Während Bitcoin nahe dem niedrigsten Stand seit fast zwei Jahren notiert, zieht eine andere Kennzahl deutlich an: Das Volumen von Fusionen und Übernahmen (M&A) im Kryptosektor erreichte im zweiten Quartal 2026 laut CryptoRank 7,23 Milliarden US-Dollar.
Im ersten Quartal waren es 2,14 Milliarden US-Dollar. Damit flossen im ersten Halbjahr insgesamt 9,37 Milliarden US-Dollar in Deals. CryptoRank spricht von einem 26-fachen Anstieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Parallel dazu schrumpft der Arbeitsmarkt: Tiger-Research-Daten zeigen im Juni 2026 weltweit 2.932 aktive offene Stellen, in Nordamerika und Europa sank die Zahl der Jobangebote um rund 40%.
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Die Kombination aus schwacher Marktlage und gesunkenen Bewertungen erhöht den Verkaufsdruck, vor allem bei kleineren Anbietern. Gleichzeitig bleibt das Interesse an der Technologie hoch: Traditionelle Finanzakteure und gut kapitalisierte Krypto-Unternehmen kaufen Infrastruktur, die sich intern nur mit großem Zeitaufwand aufbauen ließe.
Als Treiber gilt zudem eine stabilisierende Regulierung in der EU und in den USA, die Übernahmen planbarer macht. In diesem Umfeld werden regulatorische Lizenzen zum strategischen Vorteil und damit zum zentralen Kaufargument.
Wie stark sich das Kräfteverhältnis verschoben hat, zeigt ein prominentes Medien- und Datengeschäft: Blockworks übernahm Messari für rund 10 Millionen US-Dollar. Messari war nach einer Kapitalrunde 2022 noch mit 300 Millionen US-Dollar bewertet worden und hatte vor dem Verkauf drei separate Personalabbauten seit 2023 durchlaufen.
Milliardendeals und neue Schwergewichte
Zu den großen Transaktionen zählt der Kauf der Stablecoin-Firma BVNK durch Mastercard für 1,8 Milliarden US-Dollar. Auch Asset-Manager bauen aus: Franklin Templeton, das 1,7 Billionen US-Dollar verwaltet, gründete eine eigene Digital-Asset-Sparte namens Franklin Crypto – nach der Übernahme von 250 Digital.
Mehrere Finanzhäuser und Marktinfrastruktur-Anbieter positionieren sich ebenfalls: Intercontinental Exchange unterstützte Polymarket finanziell, Citadel Securities investierte in den Broker-Anbieter Alpaca, und die Venture-Einheit von Standard Chartered finanzierte den Market Maker Keyrock. Gleichzeitig treten Blockchain-Netzwerke selbst als Käufer auf: Polygon übernahm Coinme und Sequence.
Auffällig ist, wohin das Geld nicht fließt. In den Mega-Runden des Quartals fehlten Pure-Play-DeFi-Protokolle und experimentelle Base-Layer-Blockchains. Stattdessen konzentriert sich Kapital auf regulierungsnahe Geschäftsmodelle und Infrastruktur mit direktem Nutzen für traditionelle Finanzmärkte.
Eine Ausnahme bleibt der Prediction-Market-Sektor: Kalshi verhandelt laut Bericht über eine Finanzierungsrunde, die das Unternehmen mit 40 Milliarden US-Dollar bewerten würde – zuvor lag die Bewertung bei 22 Milliarden US-Dollar. Zudem schloss Superstate eine Finanzierungsrunde über 82,5 Millionen US-Dollar ab.
Jobmarkt schrumpft, KI-Know-how wird zur Eintrittskarte
Der Arbeitsmarkt zeigt dagegen weiter auf Restrukturierung. Der Rückgang der Beschäftigung begann während des Marktabschwungs 2022 und beschleunigte sich nach dem Zusammenbruch von FTX. Zu den Unternehmen mit neuen Stellenkürzungen zählen Gemini, Coinbase, Kraken, Algorand, Crypto.com und die Ethereum Foundation. Coinbase bezeichnete seine Umstrukturierung als Übergang zu einem „AI-native“ Betriebsmodell.
Entsprechend verschiebt sich die Nachfrage: Der Anteil von Krypto-Stellenanzeigen mit Anforderungen an KI-Kenntnisse stieg von 23% Anfang 2025 auf über 53% bis März 2026. Inhaltlich dominieren technische Rollen: Rund 34% der aktiven Stellen entfallen laut Tiger Research auf Engineering-Positionen.
Rechts- und Compliance-Rollen machen rund 10% aus, bei zentralisierten Börsen liegt der Compliance-Anteil sogar bei 16% und damit mehr als doppelt so hoch wie Sales- und Business-Development-Rollen. Zentralisierte Börsen stellen nahezu ein Drittel aller offenen Positionen im Sektor.
Auch innerhalb einzelner Segmente zeigt sich Konzentration: Tether und Ripple verantworten zusammen mehr als 80% der offenen Stellen im Stablecoin- und Payments-Bereich.
Das passt zum M&A-Bild: In einem schwierigen Markt werden Personal und Wachstum eher gebremst, während Käufer mit Kapital gezielt Lizenzen, Daten, Vertrieb und Infrastruktur zu reduzierten Bewertungen einsammeln. Für die kommenden Quartale wird entscheidend, ob diese Konsolidierung weiter zunimmt – oder ob der Deal-Boom ohne spürbare Erholung am Arbeitsmarkt an seine Grenzen stößt.