Neue Stablecoin OUSD setzt Circle unter Druck, die Aktie fällt 16%

Neue Stablecoin OUSD setzt Circle unter Druck – Aktie fällt 16%
Neue Stablecoin OUSD setzt Circle unter Druck, die Aktie fällt 16% (BitcoinBasis.de | Image GPT)

Ein neues Stablecoin-Projekt namens Open USD (OUSD) bringt Bewegung in einen Markt, der längst zur Zahlungsinfrastruktur geworden ist. OUSD wird als geplante Stablecoin von mehr als 140 Unternehmen aus Finanz-, Tech- und Krypto-Branche unterstützt, darunter Coinbase, Visa, Mastercard, Stripe, BlackRock und Google. Das Modell greift die bisherige Ertragslogik der Branche direkt an: OUSD will Minting und Redemption für Unternehmen kostenlos machen und einen größeren Teil der Reserveerträge an die Plattformen weitergeben, die den Token verbreiten. An der Börse kam das Signal an: Die Circle-Aktie fiel am Tag der Ankündigung um 16 Prozent.

OUSD greift das Ertragsmodell von USDC und USDT an

Der Stablecoin-Sektor ist inzwischen mehr als 320 Milliarden US-Dollar schwer. Traditionell behalten Emittenten wie Circle (USDC) und Tether (USDT) die Zinseinnahmen aus den Reserven weitgehend selbst. OUSD stellt dieses issuer-getriebene Modell infrage: Übliche Minting- und Redemption-Gebühren sollen entfallen, während die Reserveerträge stärker an Vertriebspartner fließen. Genau dort sitzt die Macht, weil Reichweite und Liquidität über die Nutzung entscheiden.

Für Circle ist das heikel, weil USDC zwar als Infrastrukturprodukt gilt, aber die Verteilung mit darüber entscheidet, wie stabil die Marktposition bleibt. Jeremy Allaire, CEO von Circle, betonte zuletzt die Liquidität von USDC: USDC gehöre zu den drei liquidesten digitalen Vermögenswerten der Welt, neben BTC und USDT. Zudem seien die nächstgrößeren Dollar-Stablecoins etwa zehnmal kleiner als USDC, und USDC-Liquidität sei über viele Handelsplätze verteilt statt auf einzelne Börsen konzentriert.

Coinbase sitzt am längeren Hebel – und baut Verhandlungsspielraum auf

Besonders brisant ist die Rolle von Coinbase. Die Börse hat USDC mit aufgebaut und zu einem der am weitesten verbreiteten Dollar-Token gemacht. Im ersten Quartal hielt Coinbase nach eigenen Angaben mehr als 25 Prozent des umlaufenden USDC, im Schnitt rund 19 Milliarden US-Dollar, über die eigenen Produkte. Zudem teilte Coinbase mit, dass Base im ersten Quartal 62 Prozent des weltweiten On-Chain-Transaktionsvolumens mit Stablecoins verarbeitet hat.

Das stabilecoin-nahe Geschäft ist für Coinbase inzwischen groß: 2025 erzielte das Unternehmen rund 1,35 Milliarden US-Dollar an Stablecoin-bezogenen Einnahmen, etwa 19 Prozent des Gesamtumsatzes. Circle zahlte Coinbase 2024 im Rahmen der Umsatzbeteiligung 908 Millionen US-Dollar. Vor diesem Hintergrund wirkt Coinbases Unterstützung für OUSD nicht wie Symbolpolitik, sondern wie eine Positionierung gegenüber Circle. Tiger Research sieht darin erheblichen Verhandlungsspielraum für Coinbase.

Die bisherige Vertriebsvereinbarung zwischen Circle und Coinbase läuft in einem Dreijahreszyklus, die nächste Frist ist für August 2026 angesetzt. Die Kursreaktion bei Circle spiegelt damit auch Nervosität über die Stabilität dieser Geschäftsbeziehung wider.

Governance und Regulierung: OUSDs größtes Risiko ist nicht technisch

Ob OUSD schnell skaliert, ist offen. Research-Experte Lorenzo Valente (ARK Invest) verweist auf ein ausgeprägtes Cold-Start-Problem: Handelsplätze und Kapitalmärkte seien stark auf die etablierten Handelspaare USDT und USDC ausgerichtet. Zudem warnte Valente vor möglicher regulatorischer und kartellrechtlicher Prüfung eines so breit aufgestellten Konsortiums und bezweifelt, dass ein Verbund aus hunderten Rivalen effizient zusammenarbeiten kann. Auch Kayla Phillips (Hivemind) stellt die Governance-Frage in den Mittelpunkt: Es sei unklar, wie die beteiligten Unternehmen koordinieren und ob alle 140 Unterstützer überhaupt einen gleichwertigen Platz in der Steuerung bekommen könnten. Ohne echten Einfluss könnte die Motivation vieler Partner schnell sinken.

Circle kontert die Konsortiumsidee grundsätzlich: Allaire sagte, große Unternehmensgruppen koordinierten oft schlecht, setzten unklare Anreize und bremsten Entscheidungen. Circle habe in frühen Jahren eine begrenzte Konsortiumsstruktur getestet, kleinere strategische Kooperationen hätten committee-basierte Netzwerke übertroffen. Zudem warnte Allaire, dass ein Stablecoin-Netzwerk ohne Reserveerträge Kapital für globale Lizenzen, Compliance und ein 24/7-Treasury-Management verliere.

Für den Markt bleibt damit eine konkrete Frage entscheidend: Setzt sich das OUSD-Modell mit umverteilten Reserveerträgen als neuer Standard in der Distribution durch, oder bleibt USDC dank bestehender Liquidität und eingespielter Infrastruktur dominant – spätestens, wenn die Circle-Coinbase-Vereinbarung im August 2026 wieder auf dem Tisch liegt.

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