MiCA-Stichtag: 70-Prozent-Binance-Abflüsse in Wallets

MiCA-Stichtag: 70-Prozent-Binance-Abflüsse in Wallets
MiCA-Stichtag: 70-Prozent-Binance-Abflüsse in Wallets (BitcoinBasis.de | Image GPT - KI generiert)

Nach dem MiCA-Stichtag haben offenbar die meisten EU-Nutzer von Binance ihre abgezogenen Kryptowerte nicht zu anderen regulierten Börsen verschoben, sondern in die eigene Verwahrung überführt. Laut Binance gingen bis zu 70 Prozent der Abflüsse nach dem 1. Juli an Wallets, die von den Nutzern selbst kontrolliert werden. Nur rund 30 Prozent sollen bei Anbietern gelandet sein, die bereits unter dem neuen EU-Regelwerk MiCA zugelassen sind.

Binance nennt hohe Quote für Self-Custody

Die Zahlen stammen von Binance-Co-CEO Richard Teng. Eine unabhängige Prüfung gibt es bisher nicht. Außerdem fehlen wichtige Details, etwa zum genauen Vermögenswert der Abflüsse, zur Zahl der betroffenen Nutzer, zum betrachteten Zeitraum und zur Methode, mit der Binance die Zieladressen eingeordnet hat.

Trotzdem ist die Aussage bemerkenswert: MiCA hat den Abzug von Binance aus Teilen des EU-Marktes zwar erzwungen, aber viele Nutzer offenbar nicht direkt zu regulierten Konkurrenten geleitet. Stattdessen entschieden sich viele dafür, ihre Coins selbst zu halten.

Das ist kein Widerspruch zur MiCA-Logik. Die europäische Aufsichtsbehörde ESMA hatte Firmen ohne Zulassung angewiesen, zum Ende der Übergangsfrist am 1. Juli geordnete Abwicklungspläne umzusetzen. Dabei galten sowohl die Übertragung an einen autorisierten Krypto-Dienstleister als auch die Auszahlung an eine selbstverwaltete Wallet als zulässige Wege.

MiCA kann Plattformen bremsen, aber keine Wallet-Entscheidung erzwingen

Genau hier zeigt sich eine wichtige Grenze der Regulierung: MiCA kann nicht vorschreiben, dass Nutzer ihre Vermögenswerte bei einer anderen regulierten Börse lassen müssen. Das Regelwerk kann nur verhindern, dass nicht autorisierte Anbieter EU-Kunden weiter bedienen. Wohin die Nutzer ihr Geld danach senden, bleibt ihre Entscheidung.

Für viele Anleger hat Self-Custody klare Vorteile. Wer die eigenen Private Keys kontrolliert, ist nicht mehr von der Börse als Verwahrstelle abhängig. Gleichzeitig trägt der Nutzer aber auch mehr Verantwortung. Sicherheit, Backup, Wiederherstellung und der korrekte Versand von Transaktionen liegen dann vollständig in der eigenen Hand.

Binance arbeitet nach eigenen Angaben weiterhin an einem Weg zurück zu einer EU-Zulassung, nachdem das Unternehmen seinen Antrag in Griechenland zurückgezogen hatte. Selbst wenn eine spätere Genehmigung kommt, ändert das nichts an den Mittelbewegungen, die rund um den Stichtag bereits stattgefunden haben.

Regulierte Börsen konnten offenbar nicht die Mehrheit der Abflüsse abfangen

Vor dem MiCA-Stichtag hatten mehrere bereits lizenzierte Anbieter versucht, Binance-Nutzer mit Boni und Wechselanreizen zu gewinnen. Die von Binance genannte 30-Prozent-Quote für regulierte Zielplattformen deutet jedoch darauf hin, dass eine Zulassung allein vielen Nutzern nicht als Argument gereicht hat.

Für die Konkurrenz bedeutet das: Sie muss stärker über einfache Transfers, Liquidität, Produktangebot und Vertrauen punkten. Für Aufseher ergibt sich ein anderes Problem. Bislang stammen die wenigen bekannten Daten zum Nutzerverhalten ausgerechnet von dem Unternehmen, das den Markt verlassen musste.

Branchenweit standardisierte Abwicklungsberichte könnten künftig transparenter machen, wie viel Kapital nach einem Marktaustritt bei regulierten Anbietern landet, wie viel in selbstverwahrte Wallets fließt und ob es weitere relevante Zielkategorien gibt.

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