Die ewige Vorzugsaktie STRC von Strategy (ehemals MicroStrategy) hat am 18. Juni einen ungewöhnlich heftigen Ausschlag gezeigt: Intraday fiel das Papier bis auf 82,61 US-Dollar und lag damit fast 17 Prozent unter dem Nennwert von 100 US-Dollar. Anschließend erholte sich STRC auf 88,59 US-Dollar. Im gleichen Zeitraum verlor Strategy-Aktie MSTR 3,4 Prozent auf 112,53 US-Dollar, während Bitcoin bei rund 62.730 US-Dollar notierte und etwa 2,5 Prozent im Minus lag. Die Bewegung trifft ein Produkt, das eigentlich auf Stabilität um die 100-Dollar-Marke ausgelegt ist.
Warum STRC trotz 11,5% Dividende plötzlich unter Druck gerät
STRC ist so konstruiert, dass sich die Dividendenrate monatlich anpasst, um den Kurs nahe 100 US-Dollar zu halten. Aktuell liegt die annualisierte Dividendenrate bei 11,50 Prozent, die Auszahlung erfolgt zweimal pro Monat in bar. Beim Erholungskurs von 88,59 US-Dollar entspricht das einer effektiven Rendite von rund 13,0 Prozent – ein Wert, der zeigt, wie stark der Markt einen Risikoaufschlag verlangt. Laut Chartangabe stieg die marktimplizite Rendite nach dem Kursrutsch sogar auf etwa 13,9 Prozent.
Die Dimension ist auch deshalb relevant, weil STRC ein großes Volumen hat: Das ausstehende Nominalvolumen liegt bei rund 10,5 Milliarden US-Dollar. Bei 11,5 Prozent Dividende ergeben sich damit jährliche Ausschüttungskosten von etwa 1,21 Milliarden US-Dollar. Würde Strategy die Dividendenrate auf 14 Prozent erhöhen, lägen die jährlichen Kosten bei rund 1,47 Milliarden US-Dollar. Zugleich gilt: Strategy ist rechtlich nicht verpflichtet, STRC tatsächlich nahe 100 US-Dollar zu halten. Im Prospekt wird zudem gewarnt, dass eine höhere Dividende bei einem Kurs unter Par den Preis nicht zwingend wieder auf 100 bringen muss.
Ein Bitcoin-Minus von 2,5% – und STRC rutscht 17%: Was dahintersteckt
Der Kursausschlag wirkt aus Sicht vieler Marktbeobachter wie ein Liquiditätsereignis. Denn: Ein Bitcoin-Rückgang von 2,5 Prozent ging laut Beschreibung mit einem Intraday-Ausschlag von 17 Prozent bei STRC einher. In den Monaten, in denen STRC nahe am Nennwert handelte, nutzten Anleger das Papier demnach als niedrigvolatilen Carry-Trade und setzten Hebel ein, um die Rendite zu erhöhen. Als der Kurs dann unter wichtige Marken fiel, sollen Margin Calls eine Kette von Liquidationen ausgelöst haben.
Ryan Haczynski, Head of Protocol Partnerships bei GlobalStake, verwies außerdem auf On-Chain-STRC-Derivate und tokenisierte Aktienprodukte, die Käufe und Tokenisierung von Aktien vorgenommen hätten, während größere Marktteilnehmer Short-Positionen aufgebaut hätten. Haczynski sagte zudem, Michael Saylor habe kürzlich eingeräumt, dass ChatGPT bei der Entwicklung der STRC-Struktur eine Rolle gespielt habe.
Vertrauensfrage statt Bitcoin-Besicherung: Kritik nimmt zu
Die Kursbildung unter Par hat eine Debatte über die Tragfähigkeit des Konstrukts befeuert. Gold- und Bitcoin-Kritiker Peter Schiff bezeichnete STRC als „den offensichtlichsten Ponzi“ und behauptete, neues Kapital finanziere Zahlungen an bestehende Halter. Der Text ordnet die Kritik als teilweise bestätigt ein und beschreibt STRC im Kern als Vertrauensmodell in das Management.
Tyler Wellener, CSO bei Tyr Capital, sagte, die Kapitalstruktur von Strategy sei im vergangenen Jahr komplexer geworden; der Markt sei nervös, ob das Unternehmen alle Verpflichtungen erfüllen könne. Wellener betonte zudem, STRC sei kein wirklich durch Bitcoin besichertes Instrument, sondern hänge stark vom Vertrauen in Management und Kapitalallokation ab.
Ein zentraler Punkt bleibt die Finanzierung der Ausschüttungen. Strategy verkaufte zwischen dem 26. und 31. Mai 32 BTC für 2,5 Millionen US-Dollar, um Vorzugsaktien-Ausschüttungen zu finanzieren, und kaufte anschließend 1.550 BTC für 101,3 Millionen US-Dollar. Zum 7. Juni hielt Strategy 845.256 BTC, die US-Dollar-Reserve lag bei 1 Milliarde US-Dollar. Der Verkauf von 32 BTC war laut Darstellung rund 482-mal kleiner als ein Jahr STRC-Dividenden bei aktueller Rate – und zeigt damit eher die Größenordnung der laufenden Verpflichtungen als eine nachhaltige Finanzierungsquelle.
Wellener warnte, dass Bitcoin-Verkäufe zur Finanzierung von Ausschüttungen die Bilanz schwächen und den Markt verunsichern könnten, weil große BTC-Halter de-risken könnten und MSTR-Aktionäre möglicherweise lieber direkt Bitcoin oder ETFs halten würden. Haczynski hält als nächsten wahrscheinlichen Schritt eine Kombination aus höherer Dividendenrate, opportunistischen Rückkäufen von STRC oder zusätzlichen Kapitalaufnahmen über MSTR oder klassische Schulden für denkbar. Im Text wird ein gut strukturierter Rückkauf von STRC als stärkstes Vertrauenssignal beschrieben.
Entscheidend ist nun, ob STRC sich stabil über 90 US-Dollar etablieren kann oder ob der Markt eine effektive Rendite von 14 Prozent als neue Basis einpreist. Bleibt die Preisbildung dauerhaft unter 90 US-Dollar, wäre das ein klares Signal, dass Anleger STRC eher als „distressed“ Kreditrisiko im Bitcoin-Umfeld bewerten – und nicht als stabilisiertes Dividendenprodukt nahe 100 US-Dollar.