Bitcoin-Bärenmarkt ungewöhnlich mild: Boden-Chance oder gefährliche Falle?

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Bitcoin-Bärenmarkt ungewöhnlich mild: Boden-Chance oder gefährliche Falle? (BitcoinBasis.de | Image GPT)

Bitcoin hat sich nach dem heftigen Rücksetzer im Februar zwar spürbar erholt, doch die wichtigste Frage bleibt offen: War der Absturz auf rund 60.000 Dollar bereits der Tiefpunkt dieses Zyklus oder nur eine Zwischenstation? Neue On-Chain-Daten von Glassnode zeigen jetzt ein ungewöhnliches Signal. Der Markt hat Schmerz gesehen, aber bislang keine Kapitulation wie in früheren Bitcoin-Bärenmärkten.

Im Mittelpunkt steht die sogenannte Relative Unrealized Loss. Diese Kennzahl zeigt, wie hoch die nicht realisierten Verluste der Bitcoin-Anleger im Verhältnis zur gesamten Marktkapitalisierung sind. Einfach gesagt: Sie misst, wie stark Investoren rechnerisch unter Wasser stehen, ohne ihre Coins bereits verkauft zu haben.

Nach dem Februar-Einbruch schoss dieser Wert auf rund 25 Prozent. Das bedeutet: Die Buchverluste im Netzwerk entsprachen zeitweise einem Viertel der gesamten Bitcoin-Marktkapitalisierung. Das ist ein klares Stresssignal. Doch im Vergleich zu früheren Bärenmärkten blieb der Wert auffällig niedrig.

Warum der Rückgang der Verluste kein klares Entwarnungssignal ist

Inzwischen ist die Relative Unrealized Loss laut Glassnode wieder auf etwa 8 Prozent gefallen. Das zeigt: Der akute Schmerz im Markt hat deutlich nachgelassen. Anleger sitzen zwar weiterhin auf Verlusten, doch der Druck ist nicht mehr so breit und aggressiv wie während des Februar-Abverkaufs.

Genau hier liegt der entscheidende Punkt. Glassnode beschreibt den aktuellen Zustand nicht als Kapitulation, sondern als Übergang von Angst zu Unsicherheit. Das ist ein wichtiger Unterschied. Kapitulation bedeutet, dass viele Anleger aufgeben, verkaufen und den Markt bereinigen. Unsicherheit bedeutet dagegen: Der Markt ist angeschlagen, aber noch nicht vollständig ausgespült.

Für Bitcoin ist das eine heikle Ausgangslage. Einerseits spricht der Rückgang der Verluste dafür, dass sich die Lage stabilisiert hat. Andererseits fehlt bislang das extreme Panikniveau, das in früheren Zyklen oft mit belastbaren Tiefpunkten verbunden war.

Diese 60.000-Dollar-Zone entscheidet jetzt über die ganze Erzählung

Sollte die Zone um 60.000 Dollar tatsächlich das Tief dieses Zyklus gewesen sein, wäre dieser Bärenmarkt laut Glassnode der bislang flachste in der Bitcoin-Geschichte. Der Markt hätte dann zwar Angst erlebt, aber keinen vollständigen Zusammenbruch der Anlegerstimmung.

Das wäre ein starkes Signal für eine strukturelle Veränderung. Bitcoin wäre dann reifer, tiefer liquide und möglicherweise weniger anfällig für die brutalen Kapitulationsphasen früherer Jahre. Institutionelle Nachfrage, langfristige Halter und ein verändertes Marktumfeld könnten dazu beitragen, dass Rücksetzer weniger zerstörerisch ausfallen.

Doch diese Deutung hat einen Haken. Wenn frühere Kapitulationsniveaus diesmal noch nicht erreicht wurden, könnte der Markt auch schlicht noch nicht am Ende des Bärenmarktes angekommen sein. Dann wäre die Erholung nur eine Entlastungsbewegung, während der eigentliche Belastungstest noch aussteht.

Kapital fließt zurück, aber noch ohne echte Überzeugung

Ein zweites Signal liefert die Realized Cap. Diese Kennzahl zeigt, wie viel Kapital Anleger insgesamt in Bitcoin eingebracht haben. Als der Markt im Februar unter Druck geriet, fiel die 30-Tage-Veränderung der Realized Cap deutlich ins Negative. Das bedeutete: Kapital verließ das Bitcoin-Netzwerk.

Inzwischen ist diese Veränderung wieder positiv. Frisches Kapital fließt also zurück in den Markt. Das ist grundsätzlich ein gutes Zeichen, weil Erholungen ohne neue Zuflüsse meist fragil bleiben.

Glassnode warnt jedoch, dass die aktuellen Zuflüsse noch deutlich schwächer sind als an vergleichbaren Wendepunkten früherer Zyklen. Genau das macht die Erholung anfällig. Bitcoin zeigt Stabilisierung, aber noch nicht die starke Überzeugung, die einen neuen Aufwärtstrend wirklich tragen würde.

Für Anleger zählt deshalb jetzt vor allem eine Frage: Hält die Erholung über der kritischen Tiefzone oder kippt der Markt erneut in Richtung 60.000 Dollar? Solange die Verluste sinken und Kapital zurückkehrt, lebt die Chance auf einen ungewöhnlich milden Bärenmarkt. Bricht diese Stabilisierung jedoch, wird aus Unsicherheit schnell wieder echter Druck.

Jetzt entscheidet sich, ob 60.000 Dollar der Boden waren oder nur die nächste Marke vor dem eigentlichen Stresstest.

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