Swift setzt auf Blockchain – und Ripple steht vor einer strategischen Weggabelung

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Beitragsbild: KI-generiert

Mit der Einführung eines eigenen Blockchain-Ledgers rückt Swift Ripple und die XRP Ledger-Strategie in ein neues Licht. Kritiker fordern einen Kurswechsel, während Ripple auf Sidechains, Stablecoins und Tokenisierung setzt.


Swift macht ernst mit Blockchain

Auf der Sibos 2025 in Frankfurt kündigte Swift an, künftig ein blockchain-basiertes Shared Ledger in seine Kerninfrastruktur einzubetten. Damit will das Konsortium grenzüberschreitende Zahlungen künftig nahezu in Echtzeit abwickeln und die Ergebnisse von zwei Jahren Tokenisierungs-Piloten in ein skalierbares Modell überführen.

Die Botschaft ist klar: Swift ersetzt sein bestehendes System nicht, sondern erweitert es um Blockchain-Funktionalität. Das macht die Messaging-Plattform für Banken noch relevanter – und gleichzeitig stellt es die Existenzberechtigung von Ripple und dem XRP Ledger in Frage.


Kritik: „Make XRP Great Again“

Kaum war die Meldung draußen, meldete sich Bob Ras von CoreNest Capital auf X zu Wort. Seine Botschaft war scharf: Ripple habe jahrelang versucht, Swift zu verdrängen – und nun habe Swift einfach selbst Blockchain integriert.

„Ripple hat alles versucht: Cross-Border Payments, dann NFTs, dann Tokenisierung, jetzt Stablecoins. Aber das Kernproblem ist XRPL selbst. Ohne Smart Contracts ist es für Entwickler unattraktiv,“ so Ras.

Er ging noch weiter: „Derzeit bietet XRP keine Utility jenseits einfacher Wertübertragungen. Das können alle Tokens. Ripple muss dringend einen Pivot wagen, wenn es relevant bleiben will. MAKE XRP GREAT AGAIN!“


Besonders brisant: Parallel gratulierte Chainlink öffentlich zu Swifts Schritt – und erinnerte an die bestehende Zusammenarbeit. Schon seit 2023 laufen Interoperabilitäts-Tests zwischen Swifts Messaging-Schicht und Chainlinks CCIP-Protokoll, das als Brücke zwischen Banken, öffentlichen und privaten Chains dient.

Das verstärkte eine alte Debatte: Welcher Token profitiert? Kritiker wie Dave Weisberger stellten provokant die Frage, warum XRP eine Marktkapitalisierung hat, die mehr als zehnmal so hoch ist wie die von Chainlink, obwohl Swift bereits mit Chainlink kooperiert – und Tokenhalter hier potenziell direkt vom Revenue profitieren könnten.

Die Gegenargumente aus der Community bezogen sich auf XRPs hohe On-Chain-Volumina. Doch Kritiker hielten dagegen: Hohe Transaktionszahlen bedeuten nicht automatisch, dass Wert beim Token selbst ankommt.


XRP Ledger: Zu unflexibel für Entwickler?

Ras’ zentrale Kritik – XRPL sei unattraktiv, weil es keine Smart Contracts biete – hat historische Basis. Ripple setzte von Beginn an auf deterministische Primitive: Zahlungen, DEX-Funktionen, später NFTs (XLS-20). Eine Turing-komplette VM gab es nie.

Doch die Situation ist nicht so schwarz-weiß, wie Ras sie zeichnet:

  • Mit Hooks existiert ein Vorschlag für leichtgewichtige On-Ledger-Programmierung.
  • Seit Juni 2025 läuft zudem eine XRPL EVM Sidechain auf Mainnet, verbunden über die Axelar-Brücke. Damit stehen Entwicklern Ethereum-kompatible Smart Contracts zur Verfügung – wenn auch nicht direkt auf dem L1.

Das bedeutet: Ripple erweitert seine Reichweite, allerdings eher über Sidechains und Interoperabilität als durch eine radikale Veränderung des XRPL-Kerns.


Ripple setzt auf Tokenisierung und Stablecoins

Parallel dazu verfolgt Ripple eine deutliche Strategie-Breitstellung. Mit RLUSD, dem unter NYDFS-Lizenz ausgegebenen USD-Stablecoin, adressiert das Unternehmen seit 2024 institutionelle Partner. Zudem hat Ripple mit der Übernahme des Prime Brokers Hidden Road 2025 seine Rolle im institutionellen Handel ausgebaut.

Zusammen mit Tokenisierungs-Initiativen (z. B. mit Franklin Templeton und DBS) deutet alles darauf hin, dass Ripple nicht nur reiner Zahlungsabwickler sein will, sondern Infrastruktur für Tokenisierung, Liquidität und Treasury-Management aufbaut.


Konkurrenz oder Ergänzung?

Die entscheidende Frage lautet: Kommen Banken künftig direkt über Swift-Blockchains und Chainlink-Oracles an Tokenisierung und Settlement – oder nutzen sie dafür Ripple und XRPL?

  • Pro Ripple: RLUSD und XRPL können als neutrale Settlement-Layer punkten, insbesondere, wenn regulatorische Klarheit weiter wächst.
  • Pro Chainlink/Swift: Banken bleiben in vertrauten Infrastrukturen, setzen auf Standards und Oracles, ohne auf XRP angewiesen zu sein.

Damit hängt der Investment-Case von XRP immer stärker davon ab, ob Ripple Utility jenseits von reinen Wallet-Transfers schafft – und ob Entwickler sowie Institutionen die Sidechains und Stablecoin-Angebote tatsächlich annehmen.

Swift hat mit seiner Blockchain-Integration den Spieß umgedreht: Statt von Ripple ersetzt zu werden, bringt es selbst Blockchain-Funktionalität ins Spiel – und bindet Partner wie Chainlink ein.

Ripple steht damit strategisch unter Zugzwang. Will XRP als Asset relevant bleiben, braucht es mehr programmierbare Utility, echte Use Cases und institutionelle Adoption jenseits der Vision, „das neue Swift“ zu sein.

Ob Ripple das schafft, entscheidet darüber, ob XRP künftig nur ein weiteres Zahlungs-Token bleibt – oder ob es sich tatsächlich in der neuen Finanzinfrastruktur verankern kann.

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