Nach der jüngsten Sicherheitswarnung rund um Zcash (ZEC) versuchen viele Anleger einzuschätzen, wie groß das tatsächliche Risiko ist. Während auf Polymarket bereits Wetten auf eine mögliche Ausnutzung laufen, verweist Grayscale-Chefjurist Craig Salm auf einen anderen, aus seiner Sicht aussagekräftigeren Hinweis: das Verhalten der Nutzer direkt in der Blockchain.
Grayscale sieht den Orchard-Pool als „besseren Indikator“
Auslöser der Debatte ist eine Schwachstelle im sogenannten Orchard-Pool, also dem modernen Shielded-Bereich von Zcash. Die Sicherheitslücke wurde am 4. Juni öffentlich gemacht. Kurz darauf eröffnete Polymarket am 5. Juni einen Markt mit der Frage, ob die Lücke auf dem Zcash-Mainnet bereits ausgenutzt wurde, bevor der Fix aktiv war.
Die aktuelle Polymarket-Schätzung liegt bei rund 10 Prozent Wahrscheinlichkeit, dass eine Ausnutzung später bestätigt wird. Das Handelsvolumen beträgt laut Marktstand etwa 14.306 US-Dollar. Wichtig: Der Markt fragt nicht allgemein nach „Risiko“, sondern sehr konkret nach einer Bestätigung durch bestimmte Stellen wie Shielded Labs, die Zcash Foundation oder das Zcash Open Development Lab (ZODL). Alternativ kann auch eine klare, breite Übereinstimmung glaubwürdiger Berichte für ein „Ja“ reichen.
Craig Salm (Grayscale, Chief Legal Officer) hält die Polymarket-Quote nicht unbedingt für falsch. Er sagt aber: Wer wirklich das größte finanzielle Interesse an einer korrekten Einschätzung hat, sind die Nutzer, die weiterhin Geld im Orchard-Pool halten. Denn falls dort tatsächlich unrechtmäßig zusätzliche ZEC entstanden sein sollten, könnten gerade diese Nutzer am stärksten betroffen sein, etwa wenn Limits im System greifen.
Sein Punkt: Seit der Veröffentlichung der Schwachstelle seien die Orchard-Bestände offenbar nur um etwa 5 Prozent gesunken. Das wirke nicht wie eine Massenflucht aus Angst vor „ungedeckten“ oder ungültigen ZEC. Salm betont aber auch: Das sei kein Beweis dafür, dass nichts passiert ist, sondern nur ein interessantes Signal von Menschen, die viel zu verlieren hätten.
Polymarket wettet auf Bestätigung, nicht auf neue Risiken
Ein weiterer wichtiger Punkt: Polymarket bewertet im Kern die Chance, dass ein vergangenes Ereignis später offiziell bestätigt wird. Es geht nicht darum, ob Zcash künftig allgemein angreifbar ist oder ob nach dem Fix neue Schwachstellen entstehen könnten. Solche späteren Szenarien sind in den Regeln ausdrücklich ausgeschlossen.
Ein „Ja“ wäre demnach erst dann gerechtfertigt, wenn klar wird, dass die konkrete Orchard-Schwachstelle vor dem Fix ausgenutzt wurde, zum Beispiel durch offizielle Aussagen, Audits, Migrationen, Untersuchungen oder eine Art Abgleich, der überschüssige oder ungültige ZEC nachweist, die genau auf dieses Problem zurückgehen.
On-Chain-Daten: Deshielding ja, aber nur begrenzter Abfluss
Auch die Analyseplattform CipherScan kommt in ihrer öffentlichen Einschätzung zu einem eher nüchternen Bild. Zwar seien in dem Zeitraum rund 380.000 ZEC aus dem Shielded-Bereich „entschirmt“ worden, also in transparente Adressen gewandert. CipherScan warnt aber davor, diese Zahl automatisch als Panikabzug zu lesen.
Laut CipherScan habe sich nur etwa die Hälfte dieser deshielded Coins tatsächlich bewegt, während rund 45 Prozent schlicht auf transparenten Adressen liegen geblieben seien. Unterm Strich seien nur etwa 82.000 ZEC wirklich aus dem Zcash-System abgeflossen, das entspreche ungefähr 1,6 Prozent des Shielded-Pools und 0,5 Prozent des Gesamtangebots.
Zusätzlich schätzt CipherScan, dass rund 47.000 ZEC auf Börsen gelandet sind, was sie als den eigentlichen Verkaufsdruck aus dem Orchard-Umfeld bezeichnen. Gleichzeitig seien im gleichen Zeitraum auch etwa 118.000 ZEC wieder in den Shielded-Bereich gewandert. Die Schlussfolgerung der Analysten: Viele Holder hätten eher abgewartet als panisch verkauft.
Zum Zeitpunkt der Berichterstattung lag der ZEC-Kurs bei etwa 425 US-Dollar.