Binance Research sieht sinkenden Bitcoin-Verkaufsdruck: Wird das Angebot knapper?

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Binance Research sieht sinkenden Bitcoin-Verkaufsdruck: Wird das Angebot knapper? (BitcoinBasis.de | Image GPT)

Während der Bitcoin-Markt kurzfristig weiter von Volatilität, ETF-Flows und makroökonomischen Erwartungen geprägt wird, lenkt Binance Research den Blick auf eine andere Ebene: die On-Chain-Angebotsstruktur. Laut einer von WuBlockchain aufgegriffenen Einschätzung von Binance Research deuten vier Bitcoin-Indikatoren darauf hin, dass das verfügbare Verkaufsangebot am Markt knapper werden könnte. Besonders auffällig sind dabei der hohe Anteil langfristig gehaltener Coins, sinkende Börsenbestände, eine niedrige spekulative Aktivität und eine Erholung bei kurzfristigen Haltern. 

Konkret verweist WuBlockchain darauf, dass fast 60 Prozent des Bitcoin-Angebots seit mehr als einem Jahr nicht bewegt wurden. Gleichzeitig seien die Bitcoin-Bestände auf Börsen von rund 17,6 Prozent in der Phase um den Corona-Marktstress auf etwa 15,0 Prozent gefallen. Das würde bedeuten, dass rund 500.000 BTC von Handelsplattformen abgezogen wurden. 

Diese Entwicklung ist für den Markt relevant, weil Börsenbestände häufig als kurzfristig verfügbares Verkaufsangebot interpretiert werden. Wenn weniger Bitcoin auf Handelsplattformen liegt, sinkt tendenziell die Menge an Coins, die unmittelbar verkauft werden kann. Das allein ist noch kein bullishes Signal, kann aber in Verbindung mit steigender Nachfrage eine stärkere Preisreaktion begünstigen.

Langzeithalter bleiben der entscheidende Faktor

Der wohl wichtigste Punkt in der Analyse ist der hohe Anteil an Bitcoin, der seit mehr als einem Jahr nicht bewegt wurde. Fast 60 Prozent des Angebots liegen demnach in Wallets, die ihre Coins über einen längeren Zeitraum nicht transferiert haben. Das spricht für eine robuste Halterbasis.

Langzeithalter sind für Bitcoin-Zyklen besonders wichtig. In frühen und mittleren Aufwärtsphasen ziehen sie Coins häufig vom Markt ab oder halten ihre Bestände stabil. In späten Überhitzungsphasen beginnen sie dagegen oft mit stärkerer Distribution. Sinkt der Verkaufsdruck dieser Gruppe, kann dies auf eine Angebotsverknappung hindeuten.

Der aktuelle Befund ist deshalb bemerkenswert: Trotz zwischenzeitlicher Marktschwäche scheint ein großer Teil des Bitcoin-Angebots nicht aktiv in den Verkauf zu gehen. Das kann die Marktstruktur stabilisieren, solange keine neue Verkaufswelle von Langzeithaltern entsteht.

Börsenbestände sinken: 500.000 BTC weniger auf Handelsplattformen

Besonders deutlich wird die Angebotsverknappung beim Blick auf die Börsenbestände. Binance Research verweist laut WuBlockchain darauf, dass der Anteil der auf Börsen gehaltenen Bitcoin von etwa 17,6 Prozent auf 15,0 Prozent gefallen ist. Daraus ergibt sich ein Rückgang von rund 500.000 BTC auf Handelsplattformen. 

Das ist kein kleines Detail. Wenn Bitcoin von Börsen abgezogen wird, kann das verschiedene Gründe haben. Anleger können Coins in Cold Storage verschieben, institutionelle Verwahrer nutzen oder langfristige Haltestrategien verfolgen. In jedem Fall sinkt die unmittelbare Liquidität auf zentralen Börsen.

Für den Preis ist das vor allem dann wichtig, wenn neue Nachfrage in den Markt kommt. Bei hohem Angebot auf Börsen kann Kaufdruck leichter absorbiert werden. Bei sinkendem Angebot kann derselbe Kaufdruck stärker auf den Preis durchschlagen. Genau deshalb werden Exchange Balances im Bitcoin-Markt seit Jahren als wichtiger On-Chain-Indikator beobachtet.

SLRV bleibt niedrig: Weniger spekulative Überhitzung

Ein weiterer Punkt aus der Analyse betrifft den SLRV-Indikator. WuBlockchain berichtet, dass Binance Research den SLRV weiterhin nahe historisch niedriger Bereiche sieht. Das wird als Hinweis auf gedämpfte Spekulation interpretiert. 

