Bei Bitcoin wird die aktuelle Korrektur zunehmend heikel. Analyst Axel Adler Jr. sieht in den On-Chain-Daten ein klares Warnsignal: Die Zuflüsse auf Krypto-Börsen liegen rund 50 Prozent höher als während des Februar-Abverkaufs, während der SOPR weiter unter 1,0 verharrt. Das bedeutet: Es gelangen deutlich mehr Coins auf Handelsplätze, während Anleger ihre Bestände im Schnitt mit Verlust bewegen.
Genau diese Kombination macht die Lage gefährlicher. Ein einzelner Rücksetzer wäre noch kein Problem. Doch wenn mehr Bitcoin zu Börsen fließen und gleichzeitig Verluste realisiert werden, steigt das Risiko, dass aus einer normalen Korrektur ein breiterer Verkaufsdruck wird.
Warum die Börsenzuflüsse jetzt so kritisch sind
Der Bitcoin Exchange Inflow im 30-Tage-Durchschnitt ist laut Adler auf etwa 122.000 BTC gestiegen. Damit liegt der Wert klar über der langfristigen Jahresbasis von rund 82.000 BTC. Besonders auffällig: Der Indikator nähert sich dem oberen Bereich der Standardabweichung, der bei etwa 131.000 BTC liegt.

Im Februar lag derselbe Wert noch bei rund 80.000 BTC. Heute fließen also deutlich mehr Coins in Richtung Börsen. Für Anleger ist das wichtig, weil Börsenzuflüsse häufig als potenzieller Verkaufsdruck gelesen werden. Bitcoin, der auf Handelsplätze bewegt wird, muss zwar nicht sofort verkauft werden. Doch je länger die Zuflüsse über dem Jahresdurchschnitt bleiben, desto stärker bleibt das Risiko, dass Angebot auf den Markt trifft.
Die entscheidende Entspannung käme erst dann, wenn der 30-Tage-Durchschnitt wieder in Richtung der 365-Tage-Linie fällt. Solange die Zuflüsse nahe dem oberen Band bleiben, spricht wenig für eine bestätigte Erholung. Dann bleibt jede Gegenbewegung anfällig für neue Abgaben.
SOPR unter 1,0 zeigt: Viele verkaufen bereits mit Verlust
Das zweite Warnsignal kommt vom Spent Output Profit Ratio, kurz SOPR. Dieser Indikator zeigt, ob bewegte Bitcoin im Schnitt mit Gewinn oder Verlust ausgegeben werden. Liegt der Wert über 1,0, realisiert der Markt Gewinne. Liegt er darunter, werden Coins im Durchschnitt mit Verlust bewegt.
Aktuell liegt der 30-Tage-Durchschnitt laut Adler bei etwa 0,99 und damit unter der kritischen Marke von 1,0. Von Mai bis Juli notierte der Wert an 37 von 61 Tagen unter dieser Schwelle. Das zeigt: Der Markt wirkt angeschlagen, und viele Marktteilnehmer bewegen Bitcoin nicht aus Stärke, sondern unter Druck.
Brisant ist vor allem der Vergleich mit Februar. Damals lag der SOPR ebenfalls bei rund 0,99. Der Unterschied: Die Börsenzuflüsse waren deutlich niedriger. Heute trifft ein ähnliches Verlustsignal auf einen viel größeren Strom von Coins in Richtung Börsen. Genau dadurch wirkt die aktuelle Korrektur schwerer.
Erholung oder neuer Abverkauf: Diese zwei Signale müssen jetzt drehen
Für Adler ist die Lage deshalb noch nicht bereinigt. Eine echte Verbesserung würde erst sichtbar, wenn beide Indikatoren gleichzeitig drehen. Der SOPR müsste nachhaltig über 1,0 steigen, damit der Markt wieder stärker aus einer Gewinnposition heraus agiert. Gleichzeitig müssten die Börsenzuflüsse zurück in Richtung der Jahresbasis fallen.
Solange nur der Kurs kurzfristig steigt, die On-Chain-Daten aber weiter Verkaufsdruck zeigen, bleibt eine Erholung unbestätigt. Genau hier liegt die Gefahr für Anleger: Ein Bounce kann stark aussehen, während im Hintergrund weiter Coins an Börsen geschickt und Verluste realisiert werden.
Die aktuelle Botschaft der Daten ist klar: Bitcoin befindet sich noch nicht in einer entspannten Marktphase. Die Korrektur wirkt schwerer als im Februar, weil diesmal mehr Angebot auf die Handelsplätze drückt. Jetzt zählt vor allem, ob SOPR über 1,0 zurückkehrt und die Zuflüsse deutlich abkühlen. Bleiben die Inflows nahe dem oberen Band, bleibt der Markt unter Wasser. Dann droht aus der Erholung schnell wieder neuer Druck.
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