Die Kryptomärkte standen am Freitag erneut unter Druck, und diesmal war nicht der Ölpreis der wichtigste Taktgeber, sondern der US Anleihemarkt. Bitcoin rutschte wieder unter 69.000 US Dollar, nachdem es zu Wochenbeginn kurz eine Erholungsrally gab. Auch Ether gab nach. Im Fokus der Trader blieb die Rendite der 10 jährigen US Staatsanleihe, die sich hartnäckig nahe 4,42 Prozent hielt, während die Hoffnungen auf eine schnelle Entspannung im Iran Konflikt nachließen.
Anleiherenditen verdrängen Öl als wichtigster Markt Faktor
Der Newsletter The Kobeissi Letter brachte es in einem viel beachteten Beitrag auf den Punkt: Viele Investoren starren seit Wochen auf Kriegsschlagzeilen und den Ölpreis, doch im Hintergrund habe sich eine größere Kraft aufgebaut. Gemeint ist der Rentenmarkt. Aus Sicht von Kobeissi ist der Stress im Anleihemarkt aktuell das deutlich größere Problem für die USA als steigende Energiepreise.
Die These dahinter ist einfach: Ein Ölpreisschock kann Inflationsängste anheizen, und genau das landet am Ende bei den Zinsen. Wenn die Renditen steigen und die Schwankungen im Bondmarkt zunehmen, geraten praktisch alle Risikoanlagen unter Druck, also auch Krypto.
Diese Woche zeigte, wie schnell sich der Blick der Märkte dreht
Am Donnerstag sorgte eine Aussage von Präsident Donald Trump zunächst für Erleichterung. Er kündigte an, Angriffe auf iranische Energieanlagen für zehn Tage auszusetzen, bis zum 6. April. Gespräche würden, so Trump, sehr gut laufen. Kurzzeitig gaben die Renditen nach, doch die Bewegung hielt nicht.
Zum Ende der Sitzung stieg die Rendite der 10 jährigen US Staatsanleihe auf rund 4,415 Prozent, den höchsten Stand seit Juli. Gleichzeitig kletterten Hypothekenzinsen auf den höchsten Wert seit Oktober. Fed Gouverneurin Lisa Cook erklärte zudem, der Krieg habe die Risiken wieder stärker in Richtung Inflation verschoben. Am Terminmarkt wurde zeitweise sogar fast keine Chance mehr für eine Fed Zinssenkung im Jahr 2026 eingepreist.
Auch die Volatilität im Anleihemarkt sprang an. Der MOVE Index, ein wichtiger Indikator für Schwankungen bei US Staatsanleihen, lag bei etwa 115 Punkten und damit deutlich höher als am Vortag. Kobeissi verweist außerdem auf eine auffällige Verschiebung der Zinserwartungen: Wo der Markt Ende 2025 noch über mehrere Zinssenkungen 2026 diskutierte, tauchten plötzlich wieder Szenarien auf, in denen sogar Zinserhöhungen 2027 möglich wirken.
Warum Krypto weiter wie ein Makro Risiko Asset handelt
Für Bitcoin und Co ist die Botschaft laut vielen Beobachtern klar: Krypto bleibt stark von Liquidität und Finanzierungsbedingungen abhängig. Als Trump am 23. März erstmals von einem Aufschub möglicher Angriffe und neuen Gesprächen sprach, sprang Bitcoin um mehr als 5 Prozent nach oben und erreichte in New York kurzzeitig über 71.000 US Dollar. Diese Entspannung wurde jedoch wieder abverkauft, als der Fokus zurück auf die Renditen und die Geldpolitik wanderte. Am Freitag lag Bitcoin bei etwa 68.639 US Dollar, Ether bei 2.061,81 US Dollar, beide im Minus.
BitMEX Mitgründer Arthur Hayes formulierte es in seinem typischen Stil: Entscheidend sei nicht nur, ob sich die geopolitische Lage beruhigt, sondern ob der Stress im US Anleihemarkt so groß wird, dass Washington reagieren muss. In diesem Denken erholt sich Krypto erst dann nachhaltig, wenn über Maßnahmen von Finanzministerium oder Notenbank wieder Liquidität ins System kommt.
Ähnlich argumentiert auch Kobeissi. Sollte die Rendite der 10 jährigen Anleihe in Richtung 4,50 bis 4,70 Prozent steigen, erhöhe das die Wahrscheinlichkeit politischer Gegenmaßnahmen, weil das Weiße Haus sensibel auf Turbulenzen am Bondmarkt reagiere.
Unterm Strich schaut Krypto damit auf dieselben Signale wie die großen Makro Desks: Renditen, Zinserwartungen und die Glaubwürdigkeit jeder neuen Deeskalationsmeldung. Wenn die Anleihevolatilität abkühlt, könnten digitale Assets wieder schnell nach oben drehen. Wenn die Renditen dagegen weiter steigen, dürften Bitcoin und der restliche Markt weiter wie ein Teil des globalen Zins Trades behandelt werden.