Bitcoin kommt nicht zur Ruhe. Nach dem schwachen Mai rückt jetzt vor allem die Marke von 70.000 US-Dollar in den Fokus. Fällt der Kurs darunter, könnte aus der bisherigen Korrektur schnell ein neuer Abverkauf werden.
Der Druck kommt nicht nur vom Spotmarkt. Auch der Derivatemarkt zeigt noch immer Spuren des heftigen Schocks aus dem vergangenen Oktober. Damals wurden rund 71.000 BTC aus dem offenen Interesse großer Börsen gespült. Der Gegenwert lag bei etwa 11 Milliarden US-Dollar. Bis heute ist diese Lücke nicht geschlossen.
Warum der Derivatemarkt weiter ein Warnsignal sendet
Das Open Interest liegt weiterhin mehr als 24.000 BTC unter dem Niveau vor dem damaligen Crash. Für Bitcoin ist das ein wichtiges Signal, denn es zeigt: Viele Trader sind noch nicht zurückgekehrt.
Das kann zwei Seiten haben. Weniger spekulative Hebelpositionen können den Markt stabiler machen, weil weniger Zwangsliquidationen drohen. Gleichzeitig zeigt die Zurückhaltung aber auch, dass das Vertrauen vieler Marktteilnehmer beschädigt bleibt. Genau das macht die aktuelle Lage so heikel.
Bitcoin schloss den Mai bei rund 73.560 US-Dollar und verlor damit 3,40 Prozent im Monatsvergleich. Für einen Markt, der auf eine klare Erholung gehofft hatte, ist das kein harmloser Rücksetzer. Es ist ein Zeichen dafür, dass Käufer bisher nicht stark genug auftreten, um die Stimmung nachhaltig zu drehen.
Diese Marken entscheiden jetzt über den nächsten Schlag
Der bekannte On-Chain-Analyst PlanB sieht die Lage kritisch. Aus seiner Sicht ist der Markt derzeit gespalten: War das Tief bei rund 60.000 US-Dollar im Februar bereits der Boden, oder folgt noch eine tiefere Korrektur?
Seine Daten sprechen eher für die zweite Variante. Entscheidend ist dabei, wie viele Bitcoin-Besitzer aktuell noch im Gewinn liegen. In früheren Bärenphasen entstanden große Böden meist erst dann, wenn nur noch ein kleiner Teil der Anleger im Plus war und der Markt von echter Kapitulation geprägt war.
Bitcoin closed May at $73,568
— PlanB (@100trillionUSD) June 1, 2026
Market is 50/50 on if Febryary $60k was the bottom, or the bear will continue.
IMO data is telling us that we have not seen bottom formation yet, and that there is a >50% probablility that we go lower (below 200wma $61k or realized price $53k). pic.twitter.com/4uxdxH5oGA
Genau dieses Bild fehlt bislang. Noch immer liegt ein vergleichsweise hoher Anteil der Bitcoin-Bestände im Gewinn. Für PlanB bedeutet das: Der Markt hat möglicherweise noch nicht den vollständigen Ausverkauf gesehen, der in früheren Zyklen oft den Boden markierte.
Besonders wichtig werden jetzt zwei langfristige Zonen. Die erste liegt bei der 200-Wochen-Linie um rund 61.000 US-Dollar. Diese Marke hat Bitcoin in früheren Schwächephasen häufig als entscheidende Unterstützung gedient. Darunter rückt der realisierte Preis bei etwa 53.000 US-Dollar in den Blick. Dieser Wert zeigt, zu welchem Durchschnittspreis die gesamte Bitcoin-Menge zuletzt bewegt wurde und gilt deshalb als tiefer Kostenbasis-Bereich des Marktes.
Unter 70.000 US-Dollar wird es gefährlich
Kurzfristig zählt jedoch vor allem eine Marke: 70.000 US-Dollar. Trader Ted Pillow warnt, dass ein Tagesschluss darunter eine neue Verkaufswelle auslösen könnte. Der Grund ist einfach: Diese Zone wurde zuletzt mehrfach verteidigt. Bricht sie, verlieren kurzfristige Käufer einen wichtigen Halt.
Hält Bitcoin die 70.000 US-Dollar, bleibt zumindest die Chance auf eine Stabilisierung bestehen. Dann könnten Käufer versuchen, den Markt zurück über die jüngsten Schwächezonen zu drücken. Fällt die Marke jedoch klar, wird der Blick schnell auf 61.000 US-Dollar gelenkt. Dort würde sich entscheiden, ob Bitcoin nur eine tiefere Bereinigung erlebt oder ob die Stimmung endgültig kippt.
Der Markt wirkt damit nicht wie ein sauberer Boden, sondern wie eine angespannte Zwischenphase. Der Derivatemarkt ist noch nicht vollständig geheilt, viele Trader bleiben vorsichtig, und wichtige On-Chain-Daten zeigen noch keine klassische Kapitulation. Genau deshalb zählt jetzt nicht die Hoffnung auf eine schnelle Erholung, sondern die Frage, ob Bitcoin die 70.000 US-Dollar verteidigen kann. Wenn diese Linie fällt, wird der nächste echte Stresstest kaum zu vermeiden sein.