Bitcoin wackelt trotz ETF-Zuflüssen Marke 57.000 im Fokus

Bitcoin wackelt trotz ETF-Zuflüssen Marke 57.000 im Fokus
Bitcoin wackelt trotz ETF-Zuflüssen Marke 57.000 im Fokus (BitcoinBasis.de | Image GPT - KI generiert)

Bei Bitcoin hellt sich die Stimmung zwar leicht auf, doch die Erholung steht auf wackligen Beinen. Zwar verzeichnen die US-Spot-ETFs wieder Zuflüsse, gleichzeitig zieht jedoch Liquidität aus dem Kryptomarkt ab. Vor allem sinkende Stablecoin-Reserven auf großen Börsen und neue geopolitische Spannungen rund um die Straße von Hormus erhöhen das Risiko, dass der Kurs unter Druck gerät. Damit rückt auch der Bereich um 57.000 US-Dollar als kritische Marke stärker in den Fokus.

ETF-Zuflüsse helfen Bitcoin – aber das Fundament bleibt schwach

Bitcoin konnte sich zuletzt im Bereich von 64.000 bis 65.000 US-Dollar stabilisieren. Ein wichtiger Grund dafür sind wieder positive Kapitalflüsse in die in den USA gelisteten Spot-Bitcoin-ETFs. Nach acht Wochen mit teils massiven Abflüssen gab es zuletzt zwei Wochen in Folge frisches Geld.

In der Woche vom 13. bis 17. Juli flossen laut SoSoValue rund 75,7 Millionen US-Dollar in die Produkte, nachdem es in der Vorwoche bereits 197,4 Millionen US-Dollar gewesen waren. Zusammen ergibt das etwa 273 Millionen US-Dollar. Das klingt zunächst positiv, relativiert sich aber beim Blick auf die vorherigen Verluste: In den acht Wochen davor waren mehr als 8 Milliarden US-Dollar aus den ETFs abgezogen worden.

Hinzu kommt, dass die jüngste Erholung bei den ETF-Zuflüssen stark von BlackRock getragen wurde. Dessen iShares Bitcoin Trust sammelte allein in der vergangenen Woche rund 204 Millionen US-Dollar ein. Andere Anbieter verzeichneten dagegen teils weiter Abflüsse. Das zeigt: Die Nachfrage ist bisher noch nicht breit genug, um von einer echten Trendwende zu sprechen.

Marktbeobachter werten die jüngsten Zuflüsse dennoch als Zeichen dafür, dass der Verkaufsdruck nachlässt. Für einen nachhaltigen Ausbruch nach oben müsste aber deutlich mehr Kapital in den Markt kommen – und zwar nicht nur über einen einzelnen Fonds.

Stablecoin-Abflüsse und Ölpreisschock belasten den Markt

Während ETF-Anleger vorsichtig zurückkehren, zeigt sich auf der Liquiditätsseite ein gegenteiliger Trend. Auf den großen Kryptobörsen sind die Stablecoin-Reserven in den vergangenen 30 Tagen deutlich gesunken. Bei Binance gingen laut CryptoQuant rund 1,55 Milliarden US-Dollar zurück, bei Bybit weitere 786 Millionen US-Dollar. Zusammen entspricht das einem Rückgang von fast 2,3 Milliarden US-Dollar.

Stablecoins wie USDT oder USDC gelten im Kryptomarkt als wichtiges „Trockenpulver“. Sie liegen auf den Börsen bereit und können schnell in Bitcoin oder andere Coins umgeschichtet werden. Wenn diese Reserven schrumpfen, fehlt dem Markt Kaufkraft. Genau das könnte erklären, warum Bitcoin seit Monaten an der Zone zwischen 60.000 und 65.000 US-Dollar hängen bleibt.

Zusätzlich wächst der Druck von der Makroseite. Der Ölpreis ist zuletzt auf über 90 US-Dollar pro Barrel gestiegen, nachdem die Spannungen zwischen den USA und Iran den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus belastet haben. Diese Region ist für den weltweiten Energiehandel von zentraler Bedeutung. Reuters-Daten zufolge ging der Verkehr von Tankern dort bereits spürbar zurück.

Für Bitcoin ist das problematisch, weil ein steigender Ölpreis die Inflationssorgen wieder anheizen kann. Zuletzt hatten schwächere US-Inflationsdaten die Hoffnung gestützt, dass die US-Notenbank weniger restriktiv agieren könnte. Bleiben die Energiepreise jedoch hoch, könnte dieser Entlastungseffekt schnell verpuffen. Das wäre schlecht für risikoreiche Anlagen wie Kryptowährungen.

Warum die Marke von 57.000 US-Dollar jetzt so wichtig ist

Besonders heikel ist die Lage am Derivatemarkt. Dort haben sich laut Daten von Alphractal viele gehebelte Long-Positionen im Bereich von 55.000 bis 57.000 US-Dollar angesammelt. Fällt Bitcoin in diese Zone, könnten massenhaft Positionen liquidiert werden. Das würde zusätzlichen Verkaufsdruck auslösen und den Rückgang beschleunigen.

Auf der Oberseite liegen größere Liquiditätspools für Short-Positionen dagegen erst deutlich höher, nämlich im Bereich von 82.000 bis 84.000 US-Dollar. Das zeigt, dass das kurzfristige Risiko aktuell eher nach unten gerichtet ist – vor allem dann, wenn die Unterstützung um 60.000 US-Dollar bricht.

Trotzdem gibt es auch vorsichtig positive Signale. Einige Analysten verweisen auf Stimmungsindikatoren, die eine Verbesserung zeigen. Demnach könnte die Zone zwischen 60.000 und 65.000 US-Dollar weiterhin als tragfähige Unterstützung dienen. Entscheidend wäre allerdings ein klarer Ausbruch über 65.000 US-Dollar. Erst dann würde sich das Chartbild spürbar aufhellen.

Unterm Strich bleibt Bitcoin damit in einer angespannten Lage: ETF-Zuflüsse sorgen zwar für etwas Stabilität, doch die sinkende Stablecoin-Liquidität und der Druck von Makrofaktoren machen den Markt anfällig. Sollte kein breiteres frisches Kapital nachkommen, könnte die aktuelle Seitwärtsphase schnell in einen Test der 57.000-US-Dollar-Zone übergehen.

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