Taiwan reguliert Krypto neu: Strenge Regeln für Stablecoins

Taiwan reguliert Krypto neu: Strenge Regeln für Stablecoins
Taiwan reguliert Krypto neu: Strenge Regeln für Stablecoins (BitcoinBasis.de | Image GPT)

Taiwan zieht die Regulierung von Krypto-Dienstleistern deutlich an. Der Legislative Yuan hat am 30. Juni in dritter Lesung den Virtual Asset Service Act verabschiedet und damit einen eigenen Rechtsrahmen für Krypto-Handelsplattformen, Stablecoin-Emittenten und weitere Anbieter virtueller Vermögensdienste geschaffen. Für den Markt ist das vor allem deshalb relevant, weil Stablecoins als Liquiditätsbasis vieler Krypto-Transaktionen gelten – und Taiwan nun festlegt, unter welchen Bedingungen diese Infrastruktur im Land betrieben werden darf.

Lizenz statt bloßer AML-Registrierung

Taiwan hatte bereits ein laufendes AML-Registrierungssystem für Virtual Asset Service Provider (VASPs). Mit dem neuen Gesetz wird daraus ein deutlich strengerer Ansatz: Vor dem Betrieb ist eine Genehmigung durch die Financial Supervisory Commission (FSC) erforderlich. Damit verschiebt sich der Fokus von reiner Geldwäscheprävention hin zu einer umfassenderen Aufsicht über Geschäftsmodelle, Governance und Risikokontrollen.

Für bestehende Anbieter sieht der Gesetzesrahmen Übergangsfristen vor: VASPs, die bereits vor Inkrafttreten AML-registriert waren, sollen laut Passage-Report 12 Monate Zeit für den Lizenzantrag und 21 Monate für die Genehmigung erhalten. Wann das Gesetz tatsächlich in Kraft tritt, muss die Regierung allerdings noch festlegen. Zudem stehen konkrete Ausführungsregeln erst noch aus.

Stablecoins: volle Reserven, lokale Verwahrung, keine Zinsen

Besonders eng wird es für Stablecoin-Emittenten. Vorgeschrieben sind unter anderem eine vollständige Reserveunterlegung, die getrennte Verwahrung der Reserven über inländische Finanzinstitute sowie regelmäßige Prüfungen. Zusätzlich gilt ein klares Verbot: Emittenten dürfen keine Zinsen oder andere Erträge an Halter auszahlen.

Die FSC und weitere Behörden müssen nun Detailregeln definieren – etwa zur Zulassung von Emittenten, zur Zusammensetzung der Reserven, zu Offenlegungspflichten, Rücknahmeverfahren und zum Umgang mit Stablecoins, die zwar genutzt werden, aber nicht für inländische Ausgabe oder Handel autorisiert sind. Laut Focus Taiwan sind Reservewerte im Fall einer Insolvenz des Emittenten zudem vor Ansprüchen anderer Gläubiger geschützt.

Hohe Strafen und ein Vorteil für Finanzinfrastruktur

Das Gesetz sieht empfindliche Sanktionen vor. Verstöße können mit bis zu sieben Jahren Haft und einer Geldstrafe bis zu 100 Millionen NT-Dollar geahndet werden. Für Betrug oder Marktmanipulation nennt der Rechtsrahmen sogar drei bis zehn Jahre Haft sowie Geldstrafen zwischen 10 Millionen und 200 Millionen NT-Dollar.

In der Praxis dürfte die neue Architektur den Wettbewerb bei Stablecoins verlagern: weg von schneller Token-Ausgabe, hin zu Genehmigung, Reservehaltung, Verwahrung und Offenlegung auf institutionellem Niveau. Damit rücken Akteure mit Compliance- und Infrastrukturstärke in den Vordergrund – etwa Banken, Treuhanddienstleister, Prüfer, Custody-Plattformen und regulierte Handelsplätze. Entscheidend wird sein, ob die FSC einen direkten, praktikablen Weg für nichtbankliche Emittenten eröffnet. Falls der funktionale Zugang primär über Banken- und Treuhandstrukturen läuft, könnten Krypto-native Emittenten erst nachgelagert in den Markt kommen – während Finanzinstitute die Gatekeeper-Rollen bei Verwahrung, Reserveverwaltung, Prüfungen und Reporting besetzen.

Für den Stablecoin-Sektor, der im Gesetzeskontext mit rund 292,38 Milliarden US-Dollar beziffert wird und in dem USDT und USDC den größten Anteil nach Dominanz ausmachen, setzt Taiwan damit einen klaren Rahmen: Wer Stablecoins im Land ausgeben oder darüber Dienstleistungen anbieten will, muss den Nachweis liefern, dass Reserven, Rücknahme und Compliance nicht nur versprochen, sondern regulatorisch überprüfbar organisiert sind. Bitcoin rutscht zurück in extreme Angst.

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