Hashdex will bei seinem Nasdaq CME Crypto Index ETF (NCIQ) künftig einen Teil der gehaltenen Kryptowährungen für Staking einsetzen. Für Anleger ist dabei vor allem entscheidend, wie die Erträge verteilt werden: Zunächst fließen die ersten Netto-Staking-Einnahmen vollständig an Hashdex, erst danach werden die öffentlichen ETF-Anteilseigner beteiligt.
So funktioniert die Aufteilung der Staking-Erträge
Laut den jüngsten Unterlagen von Hashdex soll Coinbase Cloud als erster Staking-Dienstleister fungieren. Der Start des Stakings wurde für zeitnah angekündigt, sofern die operative Umsetzung bereit ist.
Das Modell ist klar gestaffelt: Zuerst behält der jeweilige Staking-Anbieter seinen Anteil an den Brutto-Erträgen ein. Danach erhält Hashdex die gesamten verbleibenden Netto-Staking-Einnahmen, bis ein jährlicher Schwellenwert erreicht ist. Dieser liegt bei 0,25 % des Nettoinventarwerts der Stammanteile.
Erst wenn die Netto-Erträge aus dem Staking über diese Marke hinausgehen, wird der zusätzliche Betrag aufgeteilt: 40 % gehen an Hashdex, 60 % an den Trust und damit indirekt an die Anleger des börsengehandelten NCIQ-ETF.
Wichtig ist: Bleiben die Netto-Staking-Erträge im Laufe eines Geschäftsjahres unterhalb dieser Schwelle, erhalten die normalen Anteilseigner nichts aus dem Staking. Der gesamte Betrag verbleibt dann bei Hashdex. Für ein angebrochenes Geschäftsjahr wird die Schwelle anteilig berechnet.
Ein Rechenbeispiel zeigt den Effekt für Anleger
Wie stark diese Struktur ins Gewicht fällt, zeigt ein einfaches Beispiel: Würden die Netto-Staking-Erträge nach Gebühren des Anbieters auf 1 % des NAV der Stammanteile kommen, gingen davon 0,25 Prozentpunkte komplett an Hashdex. Die verbleibenden 0,75 Prozentpunkte würden dann im Verhältnis 40 zu 60 aufgeteilt.
Am Ende würden die Anleger damit 0,45 % erhalten, während Hashdex insgesamt 0,55 % einstreicht. Das setzt sich aus den ersten 0,25 % plus 40 % des darüberliegenden Betrags zusammen.
Hinzu kommt: Diese Einnahmen aus dem sogenannten Sponsor Share sind separat von der jährlichen Managementgebühr von 0,25 %. Sie werden also nicht damit verrechnet, sondern kommen zusätzlich hinzu.
Je nach Coin fallen außerdem unterschiedliche Kosten beim Staking-Anbieter an. Auf der Produktseite von NCIQ nennt Hashdex aktuell 8 % Gebühr auf die Brutto-Staking-Erträge von Ether, 8 % Validator-Kommission bei Solana und 5 % bei Cardano.
Wie groß der Nutzen wirklich wird, ist noch offen
Per 26. Juli machten Ethereum 11,75 %, Solana 3,17 % und Cardano 0,49 % der NCIQ-Bestände aus. Zusammen entspricht das 15,41 % des Fonds. Das heißt allerdings nicht, dass dieser gesamte Anteil auch tatsächlich gestakt wird. Hashdex gibt als Zielspanne für das Staking lediglich 10 % bis 20 % des gesamten Fonds-NAV an.
Wie stark Anleger am Ende profitieren, hängt deshalb von mehreren Faktoren ab: Welche Assets Hashdex tatsächlich einsetzt, wie hoch der gestakte Anteil ist, wie attraktiv die Staking-Renditen der jeweiligen Netzwerke ausfallen und welche Gebühren die Anbieter abziehen.
Dazu kommen die üblichen Risiken des Stakings. Unbonding-Fristen können Kapital vorübergehend binden, Validator-Probleme oder Slashing können Erträge schmälern. Außerdem kann Staking die Rücknahme von ETF-Anteilen und das Rebalancing komplizierter machen. Dadurch könnte sich die Abweichung zwischen dem Nettoinventarwert des Fonds und seinem zugrunde liegenden Preisindex vergrößern.
Unterm Strich schafft Hashdex mit NCIQ ein Modell, bei dem Staking-Erträge zwar zusätzliches Potenzial bieten, der größte Teil der frühen Einnahmen aber zunächst beim Sponsor landet. Für Anleger lohnt sich deshalb ein genauer Blick darauf, ab wann Staking-Erträge tatsächlich bei ihnen ankommen – und wie viel davon am Ende übrig bleibt.