Bitcoin steht vor einem Belastungstest: Langfristige Halter reduzieren ihre Bestände inzwischen seit sieben Wochen, gleichzeitig hält sich der Kurs weiter bei rund 85.500 US-Dollar. Bislang absorbiert die Nachfrage das zusätzliche Angebot. Kritisch würde es jedoch, wenn die Verkäufe deutlich zunehmen und Bitcoin gleichzeitig nicht mehr weiter steigt.
Die jüngsten On-Chain-Daten zeigen, dass sogenannte Long-Term Holder zunehmend Gewinne realisieren. Der Weekly LTH Position Change lag zum 28. September bei minus 73.400 BTC. Eine Woche zuvor waren es lediglich minus 1.100 BTC.
Damit hat sich der Abbau der Positionen zuletzt deutlich beschleunigt. Von einer Kapitulationswelle ist Bitcoin allerdings noch weit entfernt: Im November 2025 hatte der Wert zeitweise rund minus 1,07 Millionen BTC erreicht.
Warum die Verkäufe Bitcoin bislang nicht stoppen
Entscheidend ist nicht allein, wie viele Bitcoin langfristige Anleger verkaufen. Mindestens genauso wichtig ist die Frage, ob genügend neue Käufer vorhanden sind, um dieses Angebot aufzunehmen.
Genau das scheint bislang zu funktionieren. Anfang Oktober konnte Bitcoin zeitweise bis über 87.000 US-Dollar steigen. Am 6. Oktober notiert die Kryptowährung nach einem leichten Rücksetzer wieder im Bereich von rund 85.500 Dollar. Seit Monatsbeginn liegt BTC damit weiterhin im Plus.
Auch kurzfristig lässt sich eine wichtige Zone erkennen. Aktuelle Marktdaten verorten eine erste Unterstützung ungefähr zwischen 85.050 und 85.470 Dollar. Auf der Oberseite liegt im Bereich von rund 86.300 bis 86.800 Dollar wieder stärkeres Angebot.
Kann Bitcoin diese Widerstandszone zurückerobern, wäre das ein weiteres Zeichen dafür, dass die Nachfrage die Verkäufe der erfahrenen Marktteilnehmer weiterhin auffängt. Fällt BTC dagegen nachhaltig unter die Unterstützungszone, würde die Kombination aus Gewinnmitnahmen und schwächerer Nachfrage deutlich problematischer.
Long-Term Holder nehmen wieder Gewinne mit
Das zweite wichtige Signal liefert der Long-Term Holder SOPR. Werte oberhalb von 1 zeigen, dass bewegte Coins dieser Anlegergruppe im Durchschnitt mit Gewinn transferiert werden.
Der von Axel Adler ausgewertete Wochenwert stieg am 21. September auf 1,24 und lag Ende September noch bei 1,18. Die bewegten Coins wurden damit im Verhältnis zu ihrem vorherigen Einstandspreis im Durchschnitt mit Gewinn bewegt.
Aktuellere Glassnode-Daten bestätigen den grundsätzlichen Trend. Der LTH SOPR lag am 2. Oktober weiterhin bei rund 1,12 und damit klar oberhalb der Gewinnschwelle von 1.
Das bedeutet allerdings nicht, dass sämtliche langfristigen Bitcoin-Anleger verkaufen oder dass jeder Long-Term Holder im Gewinn liegt. SOPR betrachtet ausschließlich Coins, die tatsächlich bewegt wurden. Auch ein Rückgang der LTH-Bestände lässt nicht automatisch darauf schließen, dass sämtliche Coins direkt an Börsen verkauft wurden.
Trotzdem ergibt die Kombination ein klares Bild: Ein Teil der langfristigen Anleger nutzt die höheren Kurse zunehmend zur Gewinnrealisierung.
Dieses Warnsignal würde die Lage deutlich verschärfen
Für Bitcoin ist diese Entwicklung bislang eher ein Belastungstest als ein unmittelbares Verkaufssignal. Solange der Markt das zusätzliche Angebot absorbiert und der Kurs stabil bleibt oder weiter steigt, spricht die Verteilung von Coins nicht zwangsläufig gegen den Aufwärtstrend.
Gefährlicher wäre eine Kombination aus stark zunehmendem Bestandsabbau bei Long-Term Holdern und gleichzeitig stagnierenden oder fallenden Kursen. Besonders aufmerksam sollten Anleger deshalb werden, falls der LTH Position Change wieder in den Bereich von mehreren Hunderttausend BTC abrutscht und Bitcoin zugleich wichtige Unterstützungen verliert.
Kurzfristig steht damit zunächst der Bereich um 85.000 Dollar im Mittelpunkt. Darüber bleibt die Chance auf einen erneuten Angriff auf 86.800 bis 87.000 Dollar bestehen. Unterhalb dieser Zone würde sich dagegen zeigen, ob die bisher robuste Nachfrage tatsächlich schwächer wird.
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