Das ist wichtig, weil starke spekulative Aktivität häufig in späten Marktphasen zunimmt. Wenn kurzfristige Marktteilnehmer stark dominieren, steigt das Risiko schneller Gewinnmitnahmen und scharfer Korrekturen. Ein niedriger SLRV kann dagegen darauf hindeuten, dass der Markt nicht in einer extrem überhitzten spekulativen Phase steckt.

Das macht die Lage allerdings nicht automatisch bullish. Ein niedriger Spekulationsgrad kann auch bedeuten, dass dem Markt kurzfristig Momentum fehlt. Entscheidend ist deshalb, ob aus dieser ruhigen Struktur neue Nachfrage entsteht oder ob der Markt trotz knapperem Angebot in einer Seitwärtsphase bleibt.

STH-MVRV wieder über 1,0: Kurzfristige Halter kehren in Gewinnzone zurück

Der vierte wichtige Indikator ist der STH-MVRV. Dabei geht es um kurzfristige Bitcoin-Halter, also Marktteilnehmer, deren Coins noch nicht lange gehalten werden. Laut WuBlockchain ist der BTC STH-MVRV wieder über 1,0 gestiegen, nachdem er seit November 2024 über längere Zeit darunter lag. Das deutet darauf hin, dass kurzfristige Halter wieder unrealisierte Gewinne aufbauen. 

Ein STH-MVRV über 1,0 bedeutet vereinfacht: Die jüngeren Marktteilnehmer liegen im Durchschnitt wieder im Gewinn. Das kann psychologisch relevant sein. Wenn kurzfristige Halter stark im Verlust sind, steigt häufig das Risiko von Kapitulationsverkäufen. Wenn sie dagegen wieder leicht im Gewinn liegen, stabilisiert sich die kurzfristige Marktstruktur.

Gleichzeitig ist dieser Indikator zweischneidig. Steigt der STH-MVRV stark an, kann das später auch Gewinnmitnahmen auslösen. Aktuell wird der Anstieg aber eher als Erholungssignal interpretiert, weil der Wert nach einer längeren Phase unterhalb von 1,0 wieder ins positive Terrain zurückkehrt.

Angebotsverknappung ist kein automatisches Kaufsignal

Die Kernaussage der Binance-Research-Einschätzung ist nicht, dass Bitcoin sofort stark steigen muss. Sie lautet vielmehr: Die verfügbare Verkaufsseite könnte sich verengen.

Das ist ein Unterschied. Angebotsverknappung schafft die Grundlage für stärkere Preisbewegungen, wenn Nachfrage zurückkehrt. Ohne Nachfrage kann ein knappes Angebot aber auch einfach zu geringerer Liquidität und Seitwärtsbewegungen führen. Der Markt braucht also nicht nur weniger Verkäufer, sondern auch neue Käufer.

Genau hier bleibt die weitere Entwicklung entscheidend. ETF-Zuflüsse, makroökonomische Liquidität, Risikobereitschaft an den Aktienmärkten und Derivatepositionierung dürften weiterhin bestimmen, ob die knapper werdende Angebotsseite tatsächlich zu einem neuen Aufwärtsimpuls führt.

Der größere Kontext: Institutionelle Marktstruktur wird wichtiger

Die aktuelle Diskussion passt zu einer breiteren Entwicklung im Kryptomarkt. Binance Research beschreibt in seinen jüngsten Marktanalysen, dass der Markt zunehmend von institutionellen Kapitalflüssen, Tokenisierung, Stablecoin-Infrastruktur und neuen On-Chain-Finanzprodukten geprägt wird. Im Mai-Bericht verwies Binance Research etwa auf einen Kryptomarkt, der zeitweise auf 2,6 Billionen US-Dollar gestiegen war, unterstützt durch Bitcoin-Short-Squeeze, ETF-Zuflüsse und ein neutraleres Sentiment. 

Parallel zeigt ein weiterer Binance-Research-Bericht zur Tokenisierung, dass traditionelle Vermögenswerte zunehmend auf Blockchain-Infrastruktur abgebildet werden. Der Wert verteilter tokenisierter Real-World Assets lag Mitte Mai 2026 laut Binance Research bei 31,4 Milliarden US-Dollar, nach rund 21,5 Milliarden US-Dollar zu Jahresbeginn und etwa fünfmal so hoch wie Anfang 2025. 

Für Bitcoin ist dieser Kontext relevant, weil sich die Marktstruktur verändert. Bitcoin wird nicht mehr nur von Retail-Tradern, Minern und Krypto-Börsen geprägt. ETF-Produkte, Verwahrungslösungen, institutionelle Allokationen und tokenisierte Finanzinfrastruktur beeinflussen zunehmend, wie Kapital in den Markt kommt und wie lange Coins gehalten werden.

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