Bei Morgan Stanley kommt die Nachfrage nach dem hauseigenen Bitcoin-ETF offenbar zuerst von Anlegern, die ihre Entscheidungen selbst treffen. Das hat Amy Oldenburg, Leiterin der Digital-Asset-Strategie der Bank, in einem Podcast klargestellt. Damit korrigiert sie ein Bild, das in den ersten Wochen nach dem Start des Produkts teils anders dargestellt wurde.
Bitcoin-ETF: Anfangs kamen die Zuflüsse nicht über Berater
Im Gespräch im „Crypto Prime“-Podcast (Folge vom 20. Mai) erklärte Oldenburg, dass die frühen ETF-Zuflüsse „komplett selbstgesteuert“ gewesen seien. Gemeint ist: Viele Käufer nutzten Plattformen, auf denen sie ohne direkte Beratung handeln, statt dass Morgan-Stanley-Berater aktiv Bitcoin im Kundendepot platzierten.
Oldenburg sagte auch, sie habe Berichte gesehen, die nahelegten, Morgan Stanleys Finanzberater hätten vor allem das eigene Produkt genutzt. Das treffe so nicht zu, betonte sie. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil Morgan Stanley als große Vermögensverwaltungsplattform genau beobachtet wird: Wenn dort Bitcoin ankommt, gilt das als Signal, wie schnell Krypto in klassischen Portfolios „normal“ werden könnte.
MSBT wächst schnell, doch die Berater-Plattform bleibt offen
Morgan Stanley Investment Management hatte im Januar Anträge für drei Krypto-ETFs gestellt, unter anderem für Bitcoin, Ethereum und Solana. Der Bitcoin-ETF mit dem Ticker MSBT startete Anfang April. Laut Podcast-Host Nate Geraci näherte sich das Produkt nach rund anderthalb Monaten bereits 300 Millionen US-Dollar verwaltetem Vermögen und gehörte damit zu den auffälligeren ETF-Neustarts des Jahres.
Oldenburg stellte klar: Morgan-Stanley-Berater dürfen MSBT nutzen, aber sie sind nicht darauf festgelegt. Die Bank arbeite mit einer offenen Plattform, auf der auch andere Bitcoin-ETFs angeboten werden. Am Ende müssten Berater im Sinne ihrer Treuepflicht entscheiden, was für den jeweiligen Kunden am besten passt.
Die ersten Käufe kamen laut Oldenburg stattdessen vor allem aus „Self-Directed“-Kanälen. Sie nannte dabei unter anderem Bank-Plattformen und E*Trade. Das deutet darauf hin, dass zunächst vor allem Anleger zugriffen, die sich mit Bitcoin und eigenen Allokationsentscheidungen bereits wohlfühlen, statt dass es eine breite, beratergetriebene Welle innerhalb der Vermögensverwaltung gab.
Kostenfokus und überraschend viel Interesse an „In-Kind“-Transfers
Oldenburg ordnete die Entwicklung in eine „kundengetriebene“ Strategie ein: Morgan Stanley bringe in der Regel keine Produkte auf den Markt, nach denen Kunden nicht aktiv fragen. Dazu passt auch der Blick auf die Gebühren. Für MSBT nannte sie eine Managementgebühr von 14 Basispunkten. Bei direktem Spot-Krypto-Handel über E*Trade liege die Bepreisung bei 50 Basispunkten pro Transaktion.
Außerdem berichtete Oldenburg von „ziemlich großem“ Interesse an sogenannten In-Kind-Transaktionen. Dabei bringen Anleger vorhandene Kryptowährungen in eine ETF-Struktur ein, statt nur mit Bargeld zu kaufen. Das habe sie überrascht und könne zeigen, dass manche Investoren zwar Krypto halten wollen, aber gleichzeitig den Komfort klassischer Finanzdienstleistungen schätzen, etwa bei Nachlassplanung, Krediten oder dem Zugang zu weiteren Bank-Services.
Zum Zeitpunkt der Aussagen lag der Bitcoin-Kurs laut Artikel bei rund 77.249 US-Dollar.