationswert als ein eindeutiger Beweis dafür, dass der Preisdruck in den USA dauerhaft nachlässt.

Das Inflationssignal könnte schon wieder überholt sein

Ein wesentlicher Grund für den überraschend schwachen Inflationswert war der Rückgang bei den Energiepreisen im Juni. Die Energiepreise sanken um 5,7 Prozent, die Benzinpreise sogar um 9,7 Prozent. Genau dieser Effekt hatte den größten Anteil am Rückgang der Gesamtinflation.

Doch diese Entlastung stammt aus einem Marktumfeld, das sich inzwischen deutlich verändert hat. Die Lage rund um den Persischen Golf und die Straße von Hormus hat sich zuletzt wieder verschärft. In der Folge zogen die Ölpreise erneut an. Brent-Rohöl stieg zwischenzeitlich über 87 US-Dollar pro Barrel, WTI erreichte intraday mehr als 80 US-Dollar.

Das ist wichtig, weil steigende Ölpreise oft mit Verzögerung wieder auf Inflation, Transportkosten und letztlich auch auf die Geldpolitik durchschlagen. Wenn Benzin, Diesel, Fracht und Produktion teurer werden, könnte die US-Inflation in den kommenden Monaten wieder anziehen. Genau das würde die Hoffnung auf eine lockerere Fed-Politik schnell wieder dämpfen.

Für Bitcoin bedeutet das: Der jüngste Kursschub basiert auf Inflationsdaten, die vor allem die Entspannung im Juni abbilden. Der Markt muss nun aber einschätzen, ob diese Entspannung im Juli überhaupt noch Bestand hat.

Fed bleibt vorsichtig, Bitcoin steht vor wichtiger Widerstandszone

Zusätzliche Zurückhaltung kam von Fed-Chef Kevin Warsh. Er machte vor US-Abgeordneten deutlich, dass ein einzelner Inflationsbericht noch kein Grund für Entwarnung sei. Die Notenbank bleibe entschlossen, Preisstabilität herzustellen, und werde sich nicht von kurzfristigen Schwankungen blenden lassen.

Damit wurde zwar das Szenario einer unmittelbaren Zinserhöhung im Juli schwächer, doch für die nächsten Sitzungen bleibt vieles offen. Der Markt bekam also etwas Erleichterung, aber kein klares Signal für einen schnellen geldpolitischen Kurswechsel.

Charttechnisch bleibt die Lage für Bitcoin spannend. Die Zone zwischen 65.000 und 66.000 US-Dollar gilt weiter als entscheidender Widerstand. Ein nachhaltiger Ausbruch darüber könnte den Weg für eine neue Aufwärtsbewegung freimachen. Gelingt das nicht, droht erneut Verkaufsdruck.

Unterstützung kommt immerhin von On-Chain-Daten. Laut Santiment haben Wallets mit 10 bis 10.000 BTC in der vergangenen Woche zusammen rund 11.000 BTC aufgebaut. Das deutet darauf hin, dass größere Marktteilnehmer weiter akkumulieren und Rücksetzer zum Kauf nutzen.

Trotzdem bleibt das Umfeld fragil. Sollte der Ölpreis wegen neuer Spannungen im Nahen Osten weiter steigen, könnten die Inflationserwartungen wieder nach oben drehen. Dann dürfte auch die Spekulation auf weitere Zinserhöhungen zurückkehren – und das wäre ein Gegenwind für Bitcoin.

Unterm Strich hat der schwache US-Inflationsbericht Bitcoin zwar neuen Schwung verliehen. Ob daraus aber ein stabiler Ausbruch über 65.000 US-Dollar wird, hängt nun weniger von den Juni-Daten ab als von Ölpreisen, geopolitischen Risiken, ETF-Zuflüssen und den nächsten Signalen der Fed.

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