Bitcoin hat innerhalb weniger Wochen einen beeindruckenden Stimmungswechsel hingelegt. Vom Bereich um 60.000 Dollar schoss BTC bis über 87.000 Dollar, Short-Positionen wurden massenhaft aus dem Markt gedrängt und Anleger sprechen plötzlich wieder von 100.000 Dollar. Doch ausgerechnet jetzt stellt sich ein Trader demonstrativ gegen die Euphorie.
Dr. Profit hat nach eigenen Angaben bei 86.200 Dollar eine größere Bitcoin-Short-Position eröffnet. Sein erstes Ziel liegt bei 79.000 Dollar. Entscheidend dabei: Das ist keine neue Bärenmarkt-Prognose. Seine Spot-Bestände aus dem Bereich um 60.000 Dollar bleiben nach eigener Aussage vollständig unangetastet.
Er bezeichnet den Bärenmarkt sogar als beendet und setzt lediglich darauf, dass Bitcoin nach dem explosiven Anstieg seinen wichtigsten langfristigen Ausbruch noch einmal testet.
Von Angst zu extremer Gier: Genau jetzt setzt er gegen die Masse
Noch vor wenigen Wochen dominierte die Sorge, Bitcoin könnte im Oktober ein neues Tief markieren. Seitdem hat sich die Situation praktisch um 180 Grad gedreht.
BTC stieg am Montag zeitweise über 87.000 Dollar und erreichte damit den höchsten Stand seit Januar. Selbst nach dem ersten Rücksetzer handelt Bitcoin am Dienstagmorgen weiterhin im Bereich von etwa 85.000 bis 86.000 Dollar. Der jüngste Anstieg wurde unter anderem von verbesserter Spot-Nachfrage, ETF-Zuflüssen und einem massiven Short-Squeeze getragen.
Der von CoinStats ausgewiesene Crypto Fear & Greed Index steht am 22. September bei 78 Punkten und damit in „Extreme Greed“. Besonders auffällig ist die Geschwindigkeit des Stimmungswechsels: Noch vor einer Woche lag der Wert bei lediglich 34 Punkten und damit im Bereich „Fear“.
Genau darauf zielt Dr. Profits Argument ab.
Als Bitcoin in der Nähe von 60.000 Dollar notierte, erwarteten viele Marktteilnehmer weitere Verluste. Nach dem Sprung Richtung 87.000 Dollar wächst dagegen plötzlich die Angst, den neuen Bullenmarkt zu verpassen. Nach Ansicht des Traders könnte gerade dieser schnelle Wechsel von Angst zu FOMO die Voraussetzung für eine kurzfristige Bereinigung schaffen.
Auch die technischen Momentumindikatoren zeigen inzwischen, wie weit Bitcoin kurzfristig gelaufen ist. Ein aktueller Daily-Snapshot von CoinLore weist den RSI bei rund 73,8 Punkten aus und damit im überkauften Bereich. Auch Stochastic RSI und CCI signalisieren dort eine stark gestreckte Bewegung. Gleichzeitig bleiben MACD, SuperTrend und die übergeordnete Trendstruktur bullisch.
Genau diese Kombination ist entscheidend: Bitcoin kann langfristig bullisch und kurzfristig trotzdem zu heiß gelaufen sein.
Hält der MA50, könnte der Rücksetzer zur nächsten Bullen-Chance werden
Dr. Profits Short ist deshalb weniger eine Wette auf einen neuen Crash als eine Wette auf Abkühlung innerhalb eines bullischen Trends.
Das Futures-Open-Interest ist zuletzt auf rund 37,28 Milliarden Dollar gestiegen. Gleichzeitig nahmen Long-Funding-Zahlungen zu, während Käufer auch auf den Perpetual-Märkten aggressiver wurden.
Hinzu kommt am Freitag ein möglicher Volatilitäts-Trigger: Rund 43 Prozent des gesamten Bitcoin-Options-Open-Interest konzentrieren sich laut QCP auf den anstehenden Quartalsverfall. Besonders große Positionierungen liegen bei Strikes von 85.000, 90.000, 95.000 und 100.000 Dollar.
Das erhöht die Wahrscheinlichkeit größerer Ausschläge in beide Richtungen. Für die Bären wäre zunächst entscheidend, dass Bitcoin den Bereich um 85.000 Dollar verliert und anschließend wieder unter die ehemalige Ausbruchszone um 81.000 bis 82.000 Dollar rutscht. Erst dann würde Dr. Profits Ziel am 50-Wochen-Durchschnitt um 79.000 Dollar deutlich näher rücken.
Sollte auch diese Region brechen, könnte der Abwärtsdruck zunehmen. Eine aktuell modellierte Liquidation-Heatmap für Hyperliquid zeigt einen größeren noch offenen Long-Liquidationsbereich tiefer bei rund 74.000 Dollar. Solche Heatmaps sind allerdings Modellrechnungen und keine Garantie dafür, dass der Kurs diese Zone tatsächlich erreicht.
Auf der anderen Seite bleibt das bullische Gegenszenario ebenso klar.
Und genau hier liefert die institutionelle Nachfrage ein starkes Gegenargument zur Short-These. Am Montag, dem 21. September, flossen laut Farside Investors netto rund 999 Millionen Dollar in die US-Spot-Bitcoin-ETFs.

Allein BlackRocks IBIT verbuchte 381,4 Millionen Dollar, ARK 21Shares kam auf 289,1 Millionen Dollar und Fidelitys FBTC auf weitere 238,8 Millionen Dollar. Solche Zuflüsse zeigen, dass auf dem aktuellen Kursniveau weiterhin erhebliche Nachfrage über die ETF-Schiene in den Markt kommt.
Bitcoin hat seinen 50-Wochen-Durchschnitt zurückerobert, der Tagestrend bleibt aufwärtsgerichtet und die institutionelle Nachfrage hat sich stark verbessert. Schafft BTC nach der aktuellen Konsolidierung einen nachhaltigen Ausbruch über die jüngsten Hochs, rückt der Widerstandsbereich zwischen 88.000 und 90.000 Dollar wieder in den Mittelpunkt.