Solana-Mitgründer Anatoly Yakovenko warnt: Die größte Gefahr für „post-quanten-sichere“ Kryptografie könnte am Ende nicht von Quantencomputern kommen, sondern von Künstlicher Intelligenz. Seine Aussage bringt neuen Druck in Solanas aktuelle Pläne, sich frühzeitig auf eine Zeit nach klassischen Signaturen vorzubereiten, vor allem mit dem Verfahren Falcon.
Yakovenko: KI könnte Post-Quantum-Signaturen knacken
Auf X reagierte Yakovenko auf Beiträge aus der Solana-Entwicklerszene. Dort ging es um Fortschritte bei einer Falcon-Implementierung: Laut Entwickler Dean Little kostet das Verifizieren in Solana aktuell nur noch rund 173.000 bis 183.000 Compute Units, weitere Prüfungen und Nachweise sollen folgen.
Yakovenko nahm den Faden auf, ging aber schnell über reine Performance-Fragen hinaus. Sein Kernpunkt: Selbst wenn Quantencomputer noch Jahre entfernt sind, könnte KI deutlich früher Schwachstellen in neuen Signaturverfahren finden. Dabei gehe es nicht nur um Mathematik, sondern auch um typische Implementierungsfehler, die in der Praxis passieren, wenn neue Kryptosysteme in Wallets, Apps und Blockchain-Software eingebaut werden.
Wörtlich schrieb er sinngemäß, das größte Risiko sei, dass Post-Quantum-Signaturen durch KI „gebrochen“ werden könnten. Man kenne noch nicht einmal alle Stolperfallen in der Umsetzung, geschweige denn alle Risiken in den zugrunde liegenden Annahmen. Deshalb plädiert er für zusätzliche Absicherung statt einer einzigen neuen „Wunderlösung“.
Solanas Ansatz: Falcon, Migration und mehrstufige Sicherheit
Solana hat zuletzt öffentlich betont, dass Quantencomputer zwar eine reale Bedrohung werden könnten, aber eher in einigen Jahren. Die Plattform sieht sich trotzdem vorbereitet: Der Plan besteht aus laufender Forschung, der möglichen Einführung eines post-quanten-sicheren Schemas für neue Wallets und einer späteren Migration bestehender Wallets.
In der Forschung läuft derzeit vieles auf Falcon hinaus. Zwei wichtige Solana-Teams, Anza und Firedancer, kommen unabhängig voneinander zu dem Schluss, dass Falcon wegen seines vergleichsweise kompakten Signaturformats gut zu einer schnellen Blockchain passt. Erste Implementierungen existieren bereits in den Repositories beider Teams. Solana geht davon aus, dass ein Wechsel machbar wäre, ohne das Netzwerk spürbar auszubremsen.
Yakovenko widerspricht dieser Roadmap nicht direkt, aber er verschiebt den Fokus. Für ihn ist die Frage nicht nur, ob Solana „auf Falcon umstellen kann“, sondern wie man verhindert, dass die gesamte Sicherheitsarchitektur von einem einzigen Verfahren abhängt. Er bringt daher eine Art „Defense in Depth“ ins Spiel: Wallets oder die Transaktionsverarbeitung könnten so gebaut werden, dass mehrere verschiedene Signaturverfahren parallel unterstützt werden.
Warum „2 von 3 Signaturen“ für Wallets wichtig sein könnte
Yakovenko schlägt konkret vor, auf mehrere Signatur-Schemata zu setzen und im Zweifel eine Art Mehrheitsprinzip zu verwenden, etwa „2 von 3“ unterschiedliche Signaturen. Die Idee dahinter: Selbst wenn ein Verfahren später Schwächen zeigt, bleibt das Gesamtsystem schwerer angreifbar, weil ein Angreifer mehrere kryptografische Hürden gleichzeitig überwinden müsste.
Curve-Gründer Michael Egorov brachte in der Diskussion „formale Verifikation“ ins Spiel, also mathematisch strenge Beweise dafür, dass Implementierungen bestimmte Eigenschaften erfüllen. Yakovenko reagierte zurückhaltend: Solche Methoden helfen nur dann, wenn man genau weiß, welche Eigenschaften man beweisen muss. Und genau da sieht er das Problem, weil mögliche Fehlerquellen und Angriffswege bei neuen Post-Quantum-Verfahren noch nicht vollständig verstanden sind, besonders in einer Welt mit immer besseren KI-Tools.
Zum Zeitpunkt der Diskussion lag der SOL-Kurs bei 84,03 US-Dollar.