Mit PeerDAS wagt Ethereum einen technologischen Sprung, der die Datenverfügbarkeit revolutionieren könnte. Buterin betont: Innovation ja – aber unter strengem Sicherheitsvorbehalt.
Buterins Vision: Skalierung ohne Voll-Downloads
Ethereum-Mitgründer Vitalik Buterin hat die nächste Entwicklungsstufe des Netzwerks als gleichermaßen „kühn wie vorsichtig“ beschrieben. Kern der geplanten Fusaka-Implementierung ist die Technologie PeerDAS (Peer Data Availability Sampling). Ihr Ziel: Ein Blockchain-Betrieb, bei dem kein einzelner Knoten mehr das gesamte Datenvolumen eines Blocks herunterladen muss.
Stattdessen prüfen die Nodes zufällig ausgewählte „Chunks“. Sind mehr als die Hälfte dieser Daten verfügbar, können die restlichen Informationen über Erasure Coding rekonstruiert werden. Damit wird theoretisch eine erhebliche Entlastung einzelner Nodes erreicht – ohne die Sicherheit zu opfern.
Buterin mahnt jedoch zur Vorsicht:
„Es ist alles neue Technologie, und die Kernentwickler sind zu Recht extrem vorsichtig bei den Tests.“
Der Hochlauf soll deshalb schrittweise erfolgen: zunächst mit konservativen Blob-Limits, die nur langsam erhöht werden, wenn sich die Nutzung stabilisiert.
Blob-Markt unter Druck
Buterins Einschätzungen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem Ethereum gerade die ersten Belastungstests seines neuen Blob-Marktes erlebt. Datenanalyst Hildebert Moulié (Dragonfly) meldete jüngst erstmals sechs Blobs pro Block, hauptsächlich getrieben von Rollups wie Base und Worldcoin.
- Base allein beanspruchte rund 35 % aller Blobs und 42 % der verfügbaren Blob-Kapazität.
- Worldcoin kam auf etwa 20 % der Einreichungen und 25 % der Nutzung.
- Arbitrum, Optimism, Soneium, Scroll und andere Rollups machten den Rest aus.
Die wachsende Nachfrage hat Folgen:
- Validatoren benötigen inzwischen mehr als 70 GB Speicher für Blobs – unbereinigt wären es über 1,2 TB.
- Viele Blobs bleiben unvollständig gefüllt, insbesondere kleinere Rollups verschwenden Kapazität durch zu häufige Einreichungen.
- Nach dem Pectra-Hardfork kam es erstmals zu einem anhaltenden Anstieg der Blob-Basisgebühr, ein Hinweis auf beginnende Engpässe.
Was sind „Blobs“ eigentlich?
Blobs („Binary Large Objects“) sind spezielle Datenpakete, die Ethereum seit dem Dencun-/Pectra-Upgrade eingeführt hat. Sie dienen vor allem dazu, die Daten von Layer-2-Rollups effizient im Ethereum-Mainnet zu speichern, ohne dass jede Transaktion einzeln in den Block passt.
Ein Blob kann man sich wie einen zusätzlichen Datenanhang zu einem Block vorstellen: Er enthält große Mengen an Transaktionsdaten (bis zu 128 KB), die später wieder gelöscht werden dürfen („prunable data“). Dadurch wird das Mainnet entlastet, während Rollups trotzdem ihre Daten sicher und überprüfbar ablegen können.
Für Nicht-Programmierer lässt sich das so zusammenfassen:
- Normale Ethereum-Blöcke sind wie Seiten in einem Buch, auf die man nur eine begrenzte Menge schreiben kann.
- Blobs sind wie zusätzliche Notizzettel, die man an die Seite heftet – groß genug für Rollup-Daten, aber so gestaltet, dass sie später wieder entsorgt werden können, sobald niemand sie mehr braucht.
PeerDAS als Antwort
Genau hier setzt PeerDAS an. Durch das stichprobenartige Sampling und die mathematische Rekonstruktion der Datenlast soll die Datenverfügbarkeit skaliert werden, ohne dass jeder Knoten das gesamte Blockvolumen speichern muss.
Zwar bleiben zwei Rollen zunächst weiterhin auf vollständige Blockdaten angewiesen – beim initialen Broadcast sowie bei Notfall-Rekonstruktionen –, doch reicht hier ein einziger ehrlicher Akteur im Netzwerk. Langfristig sollen auch diese Funktionen über cell-level messaging und distributed block building dezentralisiert werden.
Buterin sieht darin den Schlüssel, um das Wachstum von Layer-2-Rollups nachhaltig abzusichern und zugleich den Weg zu ebnen, dass künftig mehr L1-Daten in Blobs ausgelagert werden können.
Zeitplan und Sicherheitskorsett
Die Entwickler haben eine Mainnet-Aktivierung für den 3. Dezember 2025 avisiert, nach gestaffelten Testnet-Rollouts. PeerDAS wird dort zunächst mit strikten Limits eingeführt. Ziel ist, Gebühren-Schocks zu vermeiden und das reale Verhalten der Rollups unter neuen Bedingungen genau zu beobachten.
Die Forschung liefert derweil Ansätze für effizientere Blob-Nutzung. Eine vielzitierte Studie aus 2024 zeigte, dass kleinere Rollups ihre Kosten um bis zu 85 % senken könnten, wenn sie Blobs gemeinsam nutzen statt einzeln zu füllen. Solche Kooperationen würden auch die starke Volatilität bei Blob-Gebühren dämpfen.
Zwischen Risiko und Chance
Buterin betont: Das Konzept ist „beispiellos“ – noch nie hat eine Blockchain von globaler Relevanz versucht, dezentrale Sicherheit und massive Skalierung so zu kombinieren. Die Chancen sind enorm: Geringere Node-Anforderungen könnten die Dezentralisierung stärken, während Rollups über deutlich mehr Kapazität verfügen.
Doch Risiken bleiben. Der Blob-Markt ist jung und anfällig, Nachfrage-Spitzen können Gebühren sprunghaft erhöhen, und unvollständige Blobs verschärfen Ineffizienzen. Zudem sind die Interaktionen zwischen L1-Gebühren, Blob-Preisen und L2-Verhalten schwer kalkulierbar.
Fusaka soll diesen Balanceakt meistern: mehr Durchsatz, ohne die Integrität des Netzwerks zu gefährden. Oder wie Buterin es formuliert: „Safety first ist von höchster Bedeutung.“