Bitcoin arbeitet sich wieder an eine wichtige Kurszone heran, doch laut Glassnode ist das bisher eher eine wackelige Erholung als eine klare Trendwende. In seinem aktuellen „The Week On,chain“ Bericht beschreibt das Analysehaus, dass BTC zuletzt um die 74.000 US Dollar gehandelt wurde und damit rund 5,2 Prozent unter dem sogenannten True Market Mean bei etwa 78.100 US Dollar liegt. Genau diese Marke sieht Glassnode als wichtigsten kurzfristigen Härtetest für den Markt.
78.100 US Dollar als zentrale Hürde
Der True Market Mean gilt als eine Art Kostenbasis der „aktiven“ Coins und wird von Glassnode als harte On,chain Widerstandszone eingeordnet. Bitcoin ist zwar näher herangerückt, hat diese Schwelle aber noch nicht überzeugend zurückerobert. Glassnode hält einen Vorstoß bis an die Marke oder sogar leicht darüber für möglich, betont jedoch, dass ein nachhaltiger Ausbruch erst dann glaubwürdig wäre, wenn sich der Kurs oberhalb von 78.100 US Dollar stabilisieren kann.
Damit steckt der Markt in einer typischen Zwischenphase. Für viele Trader ist die 78.000er Region ein klares Ziel, gleichzeitig ist die Lage noch zu fragil, um schon von einer echten Trendwende zu sprechen.
Kurzfristige Anleger und Gewinnmitnahmen werden wichtiger
Ein Grund für Glassnodes vorsichtigen Ton ist das Verhalten der kurzfristigen Halter. Beobachtet wird dabei, wie viel Angebot von kurzfristigen Investoren aktuell im Gewinn liegt. In früheren Erholungsrallyes innerhalb von Bärenmärkten kamen lokale Hochs oft dann zustande, wenn diese Kennzahl in Richtung ihres Durchschnitts um 54,2 Prozent stieg. Der Wert liegt derzeit bei 43,2 Prozent.
Das kann bedeuten, dass die Rally noch Spielraum hat. Gleichzeitig nähert sich Bitcoin damit einer Phase, in der der Verkaufsdruck häufig zunimmt, weil neuere Marktteilnehmer Kursstärke nutzen, um Risiko abzubauen.
Dazu passen auch Glassnodes Daten zu realisierten Gewinnen. Das Verhältnis aus realisierten Gewinnen zu Verlusten liegt als 30 Tage EMA bei 1,16. Werte über 1 zeigen, dass mehr Gewinne als Verluste mitgenommen werden. Glassnode interpretiert das so, dass viele Anleger die aktuelle Erholung nutzen, um bei Einstand auszusteigen oder kleine Gewinne zu sichern. Das sei nicht automatisch ein Umkehrsignal, starke Ausschläge nach oben seien in Bärenmarktrallyes aber oft eher ein Hinweis auf Verteilung als auf echte, neue Nachfrage.
Spot, ETFs und Derivate: Erholung ja, volle Überzeugung nein
Auf der Nachfrageseite gibt es zwar Fortschritte. Spot Nachfrage und ETF Flüsse haben sich laut Glassnode wieder verbessert, auch die institutionelle Positionierung baut sich vorsichtig wieder auf. Trotzdem ist die Teilnahme am Markt ungleich verteilt. Beim Spot Handel fällt auf, dass Kaufdruck stärker von Binance als von Coinbase kommt, was eher auf mehr Aktivität aus dem Offshore, und Retail Umfeld hindeutet als auf breite institutionelle Nachfrage, die häufig mit Coinbase Flows verbunden wird.
Auch institutionelle Indikatoren drehen nach oben, aber ohne klare Entwarnung. Das Open Interest bei CME Futures steigt von lokalen Tiefs, und das verwaltete Vermögen der US Spot Bitcoin ETFs nimmt nach einer Abflussphase wieder zu. Allerdings liegen beide Reihen noch unter früheren Höchstständen. Glassnode spricht deshalb eher von einer vorsichtigen Rückkehr als von einem klaren Risk,on Modus.
Im Derivatemarkt zeigt sich ebenfalls Zurückhaltung. Funding Rates wirken ausgeglichen, die implizite Volatilität ist gesunken, und die Optionsstruktur bevorzugt weiterhin Puts gegenüber Calls, auch wenn nicht mehr so extrem wie zuvor. Übersetzt heißt das: Absicherungen werden etwas zurückgefahren, aber es gibt noch keine breite Wette auf stark steigende Kurse.
Liquidationsdaten deuten zudem auf ein Marktumfeld hin, das stark von technischen Zonen geprägt ist. Größere Long Liquidationen liegen demnach zwischen 63.000 und 65.000 US Dollar, während Short Liquidationen sich vor allem zwischen 74.000 und 76.000 US Dollar ballen. Das legt nahe, dass Bewegungen aktuell oft durch Liquidationen und Positionsanpassungen verstärkt werden.
Unterm Strich sieht Glassnode den Markt zwar deutlich gesünder als während des Ausverkaufs im Februar, aber noch nicht stabil genug für einen eindeutigen Trendwechsel. Die Bullen haben mit 78.000 US Dollar ein klares Ziel. Damit daraus mehr wird als nur Momentum, braucht es laut Glassnode nachhaltige Zuflüsse, breitere Beteiligung institutioneller Investoren und echte Nachfrage, die die zunehmenden Gewinnmitnahmen auffangen kann. Zum Zeitpunkt der Analyse lag der Bitcoin Kurs bei rund 74.905 US Dollar.