Bitcoin geht in eine der heikelsten Wochen des bisherigen Jahres. BTC notiert aktuell bei rund 78.002 US-Dollar und liegt damit spürbar über den Tiefs aus der ersten Aprilhälfte. Gleichzeitig rückt am 24. April auf Deribit eine große Bitcoin-Optionsfälligkeit im Volumen von rund 7,9 Milliarden Dollar näher.
CoinGlass beziffert das gesamte offene BTC-Optionsinteresse auf Deribit aktuell auf rund 32,95 Milliarden Dollar. Damit ist der anstehende Verfall zwar nicht der größte des Jahres, aber klar einer der wichtigsten Termine im laufenden Quartal.

Der Verfall am 24. April trifft auf ein dichtes Makrofenster
Der eigentliche Sprengstoff liegt nicht nur im Verfall selbst, sondern im Timing. Nur vier Tage nach dem Options-Settlement beginnt am 28. und 29. April die nächste FOMC-Sitzung. Direkt einen Tag später, am 30. April, veröffentlicht das Bureau of Economic Analysis sowohl die erste Schätzung des US-BIP für das erste Quartal 2026 als auch die März-Daten zu Personal Income and Outlays, zu denen auch der PCE-Inflationsindikator gehört. Dazu kommt: Der offizielle Fed-Blackout läuft bereits seit dem 18. April und endet erst am 30. April, sodass zwischen Verfall und Fed-Entscheid keine neue geldpolitische Guidance mehr kommt.
Genau diese Kombination macht das Setup für Bitcoin so heikel. Der Markt muss zunächst eine große Derivate-Bereinigung verarbeiten und bekommt danach innerhalb weniger Tage drei zentrale Makrosignale geliefert: die Zinsentscheidung, das BIP und den bevorzugten Inflationsmaßstab der Fed. In so einem Umfeld können Options-Hedges und Dealer-Positionierungen die erste Bewegung verstärken, aber sie entscheiden nicht allein über den Trend. Sie wirken eher wie ein Verstärker für das Signal, das zuerst aus Makro oder Geopolitik kommt. Diese Einordnung ist eine Schlussfolgerung aus der Terminlage und der typischen Rolle großer Optionsfälligkeiten.
Die Fed ist im Blackout, aber ihre Warnung steht trotzdem im Raum
Dass der Markt gerade so sensibel ist, liegt auch daran, dass die US-Notenbank in den Tagen vor dem Blackout auffällig vorsichtig klang. New-York-Fed-Präsident John Williams sagte am 16. April, die Entwicklungen im Nahen Osten trieben die Energiepreise spürbar nach oben und hoben bereits die Gesamtinflation an. Fed-Gouverneur Christopher Waller beschrieb am 17. April zwei mögliche Pfade: eine rasche Beruhigung, die später im Jahr wieder Raum für Zinssenkungen schaffen könnte, oder einen längeren Konflikt, bei dem sich höhere Inflation stärker in der Breite festsetzt.
Für Bitcoin heißt das: Selbst wenn die Derivatestruktur kurzfristig bullisch aussieht, bleibt der Markt an die Zins- und Inflationsfrage gefesselt. Solange Ölpreise und geopolitische Risiken die Inflationssorgen hoch halten, wird es für BTC schwerer, eine saubere Risk-on-Fortsetzung zu erzwingen. Barron’s berichtete heute zudem, dass Investoren für 2026 insgesamt eher mit keiner oder nur einer sehr begrenzten Zinssenkung rechnen. Das passt zu einem Umfeld, in dem Bitcoin zwar steigen kann, aber jeder größere Makroschock sofort wieder Gewinnmitnahmen auslösen dürfte.
Nahost, Öl und Max-Pain machen den Markt zusätzlich nervös
Die geopolitische Komponente ist zuletzt etwas weniger eindeutig geworden. AP berichtete heute, dass Präsident Trump eine Verlängerung der Waffenruhe mit Iran angekündigt hat, während Brent weiter nahe 98,51 Dollar pro Barrel und WTI bei 89,29 Dollar lag. Gleichzeitig bleibt die Lage im Hormus-Korridor angespannt. UNCTAD sprach bereits Ende März von einem Einbruch der Transits von rund 130 Schiffen pro Tag auf nur noch 6 im März, also einem Rückgang um etwa 95 Prozent. Das erklärt, warum Öl selbst nach diplomatischen Signalen hoch bleibt und warum Bitcoin weiterhin so empfindlich auf Schlagzeilen aus dem Nahen Osten reagiert.
Für Freitag bedeutet das konkret: Das Options-Setup kann Bitcoin kurzfristig in Richtung der Strike-Zonen ziehen, an denen besonders viel Interesse gebündelt ist, während mehrere Marktberichte das Max-Pain-Niveau für diese Verfallsrunde im niedrigen 70.000er-Bereich verorten.
Solange BTC deutlich darüber notiert, bleibt das Risiko bestehen, dass Dealer-Hedging und Makro-Nervosität eher bremsend als anschiebend wirken. Gleichzeitig gilt aber auch: Wenn die geopolitische Lage stabil bleibt und der Markt die Fed weiter als pausierend, aber nicht aggressiver einstuft, kann der Verfall auch einfach die Bühne für die nächste größere Bewegung freiräumen. Entscheidend ist damit weniger der Verfall allein als die Frage, welches Signal der Markt danach von Fed, BIP und PCE bekommt.