Bitcoin-Miner erhöhen nach Monaten ungewöhnlich ruhiger Aktivität wieder ihren Verkaufsdruck. Der Miners’ Position Index ist erstmals seit mehr als sechs Monaten mehrere Tage in Folge positiv, während Transaktionsgebühren weiterhin weniger als 1 Prozent der Miner-Einnahmen ausmachen. Genau diese Kombination könnte für Bitcoin gefährlich werden: Die Reserven kommen stärker in Bewegung, obwohl eine wichtige Einnahmequelle der Miner praktisch am Boden liegt.
Am 27. August lag der Miners’ Position Index, kurz MPI, bei +0,049 und damit den dritten Tag in Folge über null. Eine solche Serie gab es zuletzt Anfang Februar. Noch 30 Tage zuvor lag der Wert bei -0,64.
Damit hat sich das Bild innerhalb weniger Wochen deutlich gedreht.
Warum der neue Verkaufsdruck der Miner jetzt zählt
Der MPI misst, wie stark die Abflüsse aus bekannten Miner-Wallets im Verhältnis zu ihrem langfristigen Durchschnitt ausfallen. Steigt der Wert, bewegen Miner mehr Bitcoin als zuvor aus ihren Beständen heraus.
Ein positiver MPI bedeutet noch nicht automatisch, dass ein größerer Abverkauf unmittelbar bevorsteht. Entscheidend ist jedoch die Richtung: Nach den schwachen Abflüssen der vergangenen Monate nehmen die Bewegungen aus Miner-Wallets wieder sichtbar zu.
Für den Markt wird es vor allem dann kritisch, wenn der Index nun weiter im positiven Bereich steigt. Das würde darauf hindeuten, dass die Verkaufsbereitschaft der Miner nicht nur kurzfristig zunimmt, sondern sich zu einem stärkeren Belastungsfaktor entwickelt.
Gerade nach einer kräftigen Bitcoin-Erholung können zusätzliche Verkäufe der Miner relevant werden. Steigt das Angebot aus dieser Gruppe schneller, während die Nachfrage nachlässt, wächst der Druck auf den Kurs.
Gebühren bleiben unter 1 Prozent: Die zweite Warnung
Noch auffälliger ist die Entwicklung auf der Einnahmeseite der Miner. Am 27. August kamen lediglich rund 0,74 Prozent ihrer Einnahmen aus Transaktionsgebühren. Seit dem 15. August 2025 liegt dieser Anteil durchgehend unter der Marke von 1 Prozent. Damit hält diese außergewöhnlich schwache Phase bereits seit 377 Tagen an.
Für Miner bedeutet das: Ihre Einnahmen hängen weiterhin fast vollständig von der Blockbelohnung ab. Transaktionsgebühren können normalerweise einen zusätzlichen Puffer schaffen, insbesondere wenn die Aktivität im Bitcoin-Netzwerk stark zunimmt. Genau dieser Puffer fehlt derzeit.
Besonders deutlich wird das an der jüngsten Kursentwicklung. Obwohl Bitcoin laut den zugrunde liegenden On-Chain-Daten innerhalb von zwei Wochen kräftig zulegen konnte, bewegte sich der Anteil der Gebühreneinnahmen kaum und stieg lediglich von rund 0,72 auf 0,74 Prozent.
Der höhere Bitcoin-Preis hat also bislang keine vergleichbare Belebung der Gebühreneinnahmen ausgelöst.
Diese Kombination entscheidet über neuen Druck auf Bitcoin
Für Anleger ist nicht eine einzelne Kennzahl entscheidend, sondern das Zusammenspiel beider Entwicklungen.
Auf der einen Seite beginnen Miner wieder mehr Bitcoin zu bewegen. Auf der anderen Seite bleibt ihre Einnahmestruktur ungewöhnlich abhängig von der Blockbelohnung, weil Gebühren kaum zum Umsatz beitragen.
Das erhöht das Risiko, dass Miner steigende Kurse stärker zur Finanzierung ihrer laufenden Kosten nutzen und zusätzliche BTC auf den Markt bringen.
Noch ist daraus kein bestätigter größerer Abverkauf entstanden. Die entscheidende Marke liegt jetzt beim MPI: Bleibt der Index über null und steigt weiter, während die Gebührenquote unter 1 Prozent verharrt, würde sich der Verkaufsdruck deutlich verschärfen.
Fällt der MPI dagegen wieder unter null oder erholen sich die Gebühreneinnahmen spürbar, würde sich das Warnsignal abschwächen.
Für Bitcoin wird deshalb genau diese Kombination entscheidend: Steigende Miner-Abflüsse treffen auf eine Gebührenbasis, die seit mehr als einem Jahr praktisch keine Entlastung liefert. Bleibt der MPI jetzt positiv, könnte aus dem ersten Warnsignal schnell echter Verkaufsdruck werden.