Chainlink stellte Fulcrum am 30. September 2026 vor. Die Plattform soll Banken, Hedgefonds, Vermögensverwaltern und anderen institutionellen Marktteilnehmern ermöglichen, tokenisierte Vermögenswerte blockchainübergreifend für Finanzierungen einzusetzen.
Das Besondere: Der Ort, an dem ein Kreditgeschäft vereinbart wird, muss nicht mehr mit der Blockchain übereinstimmen, auf der Geld oder Sicherheiten liegen.
Tokenisierte Aktien könnten als Sicherheit dienen
Ein mögliches Beispiel zeigt, worauf Chainlink abzielt: Ein Investor besitzt eine tokenisierte Aktie und möchte Liquidität erhalten, ohne das Wertpapier zu verkaufen.
Über Fulcrum könnte das Asset als Sicherheit hinterlegt werden. Der Kreditgeber stellt im Gegenzug tokenisiertes Geld bereit. Beide Vermögenswerte können dabei auf unterschiedlichen öffentlichen oder privaten Blockchains liegen.
Unterstützt werden sollen unter anderem:
- tokenisierte Wertpapiere und Fonds,
- Stablecoins und tokenisierte Bankeinlagen,
- besicherte Kredite zwischen institutionellen Marktteilnehmern,
- Repo-Geschäfte über mehrere Blockchains,
- automatische Bewertung und Überwachung der hinterlegten Sicherheiten.
Damit baut Chainlink seine Position im Markt für tokenisierte Real-World-Assets und institutionelle Blockchain-Anwendungen weiter aus.
Finanzierungen sollen auch nachts und am Wochenende möglich werden
Ein zentraler Unterschied zum traditionellen Finanzsystem ist der mögliche 24/7-Betrieb.
Heute sind institutionelle Finanzierungen häufig von Handelszeiten, getrennten Abwicklungssystemen und manuellen Abstimmungen abhängig. Nach Angaben von Chainlink können mit Fulcrum Sicherheiten dagegen nahezu in Echtzeit bewertet werden.
Fällt deren Wert unter eine vorher festgelegte Grenze, könnten beispielsweise automatisch zusätzliche Sicherheiten angefordert oder andere im Vertrag definierte Maßnahmen ausgelöst werden.
Chainlink verweist dabei auf eine Analyse von Citi, wonach aufgrund von Abwicklungsfristen und operativen Hürden etwa ein Viertel institutioneller Sicherheiten zeitweise ungenutzt bleibt. Für ein durchschnittliches großes Tier-1-Finanzinstitut sollen dadurch jährlich rund 346 Millionen US-Dollar potenzielle Einnahmen verloren gehen.
So funktioniert Chainlink Fulcrum
Technisch verbindet Fulcrum mehrere bestehende Bestandteile der Chainlink-Infrastruktur.
- CRE: koordiniert den gesamten Ablauf einer Transaktion.
- CCIP: verbindet unterschiedliche öffentliche und private Blockchains.
- Data Streams: liefern aktuelle Marktpreise zur Bewertung der Sicherheiten.
- Smart Contracts: verknüpfen die Freigabe von Geld mit der erfolgreichen Prüfung der hinterlegten Assets.
Dadurch könnte beispielsweise Geld auf Blockchain A erst dann freigegeben werden, wenn auf Blockchain B bestätigt wurde, dass die vereinbarte Sicherheit tatsächlich vorhanden ist.
Die DTCC arbeitet parallel bereits daran, traditionelle Wertpapiere selbst in tokenisierter Form abzubilden. Im Juli wurden erstmals DTC-verwahrte Wertpapiere tokenisiert und in realen Transaktionen eingesetzt. Der offizielle Start des Tokenisierungsdienstes ist für Oktober 2026 vorgesehen.
Chainlink verbindet zunehmend klassische Finanzmärkte mit der Blockchain
Erst vor wenigen Tagen stellte Chainlink CCIP 2.0 vor und kündigte außerdem eine Verbindung zum neuen Blockchain-Ledger von SWIFT an.
Tokenisierte Assets sollen nicht nur auf einer Blockchain existieren, sondern ähnlich wie klassische Wertpapiere gehandelt, übertragen, beliehen und als Sicherheit verwendet werden können.
Chainlink hat bislang keine konkreten Angaben dazu gemacht, welches Transaktionsvolumen über Fulcrum laufen wird oder in welchem Umfang sich die Nutzung direkt auf LINK auswirkt.