Bitcoin ist in der Nacht zum Mittwoch deutlich unter Druck geraten und innerhalb von rund zwei Stunden von etwa 85.500 auf 83.900 US-Dollar gefallen. Hinter dem Rücksetzer standen nicht nur normale Verkäufe: Daten vom Analysten Axel Adler Jr. zeigen gleichzeitig einen deutlichen Überhang aggressiver Market-Sell-Orders und starke Liquidationen gehebelter Long-Positionen.
Am Mittwochmorgen hat sich Bitcoin zwar wieder auf rund 84.200 Dollar erholt, die Gefahr ist damit aber nicht verschwunden. Entscheidend ist jetzt, ob sich BTC oberhalb des Bereichs zwischen 83.000 und 83.900 Dollar stabilisieren kann. Ein nachhaltiger Bruch darunter würde das kurzfristige Chartbild deutlich verschlechtern und könnte 80.000 Dollar wieder ins Spiel bringen.
Warum der Absturz unter 84.000 Dollar mehr als ein normaler Rücksetzer war
Besonders auffällig war während des Abverkaufs der sogenannte Taker Order Pressure Oscillator. Der Indikator misst vereinfacht, ob Käufer oder Verkäufer verstärkt zu aktuellen Marktpreisen handeln.
Gegen 01:00 UTC fiel der Wert laut Adler auf minus 4,9. Damit dominierten Market-Sell-Orders klar gegenüber aggressiven Käufen. Eine Woche zuvor hatte der Wert noch bei rund plus 0,7 gelegen.
Nach dem Tief bei etwa 83.900 Dollar entspannte sich die Lage etwas. Gegen 04:00 UTC war der Indikator auf minus 3,1 zurückgekehrt. Verkäufer hatten damit weiterhin die Oberhand, allerdings nicht mehr mit derselben Intensität.
Für eine wirkliche Entwarnung wäre eine Rückkehr in Richtung null relevant. Erst dann wäre das kurzfristige Ungleichgewicht zwischen aggressiven Verkäufern und Käufern weitgehend verschwunden.
Parallel verschärften Liquidationen den Rückgang. Adlers Liquidation Pressure Oscillator fiel über Nacht von minus 11 auf minus 78. Das zeigt, dass vor allem Long-Positionen zwangsweise geschlossen wurden, nachdem der Bitcoin-Kurs gegen sie gelaufen war.
Dabei ist wichtig: Liquidationen bedeuten nicht automatisch, dass langfristige Bitcoin-Investoren ihre Coins verkaufen. Sie zeigen zunächst vor allem, dass gehebelte Trader aus ihren Positionen gedrängt wurden.
Diese Zone entscheidet jetzt zwischen Stabilisierung und neuem Verkaufsdruck
Ein einzelner Liquidationsschub muss noch keinen längeren Abwärtstrend auslösen. Das zeigte sich bereits am 3. Oktober. Damals fiel der Liquidationsindikator laut Adler sogar auf minus 91. Einen Tag später stieg Bitcoin wieder über 86.000 Dollar.
Genau deshalb ist weniger die Stärke einer einzelnen Liquidationswelle entscheidend als ihre Dauer.
Problematisch würde es, wenn Bitcoin dauerhaft unter das jüngste Tief von rund 83.900 Dollar fällt und gleichzeitig aggressive Verkäufe sowie Long-Liquidationen über mehrere Stunden oder Tage dominant bleiben. Ein ähnliches Muster war Ende September zu beobachten, als negative Werte länger anhielten und Bitcoin von etwa 86.600 auf 84.400 Dollar zurückfiel.
Auch andere Marktbeobachter sehen inzwischen eine kritische Zone knapp darunter. FxPro hatte bereits vor dem Rückgang darauf hingewiesen, dass ein Bruch unter 84.000 Dollar den Verkäufern einen Vorteil verschaffen würde. Unter dem jüngsten Bereich um 83.000 Dollar könnte sich laut der Analyse relativ schnell Raum bis 80.000 Dollar öffnen.
Warum Bitcoin jetzt auch von außen unter Druck gerät
Der Rücksetzer findet zudem nicht isoliert am Kryptomarkt statt. Steigende Ölpreise, ein festerer US-Dollar und erneut hohe Renditen amerikanischer Staatsanleihen verschlechtern derzeit das Umfeld für Risikoanlagen.
Bitcoin fiel am Mittwochmorgen zeitweise bis auf rund 83.840 Dollar, während Brent-Öl auf etwa 101,50 Dollar stieg und die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen bei rund 5,31 Prozent lag.
Gleichzeitig wartet der Markt auf das Protokoll der jüngsten Sitzung der US-Notenbank. Neue Hinweise darauf, wie aggressiv die Federal Reserve bei weiteren Zinsschritten vorgehen könnte, könnten zusätzliche Volatilität auslösen.
Auf der Oberseite bleibt wiederum eine bekannte Hürde bestehen. Glassnode hatte zuletzt zwischen 85.000 und 85.500 Dollar eine größere Ansammlung von Verkaufsorders identifiziert. Bitcoin müsste diesen Bereich zunächst zurückerobern und anschließend auch die mehrfach getestete Zone um 87.000 Dollar überwinden, damit die Käufer wieder klar die Kontrolle übernehmen.
Damit stehen die entscheidenden Marken fest: Solange Bitcoin über rund 83.000 bis 83.900 Dollar bleibt, ist eine Stabilisierung weiterhin möglich. Ein nachhaltiger Bruch darunter würde dagegen das Risiko eines Rückfalls Richtung 80.000 Dollar erhöhen. Für die Bullen wäre eine Rückkehr über 85.500 Dollar das erste stärkere Zeichen, dass der nächtliche Abverkauf tatsächlich nur ein kurzfristiger Shakeout war.
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