Bitcoin könnte nach drei Jahren Rallye an einem Wendepunkt stehen. Zu diesem Schluss kommt Chartered Market Technician Tony Severino, der in einer neuen Analyse davon spricht, dass BTC auf den großen Zeiteinheiten nun eine dreifache bärische Divergenz ausgebildet habe – ein Muster, das seiner Ansicht nach zeigt, dass der Trend „unter der Haube stirbt“, obwohl der Preis zuletzt noch neue Höchststände erreichte.
Bitcoin has formed a Triple Bearish Divergence aka a Triple Negative Divergence
— Tony "The Bull" Severino, CMT (@TonyTheBullCMT) November 24, 2025
This evidence-focused video looks at the pattern itself and matches the textbook characteristics with ongoing market dynamics over the last two years
From ETF excitement creating the first momentum… pic.twitter.com/edjllaJqKp
Für Severino ist dieses Setup so markant, dass er den Begriff selbst erstmal definieren musste. Er fand kaum Literatur dazu und beschreibt seine Definition daher offen: Drei aufeinanderfolgende höhere Hochs im Bitcoin-Preis und drei aufeinanderfolgende niedrigere Hochs im Momentum-Indikator. Genau dieses Muster sei nun sichtbar.
Was eine dreifache bärische Divergenz bedeutet
Traditionell gilt bereits eine einfache bärische Divergenz als Warnsignal: Der Kurs steigt, doch Indikatoren wie RSI, MACD oder Stochastik zeigen weniger Stärke. Das deutet darauf hin, dass der Markt zwar noch steigt, aber die Käuferseite spürbar schwächer wird.
Severino argumentiert, dass sich dieser Effekt bei einer dreifachen Divergenz drastisch verstärkt. Während eine normale Divergenz ein „gelbes Warnsignal“ sei, beschreibt er drei Divergenzen als „gelb, orange und rotes Blinken gleichzeitig“. Seine Kernaussage ist deutlich: Der Markt mag neue Hochs ausbilden – aber der Motor dahinter verliert Kraft.
Die drei entscheidenden Hochpunkte im Bitcoin-Zyklus
Severino legt die Struktur auf dem Monatschart an und identifiziert drei präzise Hochpunkte, die zusammen die Divergenz bilden.
1. Hoch – Der ETF-Moment: Der Momentum-Peak
Das erste Hoch entstand rund um den Start der Spot-Bitcoin-ETFs. Für Severino war diese Phase der Höhepunkt des Zyklus-Momentums: extreme Nachfrage, starkes Volumen, massive Dynamik. Er verortet diesen Peak in seiner Elliott-Wave-Analyse als Welle 3 – typischerweise die stärkste Ausdehnungsphase eines Bullenmarktes.
2. Hoch – Ausbruch ja, aber mit stark nachlassender Kraft
Das zweite Hoch lag über dem ersten, doch das Momentum war klar schwächer. Für Severino signalisierte das, dass immer weniger Käufer bereit waren, aggressiv zu jagen. Gleichzeitig begannen frühe Marktteilnehmer Gewinne zu realisieren. Er gibt offen zu, dass er selbst hier Teilverkäufe tätigte. Für ihn ist dieses Hoch typisch für eine abschließende Welle 5, die zwar höhere Preise bringt, aber keine echte Stärke mehr trägt.
3. Hoch – Der lethargische Rekord bei ~126.000 USD
Das dritte Hoch war kaum mehr als ein marginales Überwinden der zweiten Spitze. Genau diese schwache Ausdehnung ist für Severino das finale Warnsignal. Er beschreibt, wie Shorts ihre Positionen eindeckten, spät eingestiegene FOMO-Käufer den Preis noch einmal leicht nach oben schoben, während professionelle Trader die Gelegenheit nutzten, Positionen abzubauen oder Short-Positionen zu eröffnen.
Severinos Einschätzung zur Stimmung ist nüchtern:
„Wir waren am ersten Hoch euphorisch. Am dritten waren wir einfach nur selbstgefällig. Und Selbstgefälligkeit ist oft gefährlicher als Euphorie.“
Der Divergenz folgt nun die Bestätigung: Trendbruch, gebrochene EMAs und RSI-Signal
Severino macht klar, dass eine Divergenz alleine keine Verpflichtung ist zu handeln. Man braucht Bestätigung. Genau diese sieht er jetzt.
Trendbruch
Die zentrale Aufwärtstrendlinie – über Jahre hinweg der Rückgrat des Bull-Trends – wurde klar gebrochen.
Verlust der 20-EMA und 50-EMA
Die gleitenden Durchschnitte, die den gesamten Bullrun als dynamische Unterstützung dienten, sind nach unten durchbrochen. Für Severino ein klares Zeichen, dass der Markt seine Richtung geändert hat.
RSI verliert die bullische Zone
Während der Rally prallte der RSI immer wieder im Bereich 40–50 nach oben ab – ein klassischer bullischer Strukturmarker. Dieser Bereich wurde nun nach unten verlassen, was in seiner Lesart die endgültige Bestätigung ist: Der Trend hält nicht mehr.
Warum das jüngste Volumen kein Kapitulationssignal ist
Der jüngste Volumenanstieg während eines roten Kerzenkörpers wurde von manchen als Panikkapitulierung interpretiert. Severino widerspricht. Im Gegensatz zu den extremen Volumenexplosionen am FTX-Boden 2022 sieht das aktuelle Verhalten eher nach dem Beginn eines strukturellen Abwärtstrends aus – nicht nach einem finalen Tief.
Er hebt hervor, dass das Volumen auf dem Weg zu den letzten Hochs bereits stark abnahm – ein klassisches Ermüdungszeichen, das oft vor Trendwechseln steht.
Wie tief kann Bitcoin fallen? Fibonacci gibt eine schmerzhafte Antwort
Um mögliche Ziele zu identifizieren, nutzt Severino Fibonacci-Retracements. Triple Divergences führen seiner Erfahrung nach häufig in den Bereich zwischen 0,5 und 0,618 der vorherigen Aufwärtsbewegung.
Für Bitcoin ergibt das:
- 0,5-Retracement: ca. 44.100 USD
- 0,618-Retracement: ca. 34.409 USD
Mit anderen Worten: Ein Rückgang von 60 bis 70 Prozent vom Hoch wäre vollständig im Rahmen dessen, was Bitcoin in früheren Bärenmärkten regelmäßig gesehen hat.
Er deutet außerdem an, dass sich auf größeren Zeiteinheiten eine noch größere, übergeordnete Divergenz bilden könnte, in die die aktuelle Struktur nur ein Teilstück darstellt. Die Konsequenz wäre ein potenziell noch ausgeprägterer Abwärtstrend.
Severinos Fazit: Kein Crash-Dogma, aber klarer Trendbruch – Risiko hoch, Vorsicht angemessen
Severino betont mehrfach, dass auch diese Signale keine Garantie für eine endgültige Topbildung sind. Märkte sind nie eindeutig. Doch er verweist darauf, dass die Summe der Datenpunkte – Divergenz, Trendlinienbruch, EMA-Verluste, RSI-Bruch – ein klares strukturelles Bild zeichnet.
Seine Botschaft ist nüchtern und mit direktem Risikoappell:
„Das ist kein Aufruf zur Panik und keine Finanzberatung. Aber es ist ein Zeitpunkt, an dem man Risiken sehr genau managen muss.“