OUSD startet mit Visa & Stripe – Circle warnt vor Hürde Liquidität

OUSD startet mit Visa & Stripe – Circle warnt vor Hürde Liquidität
OUSD startet mit Visa & Stripe – Circle warnt vor Hürde Liquidität (BitcoinBasis.de | Image GPT)

Open Standard hat am 30. Juni 2026 den neuen Dollar-Stablecoin Open USD, kurz OUSD, angekündigt. Das Projekt startet mit einem auffällig großen Unterstützerkreis: Mehr als 140 Unternehmen sollen sich laut Berichten für die Nutzung registriert haben. Genannt werden unter anderem Visa, Stripe, Mastercard, American Express, Coinbase, BlackRock, BNY, Google, Shopify sowie Krypto-Infrastrukturen wie Solana, Base, Ripple und Fireblocks.

Damit positioniert sich OUSD nicht als weiterer einzelner Stablecoin-Anbieter, sondern als breit angelegtes Konsortium. Genau das ist auch der Kern der Botschaft: Open USD soll nicht nur von einer Firma kontrolliert werden, sondern als gemeinsame Infrastruktur für Zahlungsverkehr, Krypto-Handel und digitale Abwicklung dienen.

Doch Circle-CEO Jeremy Allaire macht deutlich, dass eine lange Partnerliste allein noch keinen funktionierenden Stablecoin-Markt schafft. Entscheidend sei nicht, wer einen Stablecoin theoretisch unterstützt, sondern ob daraus echte Liquidität, breite Verfügbarkeit und wiederkehrende Nutzung entstehen.

Open Standard setzt auf Gebührenfreiheit und Reserveerträge

Nach den bisherigen Angaben soll OUSD Minting und Redemption in großem Umfang ohne Kosten ermöglichen. Das bedeutet: Partner sollen Open USD ausgeben und zurücktauschen können, ohne klassische Gebührenstrukturen tragen zu müssen.

Noch wichtiger ist jedoch das wirtschaftliche Modell hinter dem Stablecoin. Die Erträge aus den Reserveanlagen sollen nach Abzug einer Verwaltungsgebühr an die Partner fließen. Damit schafft Open Standard einen direkten finanziellen Anreiz für Unternehmen, OUSD zu nutzen, zu integrieren und weiterzuverbreiten.

Gesteuert werden soll das Projekt laut Ankündigung von einem unabhängigen Vorstand aus Partnern. Das unterscheidet OUSD sichtbar von stärker zentral geführten Stablecoin-Modellen wie USDC oder USDT. Für große Zahlungsdienstleister, Börsen und Technologieanbieter könnte dieses Modell attraktiv sein, weil sie nicht nur Nutzer, sondern wirtschaftlich beteiligte Akteure wären.

Für den Markt ist das relevant, weil Stablecoins längst nicht mehr nur als Handelswährung für Krypto-Börsen betrachtet werden. Sie werden zunehmend als Infrastruktur für Zahlungen, Abwicklung, internationale Transfers und Treasury-Management positioniert.

Circle kontert: Stablecoins sind Märkte mit Netzwerkeffekten

Circle-CEO Jeremy Allaire ordnet den Vorstoß als typisches Plattformthema ein. Stablecoin-Netzwerke entstehen nicht über Nacht. Sie entwickeln sich über Liquidität, regulatorische Verfügbarkeit, Börsenintegration, Zahlungsvolumen und wiederkehrende Nutzung.

Seine zentrale These: Stablecoin-Märkte tendieren zu wenigen großen Gewinnern. Wer bereits Liquidität, Integrationen und Vertrauen aufgebaut hat, ist schwer zu verdrängen. Genau hier sieht Circle den eigenen Vorteil.

Circle verweist auf die bestehende Verbreitung von USDC. Der Stablecoin wird laut Unternehmen nativ auf zahlreichen Netzwerken unterstützt und ist in mehreren regulatorischen Rahmenwerken verfügbar, darunter auch im europäischen MiCA-Umfeld.

Auch beim Transaktionsvolumen sieht Circle USDC klar vorn. Für das erste Quartal 2026 meldete Circle ein USDC-On-Chain-Transaktionsvolumen von 21,5 Billionen US-Dollar sowie 77,0 Milliarden US-Dollar USDC im Umlauf. Zusätzlich nennt Circle unter Visa Onchain Analytics einen Anteil von 63 Prozent am Stablecoin-Transaktionsvolumen.

