Ethereum bekommt derzeit kräftigen Rückenwind von institutionellen Anlegern. Seit dem 12. August verzeichneten US-Spot-ETFs auf Ether zwölf Handelstage in Folge Nettozuflüsse. Insgesamt kamen dabei mehr als 1,5 Milliarden US-Dollar zusammen. Besonders auffällig ist die Rolle von BlackRock: Der ETHA-Fonds des Vermögensverwalters zog innerhalb weniger Handelstage mehr als eine Milliarde Dollar an.
Beim Kurs zeigt sich die starke Nachfrage bislang allerdings nur teilweise. Ethereum notiert aktuell bei rund 2.480 US-Dollar und damit deutlich über seinem 50-Tage-Durchschnitt. Gleichzeitig deuten Daten vom Terminmarkt darauf hin, dass kurzfristig orientierte Trader verstärkt Gewinne mitnehmen.
BlackRock dominiert die ETF-Zuflüsse
Der Großteil des institutionellen Kapitals konzentriert sich derzeit auf BlackRocks Ethereum-ETF ETHA. Laut Blockonomi sammelte der Fonds innerhalb von neun Handelstagen rund 1,02 Milliarden US-Dollar ein. Damit entfielen etwa 72 Prozent der gesamten Nettozuflüsse in Ethereum-Spot-ETFs während dieses Zeitraums auf BlackRock.
Besonders stark fiel der 27. August aus. An diesem Tag flossen rund 225,8 Millionen US-Dollar in ETHA – der bislang höchste Tageszufluss des Fonds. Seit seinem Start im Juli 2024 soll BlackRocks Ethereum-ETF damit auf kumulierte Nettozuflüsse von rund 12,74 Milliarden US-Dollar kommen.
Nicht alle Anbieter profitieren gleichermaßen von der aktuellen Nachfrage. Fidelitys FETH verzeichnete im gleichen Umfeld beispielsweise Abflüsse von rund 24,3 Millionen US-Dollar. Auch auf Wochensicht bleibt die Nachfrage hoch. In der Woche bis zum 21. August flossen laut Marktbeobachtern rund 697 Millionen US-Dollar in US-Ethereum-ETFs. Es war damit die stärkste Woche seit mehreren Monaten.
Ethereum-Kurs bleibt trotz Zuflüssen unter Druck
Trotz der hohen institutionellen Nachfrage gelingt Ethereum bislang kein eindeutiger Ausbruch nach oben.
Der ETH-Kurs liegt aktuell bei rund 2.479,84 US-Dollar. Damit handelt Ethereum etwa 24 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt von rund 2.005 US-Dollar. Technisch betrachtet bestätigt das den starken Aufwärtstrend der vergangenen Wochen.
Kurzfristig zeigt sich jedoch zunehmender Verkaufsdruck. Daten von Binance deuten darauf hin, dass aggressive Verkaufsorders zuletzt deutlich überwogen. Die sogenannte Taker-Buy/Sell-Ratio auf dem Futures-Markt fiel auf etwa 0,81.
Vereinfacht bedeutet das: Auf 100 aggressive Kauforders kamen ungefähr 123 Verkaufsorders. Diese Entwicklung passt zu einem Markt, in dem längerfristig orientierte Anleger Positionen aufbauen, während kurzfristige Trader nach der jüngsten Rally Gewinne realisieren.
Große Wallets ziehen ETH von Binance ab
Auch einzelne On-Chain-Transaktionen stützen das Bild einer anhaltenden Akkumulation durch größere Marktteilnehmer.
Am 28. August kaufte eine Wallet rund 5.425 ETH im Gegenwert von etwa 13,55 Millionen US-Dollar. Der durchschnittliche Kaufpreis lag demnach bei ungefähr 2.498 US-Dollar je ETH. Noch auffälliger war eine weitere Transaktion: Eine Adresse zog rund 40.000 ETH im Wert von etwa 100 Millionen US-Dollar von Binance ab.
Solche Abhebungen werden am Markt häufig als positives Signal interpretiert, da Coins, die von zentralisierten Börsen auf private Wallets transferiert werden, in der Regel nicht unmittelbar zum Verkauf bereitstehen. Allerdings lässt sich aus einzelnen Wallet-Bewegungen allein nicht eindeutig ableiten, welche Strategie hinter der jeweiligen Transaktion steht.
Einordnung: Institutionelle Nachfrage trifft auf Gewinnmitnahmen
Das aktuelle Marktbild bei Ethereum ist damit ungewöhnlich zweigeteilt. Auf der einen Seite stehen starke ETF-Zuflüsse, größere Käufe und auffällige Abhebungen von Kryptobörsen. Das spricht dafür, dass institutionelle und größere Anleger weiterhin Interesse an Ethereum zeigen.
Auf der anderen Seite steigt am Futures-Markt der kurzfristige Verkaufsdruck. Nach dem kräftigen Kursanstieg der vergangenen Wochen ist das zunächst nicht ungewöhnlich. Trader, die früh in die Rally eingestiegen sind, könnten einen Teil ihrer Gewinne sichern.
Für Ethereum wird deshalb entscheidend sein, ob die institutionellen Zuflüsse stark genug bleiben, um diese Verkäufe aufzufangen. Als kurzfristig wichtige Unterstützungszone gilt derzeit der Bereich zwischen rund 2.260 und 2.350 US-Dollar. Auf der Oberseite wartet zwischen 2.530 und 2.600 US-Dollar der nächste größere Widerstandsbereich. Ein nachhaltiger Ausbruch über diese Zone könnte das technische Bild weiter verbessern.
Ausblick: US-Regulierung könnte für neue Impulse sorgen
Neben den ETF-Zuflüssen dürfte in den kommenden Wochen auch die regulatorische Entwicklung in den USA stärker in den Mittelpunkt rücken.
Für den 15. September ist im US-Senat eine Abstimmung im Zusammenhang mit dem Digital Asset Market Clarity Act vorgesehen. Fortschritte bei einer klareren Regulierung des Kryptomarktes könnten vor allem institutionellen Investoren zusätzliche Planungssicherheit geben. Kurzfristig dürfte Ethereum jedoch weiter zwischen zwei Kräften schwanken: starken Kapitalzuflüssen über Spot-ETFs und Gewinnmitnahmen am Futures-Markt.
Kann ETH den Bereich um 2.530 bis 2.600 US-Dollar überwinden, könnte die nächste Aufwärtsbewegung folgen. Fällt der Kurs dagegen unter die Unterstützungszone bei 2.260 bis 2.350 US-Dollar zurück, wäre zunächst mit einer stärkeren Konsolidierung zu rechnen. Die grundlegende Nachfrage großer Anleger bleibt derzeit jedoch einer der wichtigsten Faktoren für Ethereum.