Saylor warnt vor BIP-110-Machtprobe bei Bitcoin

Saylor warnt vor BIP-110-Machtprobe bei Bitcoin
Saylor warnt vor BIP-110-Machtprobe bei Bitcoin (BitcoinBasis.de | Image GPT - KI generiert)

Michael Saylor mischt sich in die Debatte um Bitcoin BIP-110 ein – und das in einem kritischen Moment. Während die Unterstützung der Miner laut aktuellem Monitoring bei nur 0,89 % liegt, ist die laufende Schwierigkeitsperiode rechnerisch bereits nicht mehr in der Lage, die Schwelle für ein frühes Lock-in zu erreichen. Damit bleibt den Minern nur noch ein reguläres Zeitfenster, um eine spätere Zwangssignalisierung zu vermeiden.

Saylor warnt vor riskantem Eingriff in den Bitcoin-Konsens

Der Strategy-Verwaltungsratschef Michael Saylor hat sich mit einem umfangreichen Argumentationspapier gegen BIP-110 positioniert. Zwar teile er das Ziel der Befürworter, das Netzwerk zu schützen, doch aus seiner Sicht sei die vorgeschlagene Lösung gefährlicher als das eigentliche Problem.

BIP-110 sieht eine auf ein Jahr befristete Soft Fork vor, die bestimmte Formen von beliebigen Daten und Skript-Nutzungen auf Konsensebene einschränken würde. Unterstützer argumentieren, damit lasse sich Missbrauch bei der Datenspeicherung begrenzen und die Belastung für Nodes reduzieren. Kritiker warnen jedoch, dass die Maßnahme einen heiklen Präzedenzfall schaffen könnte, weil sie aktuell gültige und gebührenzahlende Transaktionen nachträglich ablehnen würde.

Saylor plädiert stattdessen für neutrale Regeln auf der Basisschicht, harte Konsensprinzipien, offene Märkte und erlaubnisfreie Innovation. Sein politisches und institutionelles Gewicht erhöht zwar die Aufmerksamkeit für den Streit, verleiht ihm aber keine besondere Macht über den Bitcoin-Konsens. Entscheidend bleibt, wie sich Miner, Node-Betreiber und wirtschaftlich relevante Akteure wie Börsen und Wallet-Anbieter verhalten.

Nur noch eine reguläre Chance für ein Lock-in

Nach den aktuellen Daten wurden bis zum 20. Juli um 06:07 UTC 11 signalisierende Blöcke unter 1.236 erfassten Blöcken gezählt. Damit ist klar: In der laufenden Periode kann die notwendige Schwelle von 1.109 Signalen nicht mehr erreicht werden. Selbst wenn alle verbleibenden Blöcke signalisieren würden, käme die Periode nur auf 791 Signale.

Somit bleibt nur noch die nächste 2.016-Block-Periode – die Blockhöhen 959.616 bis 961.631 – als letzte reguläre Gelegenheit, BIP-110 auf normalem Weg zu aktivieren. Dafür wären erneut 1.109 signalisierende Blöcke nötig, also rund 55 % Zustimmung.

Falls auch dieses Fenster scheitert, würde laut dem BIP ein anderes Verfahren greifen: Nodes, die BIP-110 durchsetzen, verlangen dann im Bereich der Blockhöhen 961.632 bis 963.647 zwingend das entsprechende Signalbit und lehnen Blöcke ohne dieses Bit ab. Nach aktuellem Tempo würde dieses Zeitfenster ungefähr vom 8. bis 22. August laufen. Ein erzwungenes Lock-in würde bei Blockhöhe 963.648 eintreten, die Aktivierung auf dem spätesten Pfad dann bei 965.664, also voraussichtlich Anfang September. Die genauen Termine können sich aber mit der tatsächlichen Blockproduktion verschieben.

Chain-Split bleibt das größte Risiko

Ohne breite Unterstützung großer Mining-Pools steigt das Risiko einer Aufspaltung der Bitcoin-Blockchain. Nodes, die BIP-110 erzwingen, könnten Blöcke ablehnen, die von anderen Nodes weiterhin akzeptiert werden. In so einem Fall müssten Börsen, Zahlungsdienstleister und andere Unternehmen entscheiden, welche Kette sie für Ein- und Auszahlungen sowie Bestätigungen anerkennen.

Für Mining-Pools stellt sich daher jetzt die Frage, welche Seite sie unterstützen. Wallet-Entwickler müssen prüfen, ob Taproot- oder Miniscript-Pfade betroffen sind, und Node-Betreiber müssen entscheiden, ob sie BIP-110 überhaupt durchsetzen wollen.

Ein dauerhafter Split ist allerdings nicht zwangsläufig. Möglich wäre auch, dass sich Miner koordinieren, dass die tatsächliche Durchsetzung begrenzt bleibt oder dass sich der Markt am Ende auf eine gemeinsame Kette einigt. Wichtig ist außerdem: Fehlende Signalisierung bedeutet nicht automatisch Ablehnung. Das gesetzte Versionsbit zeigt nur sichtbare Unterstützung – nicht die Gründe für das Schweigen eines Miners.

Die geplanten temporären Regeln von BIP-110 würden nach einer Aktivierung für 52.416 Blöcke gelten, also ungefähr ein Jahr. Ausgenommen wären Eingaben, die UTXOs ausgeben, welche bereits vor der Aktivierung entstanden sind.

Mit Saylors Einstieg bekommt die Debatte nun deutlich mehr Aufmerksamkeit. Ob das den weiteren Verlauf verändert, hängt aber weniger von prominenten Wortmeldungen ab als von klarer Unterstützung der Pools, den Entscheidungen der Node-Betreiber und der Vorbereitung von Börsen und Wallet-Anbietern.

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