Eine winzige Bitcoin-Transaktion mit großer Wirkung: Laut Analysten von JPMorgan hat der Verkauf von nur 32 Bitcoin durch Strategy (früher MicroStrategy) die Kryptomärkte verunsichert. Nicht wegen der Menge, sondern wegen des Signals. Anleger fragen sich nun stärker, ob das Unternehmen seine hohen Dividendenzahlungen langfristig stemmen kann, ohne weitere BTC aus dem Bestand zu verkaufen.
JPMorgan: Der „symbolische“ Verkauf hat den Markt aufgeschreckt
In einem Bericht mit dem Titel „Alternative Investments Outlook and Strategy“ schreiben JPMorgan-Analysten um Managing Director Nikolaos Panigirtzoglou, der jüngste Verkauf sei zwar „symbolisch und freiwillig“ gewesen. Er sollte zeigen, dass Strategy flexibel ist und sich seinen Vorzugsaktionären verpflichtet fühlt. Trotzdem habe der Schritt den Markt „aufgeschreckt“.
Der Grund: Für Bitcoin-Halter und für Investoren in Strategy-Wertpapiere rückt damit eine unangenehme Frage in den Vordergrund. Kann Strategy die Dividenden bedienen, ohne noch mehr Bitcoin verkaufen zu müssen? Selbst kleine Verkäufe werden damit Teil der Risiko-Rechnung, weil Strategy als größter Bitcoin-Treasury-Konzern weltweit wie ein Stimmungsbarometer für den gesamten Markt wirkt.
Zu wenig Cash-Puffer: Strategy soll Dollar-Reserven aufbauen
JPMorgan sieht vor allem den Cash-Puffer kritisch. Die aktuellen Dollar-Reserven von Strategy würden laut den Analysten nur für etwa 6,3 Monate reichen, um Dividendenauszahlungen zu decken. Aus ihrer Sicht ist das für viele Anleger zu knapp, gerade weil Strategy stark gehebelt ist, komplexe Vorzugsaktien-Strukturen nutzt und extrem vom Bitcoin-Preis abhängt.
Die Analysten formulieren es deutlich: Um Vertrauen zurückzugewinnen, müsse Strategy womöglich seine Dollar-Reserven wieder aufbauen. Das soll die Sorge reduzieren, dass künftig weitere Bitcoin verkauft werden, um Dividenden zu bezahlen.
Hintergrund: Strategy hatte im Dezember eine Dollar-Reserve von rund 1,44 Milliarden US-Dollar aufgebaut, um Dividenden auf Vorzugsaktien abzusichern und Zinsen auf Schulden zu bedienen. Gleichzeitig steht laut JPMorgan die Frage im Raum, wie Strategy jährliche Dividendenzahlungen von etwa 1,7 Milliarden US-Dollar langfristig finanzieren will, besonders falls Bitcoin weiter unter Druck bleibt.
Michael Saylor sendet derweil ein anderes Signal. Am Sonntag schrieb er auf X: „A good time to add more dots.“ Strategy hält aktuell 843.706 Bitcoin zu einem Durchschnittspreis von 75.699 US-Dollar. Bei Kursen um 62.000 US-Dollar entspricht das einem Buchverlust von rund 11,5 Milliarden US-Dollar.
Bank wird vorsichtiger bei Krypto: Gesetz und Kapitalflüsse als Schlüsselfaktoren
Trotz der Kritik erwartet JPMorgan nicht, dass Strategy seine Bitcoin-Strategie aufgibt. Im Gegenteil: Hält das Unternehmen sein bisheriges Tempo 2026, könnte es laut JPMorgan Bitcoin im Wert von rund 32 Milliarden US-Dollar kaufen, mehr als in der vorherigen Schätzung (30 Milliarden). Zum Vergleich: Für 2024 und 2025 veranschlagt die Bank jeweils etwa 22 Milliarden US-Dollar an Käufen.
Doch insgesamt ist JPMorgan bei Krypto vorsichtiger geworden. Noch im Februar war die Bank für 2026 „übergewichtet“ und positiv, weil man auf starke institutionelle Zuflüsse setzte. Jetzt verweisen die Analysten auf schwächere Kapitalflüsse und mehr Unsicherheit bei der Regulierung in den USA.
Für eine bessere zweite Jahreshälfte sieht JPMorgan zwei Bedingungen: Erstens müsse Strategy transparent machen, wie die Dividenden in Höhe von 1,7 Milliarden US-Dollar pro Jahr bezahlt werden sollen. Zweitens müsste der US-Kongress ein Marktstruktur-Gesetz für Krypto verabschieden, den sogenannten Clarity Act. JPMorgan schätzt die Chance dafür inzwischen auf unter 50 Prozent, unter anderem wegen der näher rückenden Zwischenwahlen und politischer Streitpunkte, etwa rund um Stablecoin-Renditen.
Zusätzlich verweist die Bank auf einen weiteren Warnhinweis: Bitcoin notierte dieses Jahr lange unter den geschätzten Produktionskosten. Diese Kosten galten historisch oft als eine Art „weicher Boden“ für den Kurs. JPMorgans zentrale Schätzung sank zunächst von 90.000 auf 77.000 US-Dollar, stieg später wieder auf etwa 87.000 US-Dollar. Bei Kursen um 62.000 US-Dollar sei das ein weiterer Grund für Zurückhaltung.
Auch die Zuflüsse in den Markt wirken schwächer: JPMorgan schätzt die Nettozuflüsse in digitale Assets bisher auf rund 22 Milliarden US-Dollar im laufenden Jahr. Hochgerechnet wären das etwa 52 Milliarden für das Gesamtjahr, ungefähr halb so viel wie 2025. In diese Rechnung fließen unter anderem Krypto-Fonds, CME-Futures-Positionierung, Venture-Capital-Finanzierungen und Treasury-Käufe von Unternehmen wie Strategy ein.
Trotzdem bleibt ein Lichtblick: Die Analysten halten die aktuelle Schwäche auch für ein mögliches Kontra-Signal, das später wieder bullisch wirken könnte. Entscheidend sei aber, ob Strategy die Dividendenfrage überzeugend klärt und ob die US-Regulierung vorankommt. Zum Zeitpunkt der Analyse lag Bitcoin bei rund 63.071 US-Dollar.