Die Tschechische Nationalbank hat erste Ergebnisse aus einem Bitcoin Test vorgelegt. Zentralbankchef Aleš Michl sagt, dass schon eine sehr kleine Beimischung von Bitcoin die erwartete Rendite eines Portfolios verbessern kann, ohne das Gesamtrisiko spürbar zu erhöhen. Wichtig ist ihm dabei eine klare Abgrenzung: Es gehe nicht um einen Kurswechsel oder eine ideologische Botschaft, sondern um Forschung und modernes Reservemanagement bei weiterhin strenger Geldpolitik.
Ein Zentralbankchef erklärt, warum er sich mit Bitcoin befasst
Auf der Bitcoin 2026 Konferenz in Las Vegas räumte Michl ein, dass das Thema für viele ungewöhnlich klingt. Eine Zentralbank und Bitcoin würden normalerweise nicht zusammen gedacht. Er sehe das anders und wolle die Reservestrategie der Bank breiter aufstellen, ohne dabei von der klassischen Linie abzuweichen.
Michl ordnete das Experiment auch in die jüngste Wirtschaftslage ein. Als er Mitte 2022 Gouverneur wurde, lag die Inflation in Tschechien nach seinen Angaben nahe 20 Prozent. Sein Ziel sei gewesen, sie binnen zwei Jahren wieder auf 2 Prozent zu bringen. Das habe die Bank mit einer strafferen Politik erreicht, nicht durch „Magie“.
Seine Grundhaltung beschreibt er als klar konservativ: strenge Geldpolitik, Unterstützung für Sparen und eine starke tschechische Krone. Sein Leitsatz dazu: dauerhaft „hawkish“ bleiben, also konsequent gegen Inflation auftreten.
So groß sind die Reserven, und so kam Bitcoin ins Modell
Im Mittelpunkt stand dann weniger die Zinspolitik, sondern die Frage, wie die Tschechische Nationalbank ihre Devisenreserven anlegt. Die Bank verwaltet laut Michl rund 180 Milliarden US Dollar. Das entspricht etwa 44 Prozent des tschechischen Bruttoinlandsprodukts. Diese Größe zwinge dazu, sehr langfristig zu denken und das Portfolio laufend zu überprüfen.
In den vergangenen vier Jahren hat die Bank den Aktienanteil im Portfolio bereits von 15 auf 26 Prozent erhöht. Gleichzeitig wurde Gold von fast null auf 6 Prozent ausgebaut. Ziel sei ein Portfolio mit besseren Renditechancen als früher, aber ohne das Risiko unnötig zu erhöhen.
Der nächste Schritt war die Frage, ob man die Diversifikation weiter verbessern kann. So kam Bitcoin auf den Tisch. Michl erzählte dabei auch eine persönliche Anekdote: Er habe vor rund zehn Jahren in Prag einmal einen Kaffee mit Bitcoin bezahlt. Heute wäre dieser Kauf, nach seiner Rechnung, ungefähr 350 US Dollar wert gewesen. Der „teuerste Kaffee“ seines Lebens.
Erste Erkenntnis: 1 Prozent Bitcoin kann die Rendite erhöhen, bei ähnlichem Risiko
Michl betonte, dass Bitcoin sehr volatil ist und stark steigen, aber auch auf null fallen könnte. Gleichzeitig verwies er darauf, dass auch andere Anlageklassen Risiken haben: Aktien können einbrechen, Anleihen können ausfallen. Für professionelle Reserveverwalter sei daher entscheidend, wie sich ein Baustein im Zusammenspiel mit dem restlichen Portfolio verhält.
Genau hier setzt ein neues Arbeitspapier der Bank an. Laut Michl zeigt das Modell: Mit 1 Prozent Bitcoin im Portfolio steigt die erwartete Rendite, während das Gesamtrisiko in tschechischer Währung ungefähr gleich bleibt. Als Hauptgrund nannte er die langfristig geringe Korrelation von Bitcoin mit vielen klassischen Anlageklassen. Wenn sich ein Baustein anders bewegt als der Rest, kann das die Gesamtstruktur stabiler machen, obwohl der Baustein selbst riskant ist.
Die Bank hat dafür ein eigenes Bitcoin Testportfolio angelegt. Michl machte erneut klar, dass es sich um einen Test handelt, nicht um eine Revolution und nicht um ein politisches Signal. Das Experiment soll zwei Jahre laufen. Danach will die Notenbank die Ergebnisse veröffentlichen und entscheiden, wie es weitergeht.
Zum Zeitpunkt des Berichts lag der Bitcoin Kurs bei 77.269 US Dollar.