Für Bitcoin-Treasury-Unternehmen gilt normalerweise: Wer den Bitcoin-Bestand pro Aktie steigern will, kauft weitere BTC. Doch bei B HODL Plc zeigte sich nun ein anderer Effekt. Weil die Aktie des Unternehmens unter dem Wert der gehaltenen Bitcoin gehandelt wurde, war der Rückkauf eigener Aktien kurzfristig effizienter als ein direkter Bitcoin-Kauf.
Aktienrückkauf brachte mehr Bitcoin pro Aktie
Das in Großbritannien gelistete Unternehmen B HODL Plc hat in der ersten Woche seines Rückkaufprogramms rund 823.400 eigene Aktien erworben. Dafür zahlte die Firma laut Angaben etwa 37.985 Pfund vor Gebühren.
Der interessante Punkt: Unter den zugrunde gelegten Vergleichswerten brachte dieser Rückkauf pro investiertem Pfund etwa 24 Prozent mehr Zuwachs beim Bitcoin-Bestand je Aktie als ein Kauf von Bitcoin selbst.
Hintergrund ist die Bewertung an der Börse. Am 19. Juli zeigte das offizielle Dashboard von B HODL einen Bestand von 166,487 BTC. Beim angegebenen Bitcoin-Preis von 48.237 Pfund entsprach das einem Wert von rund 8,03 Millionen Pfund. Die Börsenkapitalisierung lag jedoch nur bei etwa 7,38 Millionen Pfund. Damit wurde das Unternehmen am Markt mit einem Abschlag von ungefähr 8,1 Prozent gegenüber dem Wert seiner Bitcoin-Bestände gehandelt.
Genau daraus entstand der Vorteil des Rückkaufs: Wenn ein Unternehmen an der Börse günstiger bewertet wird als der Wert der Bitcoin, die es hält, kann der Kauf der eigenen Aktie rechnerisch mehr Bitcoin-Exposure pro Aktie liefern als ein direkter BTC-Zukauf.
So wurde der 24-Prozent-Vorteil berechnet
Das Rückkaufprogramm über insgesamt 100.000 Pfund startete am 9. Juli. Die bisher gemeldeten Käufe erfolgten zwischen dem 9. und 16. Juli zu einem berechneten gewichteten Durchschnittspreis von 4,613 Pence je Aktie. Damit wurden vor Gebühren bereits rund 38 Prozent des Programms genutzt.
Nach Einzug der zurückgekauften Aktien sank die Zahl der ausstehenden Aktien von 141.366.091 auf 140.542.691. Da der Bitcoin-Bestand unverändert bei 166,487 BTC blieb, stieg der rechnerische Bestand je Aktie von 117,77 Sats auf 118,46 Sats. Das entspricht einem Plus von 0,69 Sats je Aktie beziehungsweise 0,59 Prozent.
Zum Vergleich: Hätte B HODL dieselben 37.985 Pfund stattdessen direkt in Bitcoin investiert, wären beim angesetzten BTC-Preis nur etwa 0,787 BTC hinzugekommen. Auf die damalige Aktienzahl verteilt hätte das den Bitcoin-Bestand je Aktie lediglich um rund 0,557 Sats erhöht.
Die Folge: Der Rückkauf eigener Aktien war unter diesen Annahmen spürbar effizienter als der direkte Bitcoin-Kauf.
Nur unter bestimmten Umständen
B HODL kombiniert den Rückkauf der eigenen Aktien weiterhin mit einem laufenden At-the-Market-Programm, also der Möglichkeit, bei passenden Marktbedingungen neue Aktien auszugeben. Das Unternehmen kann damit je nach Bewertung umschalten: Aktien ausgeben, wenn das den Bitcoin-Bestand pro Aktie erhöht, und Aktien zurückkaufen, wenn die Aktie selbst die günstigere Form von Bitcoin-Exposure ist.
Allerdings gibt es eine wichtige Einschränkung. Ein Börsenwert unterhalb des reinen Bitcoin-Bestands bedeutet nicht automatisch, dass die Aktie auch unter dem vollständigen Nettoinventarwert gehandelt wird. Denn zur Gesamtbewertung zählen auch Cash, Verbindlichkeiten, laufende Kosten, operative Vermögenswerte und bei B HODL außerdem das Geschäft im Lightning-Network-Bereich.
Die gezeigten Zahlen belegen daher vor allem eines: Unter bestimmten Bedingungen kann ein Aktienrückkauf für Bitcoin-Treasury-Firmen sinnvoller sein als der direkte Kauf von BTC. Ob das am Ende die beste Kapitalmaßnahme ist, hängt aber weiterhin von Liquidität, Schulden, laufendem Finanzierungsbedarf und dem operativen Geschäft ab.
Wenn Aktien mit Abschlag auf den eigenen Bitcoin-Bestand gehandelt werden, kann der Markt plötzlich dazu führen, dass die eigene Aktie billigeres Bitcoin bietet als Bitcoin selbst.