Strategy hat ein neues „Digital Credit Capital Framework“ vorgestellt und damit seine Finanzierung rund um die Bitcoin-Treasury auf ein klareres Fundament gestellt. Kernstück ist eine Dollar-Reserve von 2,55 Milliarden US-Dollar, die nach Unternehmensangaben etwa 17,4 Monate der jährlichen Vorzugsdividenden- und Zinsverpflichtungen von rund 1,76 Milliarden US-Dollar abdecken soll. Parallel fällt Bitcoin erneut unter 60.000 US-Dollar – und genau diese Marke bleibt für die Marktstimmung derzeit zentral.
2,55 Milliarden Dollar Reserve – und ein Ventil über Bitcoin-Verkäufe
Mit dem neuen Rahmenwerk will Strategy verhindern, unter Druck zu geraten, wenn sich die Kapitalmarktkonditionen verschlechtern oder Bitcoin schwächelt. Die vom Vorstand vorgegebene Mindestvorgabe lautet: mindestens 12 Monate Deckung der Verpflichtungen durch Reservebestände. Die nun ausgewiesenen 2,55 Milliarden US-Dollar liegen darüber.
Zu den Instrumenten gehört auch ein vom Vorstand autorisiertes BTC-Monetarisierungsprogramm. Es erlaubt Bitcoin-Verkäufe von bis zu 1,25 Milliarden US-Dollar, um die Dollar-Reserve wiederaufzubauen, Vorzugsdividenden und Zinsen zu bedienen sowie Rückkaufprogramme zu finanzieren. Strategy hält aktuell 847.363 BTC; der aggregierte Kaufpreis der Bestände liegt bei 64,1 Milliarden US-Dollar. Als Referenz nennt das Umfeld einen Bitcoin-Preis von rund 60.000 US-Dollar.
STRC-Dividende steigt auf 12 Prozent – Parameter werden monatlich geprüft
Auch bei der STRC-Vorzugsaktie justiert Strategy nach: Die Dividende steigt von 11,5 auf 12 Prozent und gilt für Stichtage nach dem 1. Juli. Gleichzeitig kündigt das Unternehmen an, Dividende und weitere Rahmenparameter monatlich zu überprüfen – unter anderem anhand von Handelsniveaus, Credit Spreads, Bitcoin-Preis, Volatilität und der Reserveabdeckung.
Wie sensibel der Markt auf die Struktur reagiert, zeigt der Handel: MSTR lag im vorbörslichen Handel bei etwa plus 6 Prozent, STRC stieg auf rund 81 US-Dollar. Research-Analystin Lacie Zhang (Bitget Wallet) ordnet die Lage als strukturell ein: STRC-Halter hätten gesehen, dass das Papier zeitweise rund 25 Prozent unter dem Nennwert von 100 US-Dollar gehandelt wurde. Zudem stünden laut ihrer Einordnung etwa 904 Millionen US-Dollar jährlichen Verpflichtungen nur rund 150 Millionen US-Dollar operativer Cashflow aus dem Softwaregeschäft gegenüber.
Bitcoin unter 60.000: Zuflüsse zu Börsen und ETF-Abflüsse verschärfen den Druck
Während Strategy Stabilität demonstriert, bleibt der Kryptomarkt nervös. Nach Daten von CryptoQuant wurden in den Tagen vor dem Bruch unter 60.000 US-Dollar mehr als 550.000 BTC in Richtung von Binance- und OKX-verbundenen Deposit-Adressen bewegt. Nach dem Bruch flossen demnach über 220.000 BTC in Binance-verbundene und über 330.000 BTC in OKX-verbundene Deposit-Adressen. Zum Vergleich: Die Jahresdurchschnitte liegen laut CryptoQuant bei etwa 60.000 BTC (Binance) und 95.000 BTC (OKX). Solche Transfers bringen Coins näher an Handelsplätze – dort, wo Verkäufe tatsächlich stattfinden können.
Zusätzlich belasten Abflüsse aus Spot-Bitcoin-ETFs: Glassnode weist für den vergangenen Monat einen Rückgang um rund 71.600 BTC aus, während digitale Asset-Trusts im selben Zeitraum etwa 7.500 BTC hinzufügten. Unter dem Strich ergibt sich ein um neue Emission bereinigter institutioneller Nettokapitalfluss von rund minus 77.000 BTC.
Am Optionsmarkt konzentriert sich die Absicherung für den Juli-Verfall auf 55.000 bis 58.000 US-Dollar. Auf Deribit lagen rund 1,2 Milliarden US-Dollar Open Interest bei den Strikes 55.000 und 50.000 US-Dollar. Ein Zurückerobern der 60.000-Dollar-Marke würde laut Marktbeobachtung Hedging-Positionen unter Druck setzen und eine Erholung stützen. Bleibt Bitcoin darunter, rückt die Zone 55.000 bis 58.000 US-Dollar als nächster Test in den Vordergrund.
Entscheidend ist nun, ob Käufer nicht nur kurzfristig zurückkehren, sondern stark genug, um die zuletzt erhöhten, börsennahen Zuflüsse und die ETF-Abflüsse zu überkompensieren. Solange Bitcoin 60.000 US-Dollar nicht zurückerobert und hält, bleibt die Belastung durch verkaufsfähiges Angebot am Markt das bestimmende Risiko – trotz langfristiger Szenarien wie der Bitcoin-Prognose von Cathie Wood (1.250.000 bis 2030).