Ethereum steht erneut unter massivem Verkaufsdruck. Der Kurs ist unter die Marke von 1.600 Dollar gefallen und hat damit wichtige Unterstützungszonen verloren, die viele Anleger als letzte Verteidigungslinie betrachtet hatten. Auf den ersten Blick wirkt die Lage alarmierend. Doch ausgerechnet die On-Chain-Daten liefern jetzt ein Signal, das der aktuellen Panik widerspricht.
Eine Analyse von CryptoOnchain kommt zu einem überraschenden Ergebnis: Trotz des deutlichen Kursrückgangs befindet sich Ethereum laut Modell nicht in einer Kapitulations- oder Verteilungsphase. Stattdessen wird der Markt mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,6 Prozent als neutrale Akkumulationsphase eingestuft – ein Zustand, der in der Vergangenheit häufig vor einer Erholung auftrat.

Der Chart sendet Alarm, die Blockchain spricht von Akkumulation
Grundlage der Analyse ist ein vierstufiges Hidden-Markov-Modell, das auf 336 Tagen Ethereum-On-Chain-Daten basiert. Besonders auffällig: Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Marktzustand bestehen bleibt, liegt aktuell bei 88,7 Prozent.
Die Daten zeigen ein Marktumfeld, in dem Anleger zwar vorsichtig agieren, aber keine breite Flucht aus Ethereum stattfindet. Das Open Interest auf Binance ist auf 5,68 Milliarden Dollar gefallen und damit auf den niedrigsten Stand im gesamten untersuchten Datensatz. Das deutet darauf hin, dass gehebelte Positionen schrittweise abgebaut werden, ohne dass es zu einer panischen Liquidationswelle kommt.
Auch die Funding-Rate liegt mit 0,0087 Prozent nahezu neutral. Weder Bullen noch Bären zahlen derzeit nennenswerte Aufschläge, um ihre Positionen zu halten. Der Markt wirkt nicht aggressiv positioniert, sondern eher abwartend.
Diese Kennzahl entscheidet über die nächste Trendwende
Den entscheidenden Unterschied zwischen einer laufenden Akkumulationsphase und einer echten Erholung sieht CryptoOnchain beim sogenannten Coinbase Premium Gap.
Dieser Wert misst vereinfacht die Nachfrage US-amerikanischer Investoren. Aktuell liegt der Indikator bei minus 2,73 und damit deutlich unter dem Durchschnitt dieser Marktphase von minus 1,57. Während früherer Erholungsphasen lag der Wert dagegen durchschnittlich bei plus 0,99.
Genau hier liegt laut Analyse das größte Hindernis für eine nachhaltige Trendwende. Solange institutionelle Käufer aus den USA nicht stärker zurückkehren, fehlt dem Markt der notwendige Impuls für einen neuen Aufwärtstrend.
Die Experten sehen deshalb zwei Bedingungen für eine echte Erholung:
- Der Coinbase Premium Gap muss sich in Richtung Null oder in den positiven Bereich bewegen.
- Das Open Interest muss wieder steigen, ohne dass gleichzeitig die Finanzierungsraten stark anziehen.
Erst wenn beide Faktoren zusammentreffen, könnte Ethereum in eine neue Aufwärtsphase übergehen.
Warum die Zone um 1.600 Dollar jetzt alles entscheidet
Während die On-Chain-Daten Hoffnung machen, bleibt die technische Lage angespannt. Ethereum notiert aktuell im Bereich von 1.570 Dollar und hat innerhalb einer Woche mehr als 16 Prozent verloren.
Besonders kritisch ist der Bruch der Unterstützungszone zwischen 1.800 und 1.900 Dollar. Zusätzlich wurden die Februartiefs unterschritten, wodurch ein weiterer wichtiger Boden weggefallen ist.
Der Ethereum Kurs handelt inzwischen unter dem 50-, 100- und 200-Wochen-Durchschnitt. Damit zeigt der Chart auf nahezu allen relevanten Zeitebenen nach unten. Gleichzeitig hat das Handelsvolumen während des Rückgangs zugenommen, was auf aktiven Verkaufsdruck hindeutet.
Jetzt richtet sich der Fokus auf die Zone zwischen 1.500 und 1.600 Dollar. Kann Ethereum dort Stabilität aufbauen, könnte sich die aktuelle Akkumulationsphase bestätigen. Fällt auch dieser Bereich, rückt die frühere Konsolidierungszone zwischen 1.400 und 1.500 Dollar als nächstes Kursziel in den Fokus.
Für die Bullen bleibt die Aufgabe klar: Die Rückeroberung der Marke von 1.800 Dollar wäre das erste Signal dafür, dass die aktuelle Schwächephase tatsächlich nur eine Bereinigung und nicht der Beginn eines deutlich tieferen Abwärtstrends ist. Bis dahin entscheidet genau diese Zone darüber, ob Ethereum einen Boden bildet oder ob der Verkaufsdruck weiter zunimmt.
Auch interessant:
- Privatanleger investieren in Ethereum: Doch die Angst ist spürbar!
- Kompletter Guide: Ethereum kaufen