Ein Bericht von CEX.IO kam ebenfalls zu dem Ergebnis, dass USDC im ersten Quartal 2026 einen sehr hohen Anteil am Stablecoin-Transaktionsvolumen erreichte. Gleichzeitig weist der Bericht aber auf eine wichtige Einschränkung hin: Ein großer Teil des Stablecoin-Volumens wird von automatisierter Aktivität geprägt. Das relativiert die Aussagekraft reiner Volumenzahlen, zeigt aber trotzdem, wie stark bestehende Liquiditätsstrukturen bereits zugunsten von USDC wirken.

Die eigentliche Frage: Wird aus Distribution auch Nutzung?

OUSD startet mit einem starken Narrativ: große Partner, gebührenfreie Ausgabe und Rücknahme, Beteiligung an Reserveerträgen und ein Konsortiumsmodell. Das kann für Unternehmen attraktiv sein, die Stablecoin-Infrastruktur nutzen wollen, ohne sich vollständig von einem einzelnen Anbieter abhängig zu machen.

Trotzdem bleibt die entscheidende Frage offen: Kann OUSD diese Distribution in echte Nutzung übersetzen?

Genau hier liegt die größte Hürde. Stablecoins funktionieren nur dann, wenn sie dort verfügbar sind, wo Liquidität gebraucht wird: auf Börsen, in Zahlungsnetzwerken, in DeFi-Protokollen, bei institutionellen Treasury-Prozessen und im internationalen Zahlungsverkehr. Eine Integration allein reicht nicht. Nutzer müssen den Stablecoin regelmäßig verwenden, Handelsplätze müssen tiefe Liquidität bereitstellen und Unternehmen müssen ihn in operative Zahlungsflüsse einbauen.

OUSD muss also nicht nur beweisen, dass viele Unternehmen Interesse haben. Der Stablecoin muss nach dem Start zeigen, dass daraus dauerhaftes Volumen entsteht.

Konsortium als Stärke und Risiko

Das Konsortiumsmodell kann ein Vorteil sein, weil es wirtschaftliche Anreize verteilt und große Partner enger einbindet. Gleichzeitig kann genau diese Struktur auch zum Risiko werden.

Je mehr Unternehmen beteiligt sind, desto komplexer werden Governance, Interessenabgleich und strategische Entscheidungen. Ein Stablecoin braucht schnelle technische Weiterentwicklung, klare regulatorische Umsetzung und belastbare Liquiditätssteuerung. Große Konsortien können dabei helfen, Reichweite aufzubauen. Sie können aber auch langsamer entscheiden als ein fokussierter Anbieter.

Hinzu kommt: Viele der genannten Partner sind nicht exklusiv an OUSD gebunden. Einige nutzen bereits USDC, USDT oder eigene Stablecoin-Infrastrukturen. Deshalb ist die Unterstützerliste zwar ein starkes Signal, aber noch kein Beweis für spätere Dominanz.

Fazit: OUSD ist ein Angriff auf USDC, aber noch kein Beweis für Verdrängung

Open USD ist einer der spannendsten neuen Stablecoin-Vorstöße des Jahres 2026. Das Projekt greift Circle nicht über ein einzelnes Produkt an, sondern über ein Netzwerkmodell mit prominenten Partnern und wirtschaftlichen Anreizen.

Für Circle ist das ernstzunehmende Konkurrenz. Gleichzeitig hat USDC einen klaren Vorsprung bei Liquidität, Infrastruktur, regulatorischer Verfügbarkeit und bestehender Nutzung. Genau diese Faktoren sind in Stablecoin-Märkten entscheidend.

OUSD startet also mit großer Aufmerksamkeit, aber auch mit einer schwierigen Aufgabe. Der Markt wird nicht daran messen, wie viele Namen auf der Partnerliste stehen. Entscheidend wird sein, ob Open USD nach dem Launch dauerhaftes Volumen über Zahlungen, Börsen, DeFi und Treasury-Anwendungen hinweg aufbauen kann.

Erst dann wird aus einem prominenten Stablecoin-Projekt ein echter Angriff auf USDC.

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