Die ESMA veröffentlichte am 28. September ihr Arbeitsprogramm für 2027. Für den Kryptosektor markiert es einen wichtigen Übergang: Statt neue Regeln vorzubereiten, soll stärker darauf geachtet werden, dass MiCA-regulierte Krypto-Dienstleister die bestehenden Vorgaben tatsächlich einheitlich erfüllen.
Darauf will die ESMA bei Krypto-Anbietern achten
Die Behörde nennt mehrere konkrete Schwerpunkte:
- betriebliche und digitale Widerstandsfähigkeit von Krypto-Dienstleistern,
- Risiken durch ausgelagerte Dienstleistungen und externe Anbieter,
- ausreichende Unternehmenssubstanz innerhalb der EU,
- Liquiditätsrisiken auf dem europäischen Kryptomarkt,
- die rechtliche Einstufung einzelner Kryptowerte,
- die Nutzung der sogenannten Reverse Solicitation durch Anbieter aus Drittstaaten.
Über die Reverse-Solicitation-Ausnahme können Unternehmen aus Nicht-EU-Staaten unter bestimmten Voraussetzungen EU-Kunden bedienen, wenn die Geschäftsbeziehung ausschließlich vom Kunden ausgeht.
Auch Geldwäsche und KYC rücken stärker in den Fokus
Die ESMA will zudem enger mit der neuen europäischen Geldwäschebehörde AMLA zusammenarbeiten. Dabei geht es insbesondere um die Einhaltung von Geldwäsche- und KYC-Vorgaben durch Krypto-Dienstleister.
Gleichzeitig sollen die nationalen Aufsichtsbehörden ihre Überwachung stärker vereinheitlichen. Geplant sind gemeinsame Risikokennzahlen und harmonisierte Berichte der Krypto-Anbieter an ihre jeweiligen nationalen Behörden.
EU baut zentrales Überwachungssystem für Kryptomärkte aus
Ein weiterer Schwerpunkt ist das Überwachungssystem MIDAS. Die erste Phase des zentralen Systems zur Marktüberwachung von Kryptowerten soll 2027 vollständig einsatzbereit sein.
Damit wollen ESMA und nationale Behörden mögliche Marktmanipulationen und andere Verstöße gegen MiCA besser erkennen. Eine zweite Ausbaustufe ist ebenfalls für 2027 vorgesehen, sofern der ESMA-Verwaltungsrat zustimmt.
MiCA könnte 2027 erneut verändert werden
Die EU-Kommission soll bis Juni 2027 einen Bericht zur bisherigen Anwendung von MiCA vorlegen. Die ESMA will ihre Erfahrungen aus der praktischen Aufsicht einbringen und sich bereits auf mögliche neue Gesetzesvorschläge vorbereiten.
Für Krypto-Anbieter bedeutet das: Nach der MiCA-Einführungsphase beginnt zunehmend die Phase der konkreten Kontrolle. Entscheidend wird 2027 nicht mehr nur sein, ob eine Börse eine Lizenz besitzt, sondern auch, wie sie ihre Geschäfte innerhalb der EU tatsächlich organisiert.