Nur vier Tage vor dem geplanten Start zieht Ethereum bei einem seiner wichtigsten Netzwerk-Upgrades die Notbremse. Die Entwickler haben die Aktivierung von Glamsterdam auf dem Hoodi-Testnetz verschoben, nachdem Bedenken zur Kompatibilität mit bestehenden Smart Contracts aufgekommen sind.
Das Wichtigste in Kürze
- Upgrade kurzfristig verschoben: Ethereum-Entwickler sagen den für den 26. Oktober geplanten Glamsterdam-Start auf dem Hoodi-Testnetz ab.
- Smart Contracts im Fokus: Die neuen Gas-Regeln von EIP-8037 könnten das Verhalten bestehender Anwendungen verändern. Sicherheitsforscher warnen vor möglichen Risiken.
- Mainnet-Termin weiter offen: Ein neuer Testnetz-Termin steht noch nicht fest. Ethereum handelt derweil bei rund 2.400 Dollar.
Auch die geplante Erhöhung des Block-Gas-Limits auf 200 Millionen fällt vorerst aus. Für Anleger stellt sich nun die Frage, ob dadurch auch der weitere Zeitplan für Ethereums Skalierung ins Wanken gerät.
Warum Ethereum Glamsterdam plötzlich verschiebt
Ursprünglich sollte Glamsterdam am 26. Oktober auf Hoodi aktiviert werden. Doch bei der Entwicklerkonferenz All Core Devs Execution am 22. Oktober fiel die Entscheidung zur Verschiebung.
Im Mittelpunkt steht EIP-8037. Die Änderung soll das Anlegen neuer Daten im Ethereum-Netzwerk stärker bepreisen, damit wachsende Blockchain-Datenbanken langfristig beherrschbar bleiben.
Das Problem: Manche bestehende Smart Contracts verlassen sich auf bestimmte Annahmen darüber, wie viel Gas während einer Transaktion verfügbar ist.
Ändern sich diese Regeln, könnten einzelne Anwendungen anders reagieren als vorgesehen.
Sicherheitsforscher von ChainSecurity haben auf mögliche problematische Abläufe hingewiesen. In bestimmten Fällen könnten fehlgeschlagene interne Aufrufe nach dem Upgrade anders verarbeitet werden und unerwartete Konsequenzen haben.
Die Ethereum Foundation hatte bereits zuvor erklärt, dass die meisten Smart Contracts von den neuen Gas-Regeln nicht betroffen sein dürften.
Die Verschiebung soll verhindern, dass bekannte Kompatibilitätsprobleme ungeprüft in spätere Netzwerkversionen gelangen.
200 Millionen Gas vorerst gestrichen: Was Ethereum verliert
Glamsterdam ist ein wichtiger Bestandteil von Ethereums Skalierungsstrategie. Das Upgrade soll unter anderem die Blockerstellung effizienter organisieren und durch sogenannte Block-Level Access Lists die parallele Verarbeitung erleichtern.
Langfristig könnte das Netzwerk dadurch mehr Transaktionen verarbeiten, ohne die Anforderungen an Node-Betreiber unverhältnismäßig zu erhöhen. Der geplante Test mit einem Gas-Limit von 200 Millionen auf Hoodi sollte diese Entwicklung weiter vorbereiten.
Nun entfällt der bisherige Aktivierungstermin vollständig.
Wichtig: Glamsterdam wurde nicht grundsätzlich abgesagt. Betroffen ist die geplante Aktivierung auf Hoodi. Für das Ethereum-Mainnet war ohnehin noch kein verbindlicher Starttermin angekündigt worden.
Node- und Validator-Betreiber auf Hoodi müssen ihre Software beziehungsweise Netzwerkkonfigurationen aktualisieren, damit die ursprünglich geplante Aktivierung am 26. Oktober nicht versehentlich erfolgt.
Ethereum bei 2.400 Dollar: Belastung oder langfristige Chance?
Die Nachricht trifft Ethereum in einer schwachen Marktphase. Nach einem Rückgang von rund 3,4 Prozent am Donnerstag handelt ETH am Freitagmorgen wieder bei ungefähr 2.400 Dollar.
Kurzfristig bleibt das jüngste Tief um 2.360 Dollar ein wichtiger Unterstützungsbereich. Fällt dieser, könnte sich der Verkaufsdruck verstärken. Auf der Oberseite müsste Ethereum zunächst 2.480 bis 2.500 Dollar zurückerobern, um die jüngste Schwäche abzuschütteln.
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