Bank of England lockert Stablecoin-Regeln – aber setzt 40-Mrd.-Limit

Bank of England lockert Stablecoin-Regeln – aber setzt 40-Mrd.-Limit
Bank of England lockert Stablecoin-Regeln – aber setzt 40-Mrd.-Limit (BitcoinBasis.de | Image GPT)

Die Bank of England (BoE) hat ihre Pläne für systemische Sterling-Stablecoins spürbar nachgeschärft. In einem Policy-Statement und einem Draft Code of Practice vom 22. Juni 2026 strich sie die zuvor diskutierten Haltegrenzen für Privatpersonen und Unternehmen.

Gleichzeitig führt die Notenbank für jedes systemische Sterling-Stablecoin-Produkt zunächst eine Emissionsobergrenze von 40 Milliarden Pfund ein und lockert die Reserveanforderungen: Bis zu 70 Prozent der Deckungswerte dürfen in kurzfristigen britischen Staatsanleihen liegen, 30 Prozent müssen als Zentralbankeinlagen gehalten werden. Die Konsultation läuft bis zum 22. September 2026, die Regeln sollen bis Ende 2026 finalisiert werden. Regulierter Betrieb ist ab 2027 vorgesehen.

Weg von Wallet-Limits, hin zur Produktobergrenze

Noch im November 2025 hatte die BoE temporäre Haltegrenzen von 20.000 Pfund pro Privatperson und 10 Millionen Pfund pro Unternehmen erwogen. Diese Hürden sind nun vom Tisch. Stattdessen begrenzt die Notenbank die Größe eines einzelnen systemischen Stablecoin-Produkts über die Emission.

Die 40-Milliarden-Pfund-Grenze bezeichnet die BoE als vorläufige Maßnahme, die später überprüft, gelockert und schließlich entfernt werden soll, sobald Risiken adressiert sind.

Aus Sicht der BoE soll die Obergrenze eine ähnliche Stabilitätswirkung entfalten wie die früheren Nutzerlimits, aber ohne die praktischen Probleme bei der Durchsetzung über Wallets, Unternehmen, Smart Contracts und Intermediäre. Im Kern geht es um das gleiche Risiko: zu schnelle Abflüsse aus Bankeinlagen, die die Kreditvergabe belasten könnten.

Reservevorgaben werden wirtschaftlicher für Emittenten

Neben dem Kurswechsel bei den Haltegrenzen passt die BoE auch die Reserveaufteilung an. Künftig dürfen bis zu 70 Prozent der Reserven in kurzfristigen britischen Staatsanleihen gehalten werden. Mindestens 30 Prozent müssen als Zentralbankeinlagen bei der BoE liegen.

Im früheren Vorschlag sollten es nur bis zu 60 Prozent Staatsanleihen sein, dafür mindestens 40 Prozent unverzinste Einlagen. Die Anforderung an Zentralbankeinlagen ist damit nicht verschwunden, fällt aber geringer aus.

Die Verschiebung zugunsten verzinslicher Wertpapiere verbessert die ökonomische Grundlage für Emittenten, weil kurzfristige Gilts Erträge liefern. Zugleich bleibt ein Teil der Deckung in Zentralbankgeld gebunden, was die Liquidität im Stressfall absichern soll.

40 Milliarden Pfund: groß für den Start, Engpass im Erfolg

Mit umgerechnet rund 53 Milliarden US-Dollar liegt die Produktobergrenze deutlich unter der Größe der größten Dollar-Stablecoins: USDT kommt laut den genannten Marktdaten auf etwa 186 Milliarden US-Dollar, USDC auf rund 74 Milliarden US-Dollar.

Die BoE sagt selbst, das Limit könne dazu führen, dass ein Stablecoin bei sehr hoher Nachfrage knapp wird und über dem Nennwert am Sekundärmarkt handelt. Das Risiko hält sie für beherrschbar und erwartet es vor allem bei anhaltenden, großvolumigen Zuflüssen.

Für die praktische Nutzbarkeit im Zahlungsverkehr wertet die BoE die neuen Regeln als Fortschritt: Systemische Sterling-Stablecoins würden als Zahlungsinfrastruktur praktikabler als im früheren Entwurf. Das passt auch zur wachsenden Aktivität im britischen Testumfeld: In der FCA-Stablecoin-Sandbox sind unter anderem Monee, ReStabilise, Revolut und VVTX vertreten.

Politischer Druck ist ebenfalls spürbar. Der Financial Services Regulation Committee des House of Lords warnte am 3. Juni 2026, das Vereinigte Königreich riskiere, hinter USA und EU zurückzufallen, und forderte unter anderem eine Neubewertung von Haltegrenzen und Reserveanforderungen. Eine zentrale offene Flanke bleibt dabei: Die Frage, ob Geschäftsbanken Stablecoins ausgeben dürfen, hat die BoE im aktuellen Statement nicht klar gelockert.

Entscheidend wird nun, wie die 40-Milliarden-Pfund-Grenze in der Praxis wirkt: Für frühe Anwendungen im britischen Zahlungsverkehr kann sie großzügig sein, zum Engpass wird sie aber, wenn sich die Nachfrage stark auf ein einzelnes Produkt konzentriert und das Token-Angebot gedeckelt bleibt – wie bei Rallyes am Kryptomarkt, wenn Bitcoin ein neues Allzeithoch von 110.000 USD erreicht.

Teilen
Auch Interessant
XRPAbfluesse-bei-Binance-erreichen-Extremwert-Warum-der-Verkaufsdruck-jetzt-sinken-koennte
Bitcoin-nach-RekordKapitulation-Verkaufsdruck-bricht-ein-doch-die-Erholung-fehlt
BitcoinErholung-bleibt-gefaehrlich-64-Prozent-waere-der-Baerenmarkt-wirklich-gebrochen